Doppelte Standards im Katar-Streit: Terror-Unterstützer beschuldigen andere der Terrorunterstützung

Doppelte Standards im Katar-Streit: Terror-Unterstützer beschuldigen andere der Terrorunterstützung
Saudi-Arabien beschuldigt Katar, den Terrorismus zu unterstützen. Die Saudis spielten Expertenaussagen zufolge aber eine viel größere Rolle bei der Verbreitung der extremistischen Ideologie, auf der der Terrorismus basiert. RT sprach mit Politikanalysten.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Jemen haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Außerdem schlossen Saudi-Arabien und Bahrain ihre Grenzen zu dem Land. Die fünf arabischen Staaten beschuldigen Doha, Terrorismus zu unterstützen und sich in die inneren Angelegenheiten arabischer Staaten einzumischen.

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RT fragte die Nahostanalystin Marwa Osman, was hinter diesen Anschuldigungen steckt und warum diese gerade jetzt auftauchen. Osman meinte dazu:

Sie tauchten bereits im Jahr 2011 auf. [...] Aber ich denke, Menschen, die selbst Terrorismus beherbergen, zeigen nun mit dem Finger auf andere Menschen, die auch Terrorismus beherbergen. Das sollte die Pointe eines sehr ernsten Witzes sein, ist es aber nicht. Es ist sehr riskant und eine Herausforderung für die gesamte Region. Die Anspannung zwischen Katar und Saudi-Arabien wurde vor drei Monaten spürbar, als die Zweigorganisationen, die beide Staaten finanziert hatten, sich in Syrien zerstritten und einander gegenseitig bekämpften. Das war das erste Zeichen, dass ein Krieg der Worte zwischen ihnen begann, der durch das beendet wurde, was am Montag geschah [Abbruch der Beziehungen zu Katar; d. Red.]. Alles begann während der sogenannten arabischen Aufstände und des Arabischen Frühlings im Jahr 2011, der einen historischen Hintergrund hat. Es zeigte sich, dass die Akteure sich seit den Aufständen im Jahr 2011 gegenseitig herausforderten, um die Kontrolle über die MENA-Region zu übernehmen. Offensichtlich unterstützten sie dabei unterschiedliche Gruppen in ​​Staaten von Tunesien über Libyen bis Syrien. Eigentlich begann alles sogar in den 1950er Jahren, denn der wichtigste Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar begann mit der saudischen Unterstützung für die Muslimbruderschaft sowie dem Golfkrieg, bei dem sie Feinde waren.

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Wikileaks: Hillary Clinton nannte beide Länder bei der Terrorunterstützung

Kritiker beschuldigten Saudi-Arabien wiederholt, an der Seite Katars den Terrorismus zu unterstützen. WikiLeaks veröffentlichte 2016 E-Mails von Hillary Clinton, in denen diese sagt, dass Katar und Saudi-Arabien beide den ISIS unterstützen. RT erkundigte sich bei Osman, ob dieser gegenwärtige Streit ein Versuch ist, den Fokus auf Doha zu verlagern. Dazu unterstrich die Expertin:

Ja, aber um dies mit mehr Beweisen zu belegen, könnte man sich den Terrorismusbericht ansehen, dessen Veröffentlichung im Vereinigten Königreich gestern verboten wurde - weil er direkt gegen Saudi-Arabien spricht und Saudi-Arabien als einen Sponsor und Unterstützer von Terrorismus im Nahen Osten und anderswo bezeichnet. Das ist ein Teil der Beweise. Ja, sie versuchen, Katar als den einzigen Unterstützer von Terroristen im Nahen Osten darzustellen, aber das ist nicht wahr.

Noch nie dagewesener Streit zwischen den Ländern des Golf-Kooperationsrates

Der Experte im Bereich der Nahost-Angelegenheiten Ali Rizk beschreibt den aktuellen Streit als ein Beispiel für doppelte Standards.

Saudi-Arabien trug viel mehr als Katar zu der Vermehrung und Verbreitung der extremistischen Ideologie bei, die den Terrorismus ernährt", sagte er in einem Gespräch mit RT und fuhr fort: "Es ist immer wieder dokumentiert worden, dass es Saudi-Arabien ist, das hinter der wahhabitischen Ideologie steckt."

