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Teure Schmutzkampagne: PR-Firma konstruierte Verbindung zwischen Katar und Terrorismus

Teure Schmutzkampagne: PR-Firma konstruierte Verbindung zwischen Katar und Terrorismus
Nicht glaubwürdig aber gut produziert- eine Anti-Katar-Kampagne mit Expertise aus dem Hause Bell Pottinger (Quelle: Screenshot aus dem YouTube-Video "Qatar: A Dangerous Alliance")
Ein Ex-Mitarbeiter von Bell Pottinger mit Erfahrung in Propaganda-Kampagnen im Auftrag des Pentagon produzierte für eine Dubaier Firma einen Film über angebliche Verbindungen des Katar zum Terrorismus, enthüllt das Büro für Investigativen Journalismus (TBIJ).

Anfang Juni des vergangenen Jahres wurde das Emirat Katar mit einer Blockade durch seine Nachbarn überrascht. In einer offenkundig konzertierten Aktion brachen Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Ägypten alle diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Der Vorwurf ausgerechnet von Saudi-Arabien lautete, dass Katar den globalen Terrorismus unterstütze.

Wie die britische Journalisten-Initiative "Bureau of Investigative Journalism" (TBIJ) nun aufdeckte, steckt auch hinter dieser Affäre eine teuer produzierte Schmutzkampagne aus einer westlichen PR-Stube.

Demnach erhielt Charles Andreae, der ehemalige US-Geschäftsführer der berüchtigten PR-Agentur Bell Pottinger, im August 2017 über 500.000 Dollar für die Produktion eines sechsteiligen Films, der eine Verbindung zwischen Katar und den globalen Terrorismus darlegen sollte.

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Charles Andreae, dessen Firma Andreae & Associates mit der Produktion des Films beauftragt wurde, hatte bei Bell Pottinger bereits seine Expertise für derartige Aufträge unter Beweis gestellt, indem er ein 500-Millionen-Dollar-Projekt, einen Auftrag aus dem Hause Pentagon, beaufsichtigte, im Rahmen dessen streng geheime Einflussoperationen während des Irakkrieges durchgeführt wurden.

Insbesondere vor dem Hintergrund westlicher Empörung über Fake News erscheinen derartige Kampagnen auch den Journalistinnen des TBIJ Jessica Purkiss und Abigail Fielding-Smith besorgniserregend:

Der jüngste Vertrag unterstreicht die wachsende Besorgnis über ausländische Einflusskampagnen im Herzen Washingtons. Während die Rolle Russlands bei den Wahlen in den USA im Mittelpunkt stand, haben die Länder am Persischen Golf auch große Summen ausgegeben, um ihre Agenda an die Regierung von Präsident Trump weiterzuleiten.

Der professionell produzierte Film mit dem Titel "Qatar: A Dangerous Alliance" (Katar: Eine gefährliche Verbindung) zeigt konservative Experten, die über die vermeintliche Verbindungen Katars zu islamistischen Gruppen sprechen, das Ganze durchsetzt mit Nachrichten und Archivmaterial.

Gleichzeitig als Propagandatool für die US-Aktivitäten im Irak und als Honigfalle für potenzielle al-Qaida-Sympathisanten sollten vermeintliche Videos der Terrorgruppe dienen, die mithilfe eines britischen PR-Büros hergestellt worden waren.

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Kopien des Videos wurden im Oktober 2017 bei einer Veranstaltung im Hudson Institute verteilt.

Präsident Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon war ein Hauptredner auf der Veranstaltung, ebenso wie Ex-Verteidigungsminister Leon Panetta und der ehemalige CIA-Direktor General David Petraeus.

Das Hudson Institute ist Teil eines Netzwerkes von neokonservativen Denkfabriken mit großem Einfluss in Washington, zu dem auch die US-amerikanische Denkfabrik "Foundation for the Defense of Democracries", kurz FDD, gehört, von der im November vergangenen Jahres eine andere Geschichte stammte, durch die der Iran in Verbindung mit dem globalen Terrorismus gestellt werden sollte.

Das Katar-Terrorismus-Video "Dangerous Alliance" ist auf Amazon streambar und scheint auf YouTube mehr als 700.000-mal angesehen worden zu sein. Zahlreiche Kommentatoren bekunden Zweifel, dass die Behauptungen in dem "Dokumentarfilm" Substanz haben, bezeichnen es als Propaganda oder fordern einen Film über die "Verbindungen" der Vereinigten Staaten.

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Britische PR-Agentur Bell Pottinger - Experten im Bereich Fake-Dokumentarfilme

Die britische PR-Agentur Bell Pottinger war bereits zuvor in die Schlagzeilen geraten. So wurde bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium während des Irakkrieges zwischen 2007 bis 2011 bei der Firma gefälschte Al-Qaida-Videos und falsche Nachrichten im Wert von rund 540 Millionen Dollar bestellt hat, wie das TBIJ und die Sunday Times im Jahr 2016 aufdeckten.

