Fake News – Pentagon brüstet sich mit Sieg über ISIS (I)

Fake News – Pentagon brüstet sich mit Sieg über ISIS (I)
In Syrien wurde der "Islamische Staat" weitgehend von der Armee mit der Unterstützung Russlands zerschlagen. Die USA schreiben sich den Sieg über die Terrormiliz nun auf die eigenen Fahnen.
Jahrelang haben die USA die Bekämpfung ihres Geschöpfes ISIS nur vorgetäuscht. In den letzten Jahren wurde der Schwindel immer offensichtlicher. Die extrem brutale ISIS-Kreation diente Washington als nützlicher Feind, der in Irak und Syrien militärisch und politisch die Ziele Washingtons bediente.

von Rainer Rupp

Kaum war klar, dass es nur noch wenige Tage, wenn nicht sogar Stunden sein würden, bis auch die letzte syrische Ortschaft, die noch von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS bzw. ISIS) besetzt war, von der  Syrisch-Arabischen Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe befreit sein würde, da erklärte sich am 5. Dezember das US-Verteidigungsministerium vor aller Welt als alleiniger Sieger im Kampf gegen den IS-Terrorismus. Damit war Pentagon-Sprecher Eric Pahon dem Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Valeri Gerassimow, um einen Tag zuvorgekommen. Der erklärte am 6. Dezember, dass "alle terroristischen Einheiten des IS auf syrischem Boden zerstört und das vom IS gehaltene Territorium komplett befreit" worden sei.

Symbolbild

Mit diesem Griff in die Kiste der hinterhältigen Propagandatricks des Pentagon ist es Sprecher Pahon immerhin gelungen, zumindest in westlichen Mainstream-Medien die Zerschlagung der IS-Terroristen in Syrien einzig und allein als Verdienst der siegreichen, US-geführten Koalition zu reklamieren. Gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti verstieg er sich sogar zu der absurden Aussage, dass „das syrische Regime und Russland gar keine ernsthaften Anstrengungen zur Zerstörung des ,Islamischen Staates‘ gezeigt“ hätten.

Die Russen hätten „nur einen kleinen Teil der Einsätze durchgeführt. Der Großteil des Territoriums, welches im Irak und in Syrien befreit wurde, wurde dank den Bemühungen der internationalen (US)-Koalition und ihrer Partner befreit“, so Sprecher Pahon. Mit dieser Erklärung ist das Pentagon mal wieder extrem sparsam mit der Wahrheit umgegangen, was, diplomatisch ausgedrückt, für eine faustdicke Lüge steht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn von Anfang an haben die in Irak und vor allem in Syrien angeblich gegen den IS tätigen US-Streitkräfte nur zum Schein die Terrormiliz bekämpft. Tatsächlich aber haben die USA alles getan, um ISIS zu schonen und dessen Verluste möglichst klein zu halten, denn letztlich war ISIS in Syrien im US-Auftrag unterwegs, mit dem Ziel, die Assad-Regierung zu stürzen. Dieser Zusammenhang war mit ein Grund, weshalb US-Präsident Obama seinerzeit Russland stets als eine „viel größere Gefahr“ für US-Interessen bezeichnete als ISIS.

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IS dient den USA als Vorwand für eigene Truppenpräsenz

Dank des mysteriösen Auftauchens der kampfstarken ISIS-Terrormiliz im Irak, quasi aus dem Nichts, war es den USA gelungen, 2014 erneut im Irak militärisch Fuß zu fassen. Obamas Abzug der US-Truppen aus dem Zweistromland im Jahr 2011 war damals von den liberalen und neo-konservativen Kriegstreibern unisono als schwerer Fehler gerügt worden, denn eine fette Beute wie Irak lässt man nicht einfach so aus den Händen gleiten.

Nach dem Irak etablierte sich dann auch in Syrien schnell ein ISIS-Ableger und führte von dort einige wirkungslose Angriffe gegen US-Truppen jenseits der Grenze auf irakischem Territorium. Aus diesem höchst willkommenen Umstand konstruierte Washington flugs eine abenteuerliche juristische Konstruktion, die jedem Aspekt des Völkerrechts spottet, um zuerst die US-Luftangriffe auf syrisches Territorium und später auch die Entsendung von inzwischen über 2.000 US-Sondereinsatztruppen in das Land zu rechtfertigen. Die US-Luftangriffe galten angeblich der Bekämpfung von ISIS in Syrien, aber tatsächlich klagte die Assad-Regierung in Damaskus schon bald, dass die US-Bomber systematisch die Infrastruktur des Landes, vor allem aber Brücken, zerstörten und somit die Bewegungsfreiheit der Syrisch-Arabischen Armee beim Kampf gegen die Terroristen einschränkten.

USA fördern und instrumentalisieren Dschihadisten

Was viele Beobachter bis dahin schon vermutet hatten, dass nämlich der angebliche US-anti-ISIS-Einsatz nicht gegen die IS-Terrormiliz gerichtet war, sondern gegen die syrischen Regierungskräfte, wurde 2012 dann auch durch ein offizielles Dokument der US-Militäraufklärung (DIA) bestätigt. Aus diesem von General Flynn ans Weiße Haus geschickten Papier geht unter anderen hervor, dass die westlichen Regierungen unter Führung der USA bewusst al-Qaida-Gruppierungen und andere islamistische Gewaltextremisten, aus denen schließlich die ISIS hervorging, finanziell, militärisch und politisch unterstützen, mit dem ausdrücklichen Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen. Damit werden die Obama-Regierung und deren westlichen und nahöstlichen Verbündeten als Geburtshelfer und Unterstützer der erst später auftretenden ISIS bloßgestellt.

