FBI-Ermittler: Kreml steckt hinter Katar-Krise

FBI-Ermittler: Kreml steckt hinter Katar-Krise
Alle Wege führen zum Kreml: US-Präsident Obama hatte Russland noch attestiert, nur eine Regionalmacht zu sein. Laut US-Geheimdiensten gibt es inzwischen jedoch kaum noch ein Weltgeschehen, das nicht insgeheim von Moskau dirigiert wird.
Russische Hacker sollen den Streit zwischen Katar und den anderen Golfstaaten ausgelöst haben. Das berichtete CNN unter Berufung auf FBI-Ermittler. Belege dafür? Einmal mehr Fehlanzeige. Dabei hat sich der Urheber der Krise selbst schon zu seiner Tat bekannt.

Am Montag hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und der Jemen alle diplomatischen Kontakte zu Katar abgebrochen. Sie begründeten den Abbruch der Beziehungen mit Katars Unterstützung extremistischer Gruppen sowie iranfreundlichen Äußerungen des katarischen Staatsoberhaupts.

So soll Scheich Tamim bin Hamad al-Thani kurz nach Donald Trumps Besuch in Saudi-Arabien den Iran als "islamische Macht" gelobt und Trumps negative Haltung zu dem persischen Land kritisiert haben. Daraufhin sperrten Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate katarische Webseiten und Nachrichtenportale, darunter auch den Sender Al Jazeera.

Als quasi-amtliche Quelle hatte Katars staatliche Nachrichtenagentur QNA die Aussagen des Scheichs vermeldet, die daraufhin weltweit rezitiert wurden. Nun heißt es jedoch, die Äußerungen sollen nie gefallen sein. Nach Darstellung der Regierung sei die Agentur Opfer von Hackern geworden, die dort die Fake News platziert hätten.

Fake News in staatliche Nachrichtenagentur geschmuggelt?

Um den Tätern auf die Schliche zu kommen, haben das FBI und die britische National Crime Agency Ermittler nach Doha entsandt. Laut dem katarischen Außenminister Scheich Mohammed Bin Abdulrahman al-Thani hat das FBI den Hackerangriff bestätigt. Alle Anschuldigungen basieren demnach "auf Fehlinformationen, die ganze Krise wurde durch Fehlinformationen ausgelöst", sagte der Minister gegenüber CNN.

Der Direktor des katarischen Kommunikationsbüros, Scheich Saif Bin Ahmed Al-Thani, kündigte an, das Innenministerium werde die Ergebnisse veröffentlichen, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei. So lange wollte die CNN jedoch nicht warten. An den Ermittlungen beteiligte, namentlich jedoch nicht genannte Beamte wollen die Schuldigen bereits ausgemacht haben - sie steckten ihre Untersuchungsergebnisse an den US-Sender durch. Demnach seien - wie kann es anders sein? - russische Hacker in die Nachrichtenagentur eingedrungen und haben dort die Fake News eingeschleust.

Die von den US-Sicherheitsbehörden zusammengetragenen Informationen deuten darauf hin, dass russische Hacker hinter dem Eingriff stecken, von dem die katarische Regierung erstmals vor zwei Wochen berichtete", so US-Beamte.

Der CNN-Bericht unterfüttert die einmal mehr nicht belegte Anschuldigung mit dem Hinweis, dass Moskau nach Ansicht der US-Geheimdienste ja bereits die US-Präsidentschaftswahlen im November mit Hackerangriffen manipuliert habe und auch bestrebt sei, die bevorstehenden deutschen Bundestagswahlen mittels Fake News zu beeinflussen.

Salonfähige Verschwörungstheorien

Auch für diese Anschuldigungen konnten die US-Dienste bislang keine Beweise vorlegen. Sie verfahren frei nach dem Motto, wonach eine Behauptung nur oft genug wiederholt werden muss, um als wahr zu gelten. Sie machen sich nicht einmal mehr die Mühe, verifizierbare Belege für ihre Schuldzuweisungen vorzulegen. Wozu auch? Die Mainstreammedien machen sich diesen Narrativ ganz ungeniert zu eigen und verbreiten ihn ebenso ungeprüft wie bereitwillig.

