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Die Kunst des Diebstahls? Trumps Grönland-"Kaufangebot" als Beispiel für US-Exzeptionalismus

Die Kunst des Diebstahls? Trumps Grönland-"Kaufangebot" als Beispiel für US-Exzeptionalismus
(Symbolbild). Reproduktion des Bildes "Grönland" des US-amerikanischen Malers und Schriftstellers Rockwell Kent (1882-1971).
Die Unverschämtheit, mit der US-Präsident Donald Trump seine Bemühungen, mal eben die größte Insel der Welt zu kaufen, "nur als ein Immobiliengeschäft von vielen" beschrieb, schockiert die Welt – und legt offen, dass etwas und was mit den USA nicht stimmt.

von Robert Bridge (hier im Original)

Robert Bridge ist ein amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Der ehemalige Chefredakteur von Moscow News ist Autor des Buches "Midnight in the American Empire" (bisher nur in Englisch, 2013 veröffentlicht). @Robert_Bridge

Objekt der Begierde: Die Stadt Tasiilaq in Grönland im Juni 2018

Als die Nachricht die Runde machte, dass der Manhattan-Mogul am Kauf von Grönland interessiert sei, schien das Ganze zu unglaublich, um wahr zu sein. Schließlich besteht für Grönland kaum eine Chance, jemals ein erfolgreiches Golfresort zu werden; auch dürfte es trotz des "Grün" im Landesnamen wohl nie für ein begehrenswertes Strandgrundstück gehalten werden – na ja, außer vielleicht, man ist zufällig ein Eisbär. Noch fantastischer wird die Sache dadurch, dass der "potenzielle Käufer" alles andere als ein durchschnittlicher Standortentwickler ist – sondern in der Tat der Oberbefehlshaber eines der mächtigsten Militärs der Welt.

"Im Grunde genommen ist es ein großes Immobiliengeschäft. Man kann [da] viel tun. Es schadet Dänemark sehr stark, weil sie [die Dänen] fast 700 Millionen Dollar pro Jahr verlieren – für seinen [Grönlands] Unterhalt", erklärte Trump diese Woche gegenüber Reportern – und bestätigte damit das wilde Gerücht. "Also, sie unterhalten es unter großem [wirtschaftlichem] Verlust, und strategisch gesehen wäre es schön für die Vereinigten Staaten, [Grönland zu besitzen]. Und: Wir sind ein großer Verbündeter Dänemarks, […] wir helfen Dänemark, und wir beschützen Dänemark."

Diesen Anmerkungen nach zu urteilen, scheint Trump fast zu glauben, dass die Dänen den Vereinigten Staaten etwas schulden, nicht wahr? Vielleicht etwas in der Form einer 2.166.086 Quadratkilometer großen Landmasse mit wertvollen Mineralien und Ressourcen?

"Grönland ist reich an wertvollen Ressourcen wie Mineralien, reinstes Wasser und Eis, Fischbestände, Fischereierzeugnisse, erneuerbare Energien – und bietet neue Herausforderungen für den Abenteuertourismus. Wir sind offen für Geschäfte – doch zum Verkauf stehen wir nicht."

(Grönlands Auswärtiges Amt)

Mette Frederiksen, Dänemarks Premierministerin, reagierte auf Trumps Ouvertüre trocken: "Grönland steht nicht zum Verkauf. Grönland ist nicht dänisch. Grönland gehört – Grönland. Ich hoffe sehr, dass das nicht ernst gemeint ist." Doch wenn Frederiksen in letzter Zeit auf die Entwicklung der US-Außenpolitik geachtet hat, sollte ihr wohl bewusst sein, dass Souveränität für Washington kaum etwas bedeutet.

Quelle: The U.S. Army/CC BY 2.0

Auf jeden Fall ist es wichtig zu verstehen: Das war nicht bloß Donald Trumps gewaltiges Ego, das diesen Müll fabriziert hat, sondern die Überheblichkeit und Dreistigkeit einer globalen Supermacht, die jeglichen Sinn für Anstand und Orientierung verloren hat.

Dieselbe Supermacht, die im Jahr 2003 einen riesigen Schwall öffentlicher Entrüstung ignorierte und mir nichts, dir nichts den Irak einfach in Schutt und Asche legte, nur weil sie dazu in der Lage war.

Dieselbe Supermacht, die es im Jahr 2011 für angebracht hielt, Libyen zu zerstören – weil Gaddafi geplant hatte, den Gold-Dinar anstelle des Papierdollars für den Außenhandel in Afrika zu etablieren.

Dieselbe Supermacht, die 2013 die Ukrainer ermutigte, gegen ihr demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt auf die Straße zu gehen und damit einen Bürgerkrieg anzuheizen, der heute noch andauert. Die Liste geht weiter – und sie ist unendlich lang.

Mehr lesen – War die Ukraine-Krise zu vermeiden? Die Chronik des Maidan im Rückblick

Natürlich gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen den Möglichkeiten, einerseits eine "Immobilie" zu kaufen und andererseits einen souveränen Staat ohne triftigen Grund völlig zu vernichten. Doch Trumps spekulatives Interesse an Grönland ist nicht nur eine Beleidigung für das dänische Volk, denn es riecht stark nach Ärger: Es ist nicht das erste Mal, dass Washington Interesse daran zeigt, Grönland zu besitzen. Und tatsächlich sollte das für Kopenhagen eine nicht zu unterschätzende Sorge darstellen. Das soll natürlich nicht heißen, dass die Trump-Regierung in naher Zukunft eine Regimewechsel-Operation gegen Dänemark, einen NATO-Bündnispartner, in Betracht ziehen würde (gleichwohl gegen einen Bündnispartner, der allerdings – wie Trump beklagte – mit seinen Mitgliedsbeiträgen im Rückstand ist). Doch angesichts der enormen globalen Laufleistung Washingtons in letzter Zeit sollte nichts ausgeschlossen werden – immerhin haben wir es hier mit einer "exzeptionellen" Nation zu tun.

Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass Harry S. Truman nach dem Zweiten Weltkrieg versucht hat, Grönland zu kaufen, wissen nur Wenige, dass diese Bemühungen nie wirklich aufgegeben wurden.

(Symbolbild).

Im Mai 2001 schrieb beispielsweise der politische Reporter John J. Miller des National Review einen Artikel über die strategische Bedeutung Grönlands und wie wichtig es für die USA sei, in dessen Besitz zu kommen. Diese Meinungen schockierend zu nennen, wäre noch untertrieben. Zu einer Zeit, als man in der Bush-Regierung bereits darüber nachdachte, sich aus dem ABM-Vertrag zurückzuziehen, um Washington die Möglichkeit zu geben, ein Frühwarn-Radarsystem in Grönland aufzubauen, gab es laut Miller nur ein winziges Problem.

"Es ist eine Schande, dass ein pisskleines [sic!] Land wie Dänemark so viel Einfluss auf so eine wichtige Entscheidung zur nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten haben könnte", schrieb er. "Die Bush-Administration scheint sich der Angelegenheit mit einer angemessenen Portion diplomatischen Fingerspitzengefühls zu nähern. Aber wäre es nicht schön, wenn wir vor den Dänen gar nicht katzbuckeln müssten?"

"UNSERE ANSICHT: So seltsam es auch auf den ersten Blick erscheinen mag (und der US-Kauf von Alaska erschien damals auch sehr seltsam): US-Amerikaner jeder politischen Couleur würden vom Beitritt Grönlands und dessen 56.000 Einwohner zu unserer nationalen Familie profitieren."

(The Washington Examiner, politisches Nachrichtenmagazin in den USA)

Von Miller folgte dann ein wahres Meisterstück von einem Geistesblitz – ähnlich wie von Donald Trump heute: "Lasst uns Grönland kaufen!" Um sein Argument zu untermauern, erinnerte er daran, wie die USA 1867 Alaska von den Russen und 1803 Louisiana von den Franzosen erwarben. Erst dann – in einem fast beiläufigen nachträglichen Gedankengang – stellte er sich die Frage zu den knapp 60.000 Einwohnern der ausgedehnten Landmasse und darüber, wie die davon überzeugt werden könnten, dem Deal zuzustimmen.

"Sie erlangten im Jahr 1979 die Selbstverwaltung, so dass diese Menschen wahrscheinlich auch in irgendeiner Weise den Verkauf unterschreiben müssten", vermutete Miller. "Vielleicht können wir ihnen ja eine freie Schulwahl zusichern." Das sollte ein Witz sein, falls es jemandem entgangen ist. Und er war in etwa so lustig wie Trumps unanständiger Vorschlag in dieser Woche. Dieser ähnelte den Intrigen eines Corporate Raider, der einen großen Köder auswirft und dann darauf wartet, dass jemand anbeißt – und wonach alsbald im malerischen und ruhigen Grönland Mikroproteste von Separatisten ausbrechen, die die Unabhängigkeit vom fernen Dänemark anstreben. Man hat sicherlich schon seltsamere Dinge gesehen.

Schneebedeckte Berge  über dem Hafen und der Stadt Tasiilaq, Grönland, 15. Juni 2018.

Gleichzeitig gibt es weitere Faktoren, die das Bild stark verkomplizieren. Erstens sind US-Amerikaner – und zwar nicht unbedingt die nettesten – bereits seit den 1950er Jahren auf der Air Base Thule stationiert, wo ein Frühwarnsystem gegen Interkontinentalraketen betrieben wird. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein strategisch sehr ernstzunehmendes "Grundstück".

Doch es kommt noch besser: Washington wird sicherlich versuchen, seine Präsenz in und nahe der Arktis weiter auszubauen, weil dort nachgewiesenermaßen Erdölreserven vorhanden sind. Um diese geht es beim erbitterten Wettbewerb zwischen acht arktischen Küstenanrainern – Kanada, Norwegen, Russland, Dänemark (vermittels Grönland), Island, Schweden, Finnland und den USA.

"Diese Idee ist nicht so verrückt, wie die Schlagzeile vermuten lässt. Das wäre ein kluger geopolitischer Schachzug. Die Vereinigten Staaten haben ein begründetes strategisches Interesse an Grönland, und das sollte unbedingt weiter thematisiert werden."

(Mike Gallagher, Vertreter der Republikanischen Partei für den US-Bundesstaat Wisconsin im Repräsentantenhaus des US-Kongresses)

Unnötig zu erwähnen: Wenn die USA irgendwie einen Weg finden sollten, auf Biegen und Brechen in den Besitz von Grönland zu kommen, würde ihnen das ein viel größeres Stück der schwindenden Ressourcentorte sichern. Für einen Geschäftsmann wie Donald Trump wäre es sicherlich das Geschäft – oder auch der Diebstahl – des Jahrhunderts. Ob das dänische Volk jemals bereit ist, sich von der größten Insel der Welt zu trennen, ist höchst zweifelhaft. Wenn jedoch neben Trumps Ego die überwältigende Arroganz und der Exzeptionalismus der USA berücksichtigt werden, wird klar: In dieser Angelegenheit hat es vielleicht gar keine Wahl.

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