Symbolbild: IS-Konvoi in Rakka im Juni 2014

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In ihren Bemühungen, den syrischen Präsidenten gewaltsam zu stürzen, waren vor allem Saudi-Arabien und Katar besonders eifrig und finanzierten zu großen Teilen den Aufbau der terroristischen Vorläufer-Gruppierungen, aus denen dann ISIS in Syrien formiert wurde. Aktive Hilfestellung erhielten sie dabei von den USA, die zuvor die islamistischen Gewaltextremisten zu „moderaten Kämpfern“ erklärten, um sie dann - zum Beispiel in Camps in Jordanien - an modernen Waffen, im Umgang mit Kommunikationsmitteln und Einsatz von Kampfmitteln auszubilden.

Die Tatsache, dass die meisten dieser von CIA und US-Spezialeinheiten ausgebildeten, „gemäßigten“ Terrorschüler nach ihrem Training mehr oder weniger nahtlos zur ISIS kamen, hielt Washington nicht davon ab, das Ausbildungsprogramm fortzusetzen. Die damit einhergehende Stärkung des ISIS passte offensichtlich ins Washingtoner Kalkül, was längst kein Geheimnis mehr war. So argumentierte beispielsweise der als “einflussreichster Kommentator” der USA gelobte, „liberale Falke“ Thomas Friedman am 18. März 2015 in der New York Times, ob es nicht besser wäre, wenn Washington auf das Versteckspiel verzichten und die ISIS ganz offen bewaffnen würden, auch mit schweren Waffen. Dieser Vorschlag Friedmans erhielt im außenpolitischen US-Establishment sogar nicht wenige Unterstützer, wie angesichts des in Washington vorherrschenden politischen Irrsinns nicht anders zu erwarten war.

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"Symbolischer" Kampf löst öffentliche Kritik aus

Im Irak war seinerzeit die Kritik an der nur noch als „symbolisch“ empfundenen Bekämpfung der ISIS durch die US-Luftwaffe schnell zum herrschenden Thema geworden. In Militärkreisen in Bagdad mokierte man sich über die angeblich doch so effiziente US-Luftwaffe, die trotz vieler Einsätze nicht mehr fertig brachten, als hin und wieder ein paar ISIS-Geschütze auszuschalten, einen ISIS-Tankwagen in die Luft zu jagen oder einen angeblichen ISIS-Kommandeur mit einer Drohne auszulöschen.

Die Tatsache, dass die US-Luftwaffe nur sehr langsam und ungenau arbeitete, war nicht nur hochrangigem irakischen Militärs aufgefallen, sondern schließlich auch US-Medien, die vom Pentagon offensichtlich noch nicht hinreichend in die eigentliche US-Strategie eingeweiht worden waren. Auf Nachfrage bezüglich der geringen Erfolgsrate der US-Luftwaffe gegen ISIS bekamen sie vom Pentagon die verblüffende Antwort, dass „ISIS Truppenbewegungen und Ansammlungen extrem schwer zu identifizieren“ seien. Und da man die irakische und syrische „Zivilbevölkerung vor Schaden bewahren“ möchte, müsse man außergewöhnlich vorsichtig vorgehen. Das erkläre die geringe Wirkung der Luftschläge. Als ob Washington bei seinen vielen Kriegen, Bombardements und Drohneneinsätzen rund um die Welt jemals Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen hätte.

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Der Krieg in Syrien war keine Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände. Westliche Regierungsstellen haben die Eskalation schon Jahre vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen angestrebt. Dies belegen mittlerweile auch Dokumente.

Seinerzeit war irakischen Offizieren immer auch immer wieder aufgefallen, dass von US-Flugzeugen abgeworfene Waffen und Medikamente sowie Nahrungsmittel, die für Ortschaften bestimmt waren, die von IS-Terroristen eingeschlossen waren, nicht bei den Verteidigern ankamen. Stattdessen fielen sie - oft in Gänze - den Halsabschneidern in die Hände. Dabei verfügt die US-Luftwaffe über steuerbare Transportfallschirme, die selbst bei widrigen Witterungsverhältnissen punktgenau im Ziel ankommen, auch wenn sie aus großer Höhe abgeworfen werden müssen.

Mit ihren mehr oder weniger offenen Beziehungen zu ISIS setzten die USA in Syrien lediglich das fort, was sie im Irak bereits recht erfolgreich praktiziert hatten. Allerdings gibt es einen signifikanten Unterschied: im Irak mussten sie gegenüber der Regierung in Bagdad wenigsten den Schein der Bekämpfung des IS wahren, während sie in Syrien lange Zeit vollkommen unkontrolliert und unbeobachtet agieren konnten, denn der Regierung in Damaskus schenkte niemand im Westen Gehör. Das Resultat war, dass Washington gegenüber „IS-in Syrien“ noch viel rücksichtsvoller war als im Irak, denn der ISIS zugedachte Job in Syrien, nämlich Assad zu stürzen, war noch nicht erledigt.

Der in Kürze folgende zweite Teil dieser Mini-Reihe zeigt, mit welchen geradezu absurden Erklärungen die US-Amerikaner ihr Rücksichtnahme gegenüber ISIS rechtfertigten und bis zum endgültigen Ende IS-Kämpfern sogar aktiv geholfen haben, sich vor dem Zugriff der Syrisch-Arabischen Armee in Sicherheit zu bringen. Zugleich aber kräht das Pentagon laut in die Welt und verkündet seinen Sieg über ISIS.

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