Der Leipziger Medienwissenschaftlers Uwe Krüger sieht darin eine immer häufiger anzutreffende Praxis, bei der sich Journalisten von der Notwendigkeit von Belegen verabschiedeten. Gegenüber der Bundeszentrale für Politische Bildung sagte er:

Etablierte Medien werfen alternativen Medien oft vor, dass sie Verschwörungstheorien verbreiten, und ihnen wird gerne unterstellt, dass sie komplexe Sachverhalte zu stark vereinfachen. Beim Thema Russland wird aber auch in etablierten Medien gerne auf die Empirie verzichtet und eine regelrechte Verdachtsberichterstattung betrieben.

Journalisten hielten gerne an ihren Thesen fest, auch wenn sie dafür keine Belege finden. Entsprechend hat die CNN auch die Antwort auf die Frage parat, ob der mutmaßliche Hackerangriff auf die katarische Nachrichtenagentur das Werk gewöhnlicher russischer Hacker war oder auf Initiative des Kreml erfolgt sei: In Russland "geschieht nicht viel ohne die Genehmigung der Regierung", zitiert der Sender einen US-Beamten. Moskau habe mit dem Angriff einen Keil zwischen US-Verbündete treiben wollen.

Katar-Krise: Trump bekennt sich

Die ganze Darstellung hat allerdings einen Haken: Am Dienstag hat sich Donald Trump selbst damit gebrüstet, für den Bruch der anderen Golfstaaten mit Katar verantwortlich zu sein. Sein Besuch in Saudi-Arabien - der vor dem vermeintlichen Hackerangriff erfolgte - habe sich "bereits ausgezahlt", twitterte Trump.

Zuvor noch hatte das Weiße Haus verkündet, in dem Konflikt eine Vermittlerrolle einnehmen zu wollen. Doch es hat die Rechnung ohne Donald Trump gemacht.

Amerikanische Diplomaten bemühen sich zwar um Beschwichtigung, doch Trump facht das Feuer noch weiter an, indem er behauptet, höchstpersönlich für den Boykott Katars gesorgt zu haben", kommentierte der niederländische Telegraaf die missliche Lage zutreffend.

Nun ist das Weiße Haus bemüht, den von Trump angerichteten Schaden zu begrenzen. US-Außenministeriumssprecherin Heather Nauert beteuerte, die USA wollten in der Auseinandersetzung nicht Partei ergreifen. "Wir werden weiterhin mit Katar und anderen Ländern in der Region kooperieren, um den Terrorismus zu bekämpfen."

Dumm nur, dass ihr eigener Chef zuvor das Emirat als Hort des "Terror-Horrors" ausgemacht hatte, auf den "alle Hinweise" beim Thema Terrorfinanzierung hindeuten würden. Der Konflikt um Katar zeugt einmal mehr von der widersprüchlichen Außenpolitik der USA. Donald Trump verfügt zweifellos über das Vermögen, sein Land geschickt in außenpolitische Sackgassen hinein zu manövrieren.

"Anonyme Quellen" als Tarnung für Propagandalügen

Trumps eindeutige Parteilichkeit zugunsten Saudi-Arabiens dürfte den Chefstrategen in Washington so manches Kopfzerbrechen bereitet haben. Schließlich beherbergt Katar den größten US-Stützpunkt im Nahen Osten, auf dem mehr als 10.000 Soldaten stationiert sind.

Kein Wunder, dass nun das FBI für Trump in die Bresche springt. Vorsorglich lastet es schon mal alle negativen Konsequenzen, die sich aus dem vom US-Präsidenten angezettelten Konflikt ergeben könnten, dem Kreml an. Ein durchschaubares Manöver, das allerdings aufgrund des von einer anti-russischen Hysterie geprägten Mediendiskurses durchaus erfolgreich verlaufen könnte. Da wird es auch kaum helfen, dass Moskau zu den Vorwürfen inzwischen Stellung bezogen hat und diese abstreitet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete den CNN-Bericht als Lüge. Der US-Sender veröffentliche immer wieder Berichte unter Berufung auf anonyme Quellen. Katars Emir selbst habe das Thema in einem Telefonat mit Moskau nicht angesprochen.