Treffen des Arktis-Rates inmitten eisiger Zeiten: Ringen um Einfluss im hohen Norden

Treffen des Arktis-Rates inmitten eisiger Zeiten: Ringen um Einfluss im hohen Norden
Soldaten bewachen eine Militärbasis auf der russischen Inselgruppe Franz-Josef-Land im Nordpolarmeer. Der Arktis kommt eine wachsende geopolitische Bedeutung zu.
Am Mittwoch kommen die Vertreter des Arktischen Rates in Fairbanks in Alaska zusammen. Zu dem Treffen werden auch die Außenminister der USA und Russlands erwartet. Die Arktis weckt aufgrund ihrer Rohstoffvorkommen wachsende internationale Begehrlichkeiten.

Vor zwanzig Jahren riefen mehrere Staaten auf Initiative Kanadas den Arktischen Rat ins Leben. Ihm gehören mit den USA, Kanada, Russland, Norwegen und Dänemark (Grönland) nun fünf Anrainer-Staaten des Polarmeeres an. Auch Island, Finnland und Schweden sind Mitglied des Gremiums.

Zentrale Anliegen des Rates sind der Umwelt- und Klimaschutz, die Interessensvermittlung zwischen Anrainerstaaten und in der Arktis lebenden indigenen Völkern sowie die Förderung der Sicherheit in der Region. Zudem koordiniert der Rat Forschungsprojekte und Entwicklungsvorhaben.

Die Eisfläche der Arktis ist während der vergangenen Jahrzehnte erheblich geschrumpft, zudem wird die Eisdecke immer dünner. "Modellrechnungen zufolge wird die Arktis schon in 20 bis 30 Jahren in den Sommermonaten weitestgehend eisfrei und schiffbar sein, sodass neue Rohstoffvorkommen zugänglich werden", heißt es dazu auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.

Eisfreie Sommer und wirtschaftliche Chancen

Daraus ergäben sich wirtschaftliche Chancen. Deutschland verfügt über einen Beobachterstatus im Arktischen Rat und drängt laut Auswärtigem Amt auf eine "gezielte Ausweitung seiner Beteiligungsrechte". Angesichts der steigenden geostrategischen und geoökonomischen Bedeutung der Arktis unterstützt Berlin zudem ausdrücklich die Bewerbung der EU für eine Funktion als Ständiger Beobachter des Rates.

Durch die schmelzende Eisfläche gewinnen laut Bundesnachrichtendienst (BND) die im Seegebiet der Arktis vermuteten Rohstofflagerstätten, aber auch die mögliche Nutzung des Seegebietes für den Gütertransport an Bedeutung.

Die Arktis verfügt über große Erdöl- und Gasvorkommen und ist reich an Bodenschätzen wie Gold und Platin. Alleine Russland will in den nächsten 20 Jahren bis zu 600 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Förderung von Erdöl und Erdgas am Nordpol investieren. 

Nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen haben Staaten mit ozeanischer Küste das Recht auf eine wirtschaftliche Nutzung des Meeres vor derselben. Die so genannte Ausschließliche Wirtschaftszone erstreckt sich in diesem Zusammenhang bis auf eine Entfernung von 200 Seemeilen (rund 370 Kilometer) vor der Küste.

Wem gehört der Nordpol?

Der geografische Nordpol und das diesen umgebende Gebiet sind aber so weit vom Festland entfernt, dass sie nach derzeitigem Recht nicht im Besitz eines Staates sind. "Ungeklärte Grenzverläufe und vermutete Rohstofflagerstätten" jenseits der 200-Meilen-Zone zählt der BND daher zu "potenziellen Konfliktfeldern".

Nordliches Eismeer. Blick aus dem Helikopter.

Im Sommer 2007 führte eine mithilfe eines U-Bootes medienwirksam aufgestellte russische Flagge am Grund des Nordpols zu Befürchtungen über einen bevorstehenden 'Kampf um die Rohstoffe'", so der deutsche Auslandsgeheimdienst.

Ziel der damaligen russischen Expedition war es, wissenschaftliche Beweise dafür zu sammeln, dass das Unterwassergebirge am Nordpol mit dem russischen Festland verbunden ist. In diesem Fall könnte Russland laut dem Seerechtsübereinkommen jedoch eine deutlich größere Fläche der Arktis für sich beanspruchen.

Schlagzeilen, wonach Russland die Arktis auf eigene Faust "erobern" wolle, machen seitdem immer wieder die Runde in westlichen Medien. Wie das Wall Street Journal am Sonntag konstatierte, ist die Arktis aber bislang kein Schauplatz eines Great Games, also eines Kampfes der Großmächte um Einflussgebiete. 

Arktisrat als möglicher Schauplatz von Entspannungspolitik

"Anders als bei anderen geopolitischen Krisenherden gibt es in der Arktis keine ernsthaften territorialen Streitigkeiten", schreibt die US-Zeitung. Alle Länder hielten sich an die internationalen Vereinbarungen. Russlands militärische Aktivität in der Region gehe nicht über eine "legitime Grenzverteidigung und den Schutz der Infrastruktur" hinaus.

Tatsächlich ist die Arktis bisher ein Ort der Kooperation, nicht der Konfrontation.

Angesichts der Spannungen zwischen Russland und dem Westen könnte sich der Arktische Rat zu einem wichtigen Dialogforum entwickeln, so das Wall Street Journal.

Zur Sitzung des Rates am Mittwoch werden auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow und dessen US-amerikanischer Amtskollege Rex Tillerson erwartet. Zuletzt trafen die beiden Diplomaten Mitte April in Moskau zusammen. Die Beziehungen beider Länder seien auf einem Tiefpunkt, erklärte Tillerson nach seiner Visite in Moskau. Er sprach von einem geringen Vertrauen zwischen beiden Seiten.

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