Wie der Mitbegründer der Agentur, Tim Bell, dem TBIJ jüngst mitteilte, fädelte Charles Andreae in Washington den Pentagon-Propaganda-Vertrag ein. Das Irak-Programm enthielt Nachrichtenberichte, die so aussehen sollten, als wären sie von arabischen Medienkanälen produziert worden, und gefälschte Al-Qaida-Videos. Das zuständige Team bei Bell Pottinger war General Petraeus unterstellt, der zu dem Zeitpunkt die US-Streitkräfte im Irak führte, sowie dem Auslandsgeheimdienst CIA und dem National Security Council, wie der britische Lord Bell, Gründer der Agentur, im Nachinein bestätigte.

Bell Pottinger musste im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, nachdem zahlreiche Fehltritte bekannt geworden waren, darunter eine Kampagne, mit der rassische Spannungen in Südafrika geschürt wurden.

Auftrag für Anti-Katar-Film über Kommunikationsfirma in Dubai

Im Falle der Anti-Katar-Propaganda gingen die Verbindungen des PR-Unternehmens mit den Vereinigten Arabischen Emiraten aus dem Lobbyregister des US-Justizministeriums hervor. US-Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, Informationen über Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit für ausländische Kunden offenzulegen.

Der betreffende Eintrag zeigte, dass Andreae & Associates (A&A) im August 2017 von Lapis Communications beauftragt wurde, "sechs Multimedia-Produkte zu produzieren, die sich auf eine Untersuchung der Rolle des Staates Katar und der Verbindung des Staates zum globalen Terrorismus konzentrieren". Lapis ist ein in Dubai ansässiges strategisches Kommunikationsunternehmen im Besitz eines afghanisch-australischen Unternehmers.

Der Film wurde vor dem Hintergrund der konzertierten Kampagne und Blockade gegen Katar vonseiten der Regierungen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emiraten produziert.

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Londoner PR-Firma erhielt Auftrag für Anti-Katar-Social-Media-Kampagne aus den Emiraten

Kurz nach dem Lapis-Vertrag mit Andreae & Associates schöpss der Emirati National Media Council einen Vertrag mit einem Londoner PR-Unternehmen über 250.000 Dollar. Ein Teil davon ging an SCL Social für eine Anti-Katar-Social-Media-Kampagne. SCL Social ist Teil der SCL Group, zu der auch Cambridge Analytica gehört, ein Unternehmen, das jetzt in Kontroversen über die Nutzung der Daten von Facebook-Nutzern verstrickt ist. 

Colin Judd, der Mitarbeiter von Lapis Communications, der im US-Justizministerium im Zusammenhang mit dem A&A-Vertrag genannt wurde, arbeitete seinem LinkedIn-Profil gemäß ebenfalls für Bell Pottinger und half einem Regierungskunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten. David Sowells, strategischer Partner von A&A, ist ebenfalls auf der Website des Unternehmens als ehemaliger Mitarbeiter von Bell Pottinger aufgeführt.

Das Logo des Nachrichtensenders Al Jazeera in Doha, Katar

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Charles Andreae selbst hat sich im Januar dieses Jahres beim US-Senat als Lobbyist für die Beziehungen zwischen Katar und den USA registriert. Auf die Bitte des Präsidiums um eine Stellungnahme zu dieser Geschichte reagierte nach Angaben von TBIJ weder Charles Andreae noch irgendjemand von Lapis Communications.

Laut New York Times hat der politische Berater des De-facto-Herrschers der VAE auch versucht, die Agenda des Golfstaates in Washington durch Trumps Spendensammler Elliott Broidy voranzutreiben. Die Times berichtete, dass Broidys Firma Circinus lukrative Aufträge in den VAE erhalten habe und dass Broidy selbst im März 2017 Vorschläge für eine Anti-Katar-PR-Kampagne gemacht habe. Broidy war ein Geldgeber für die oben erwähnte Veranstaltung des Hudson Institute, bei der der Propagandafilm "Qatar: A Dangerous Alliance" verbreitet wurde.

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Es ist nicht klar, inwieweit sich die aufwendigen Anti-Katar-Aktivitäten gelohnt haben. Abgesehen von den Kommentaren unter dem Film auf YouTube, welche mehrfach zugunsten Katars ausfallen, begrüßte US-Präsident Trump jüngst den Emir von Katar im Weißen Haus.

Profitiert haben in jedem Fall die involvierten PR- und Lobbyfirmen in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und den Emiraten, Verlierer ist die Glaubwürdigkeit.

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