Der Nahostexperte erklärte außerdem, dass Katar die Anti-Iran-Agenda nicht sehr stark unterstütze, die während des Trump-geführten islamischen Gipfels in Saudi-Arabien geäußert worden sei, da es unter anderem keinen Anstieg der konfessionellen Spannungen wünsche.

Katar war nicht sehr begeistert über das, was während des Besuchs von Donald Trump in Saudi-Arabien stattfand. Wir sahen Trump, der stark in das saudische Lager rutschte, und wir sahen die beispiellose Feindseligkeit in der Sprache, die der Saudi-König Salman in Bezug auf den Iran verwendete", sagte Rizk.

Es gibt viele Gründe für diesen Mangel an Begeisterung über diese "endgültige feindliche Anti-Iran-Agenda. […] Einer davon ist ein Erdgasfeld, das sich der Iran und Katar teilen". Weiter erklärte der Experte:

Und damit haben wir ein Resultat, das in der Tat noch nie dagewesen ist. Nicht nur den Abbbruch diplomatischer Beziehungen, sondern auch das Schließen der Land- und Seegrenzen. Das ist etwas, was wir vor allem noch nie in den Beziehungen zwischen den Ländern des Golf-Kooperationsrates (GCC) gesehen haben", betonte er weiter.

Trump verstärkt Konfrontation eher als sie zu beruhigen

Seiner Meinung nach könnte die Trump-Regierung "etwas zufrieden mit dem sein, was passierte".

Wenn Sie sich erinnern, hat Donald Trump die Hamas während seiner Rede in Riad in die Kategorie der Terrororganisationen eingestuft. Und Katar hat eine enge Beziehung zur Hamas. Der Leiter des Politbüros der Hamas, Chalid Maschal, lebt in Katar. Daher glaube ich, dass auch die Trump-Regierung einen eigenen, bedeutsamen Anteil an den Differenzen mit Katar hat", unterstrich Rizk.

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Mittlerweile forderte US-Außenminister Rex Tillerson die GCC-Länder dazu auf, ihre Differenzen beizulegen.

Ich denke, was wir beobachten, ist eine wachsende Liste von einigen Ärgernissen in der Region, die dort seit geraumer Zeit gewesen sind, und offensichtlich haben sie jetzt eine Ebene erreicht, auf der die Länder genötigt sind, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Differenzen anzusprechen", sagte Tillerson am Montag in Sydney und setzte fort: "Wir würden die Parteien sicherlich ermutigen, sich zusammenzusetzen und ihre Differenzen beizulegen."

Washington hat starke Beziehungen zu Saudi-Arabien und Katar, wo sie auch eine US-Militärbasis unterhalten. Auf der Al Udeid Air Base südwestlich von Doha sind etwa 11.000 Mitarbeiter des US-Militärs stationiert.

US-Basis in Katar steht nicht infrage

Laut Dr. Said Sadiq, Professor an der American University, ist es für Washington "sicherlich" ziemlich hart, sich hinsichtlich der aktuellen Situation in der Mitte zu befinden.

Aber in der gleichen Zeit wissen sie, dass jede Änderung in der tatsächlichen Politik in Katar ihre Militärbasis nicht auf irgendeine Weise beeinflussen wird. Die liegt jenseits des aktuellen Streits. Die US-amerikanischen Bindungen zu den Golfstaaten, besonders zu Saudi-Arabien, sind wichtiger. Und Katar hatte eine Funktion, in der es den USA und der CIA durch die Militärbasis diente. Und ich glaube nicht, dass sich mit einer neuen Führung in Doha daran etwas ändern wird", sagte er zu RT.

Die politische Analytikerin Maria Sultan deutete wiederum an, dass hier und jetzt die Rolle der USA in der Region und die regionalen Prioritäten auf dieser Basis tatsächlich kontextualisiert und umkontextualisiert würden.

Vielleicht gibt es eine Besorgnis in der islamischen Welt. Eine Idee dabei ist, dass die neue US-Strategie auf einer Implosion beruht, die die schiitisch-sunnitische Kluft in der islamischen Welt und vor allem im Nahen Osten im Auge hat, jetzt, wo der Kampf zwischen dem Iran und Saudi-Arabien in dem Maße polarisiert ist, wie wir es im Moment sehen", erklärte Sultan in einem Gespräch mit RT.

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