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Showdown zwischen Indien und Pakistan: Was Ihnen keiner erzählen wird

Showdown zwischen Indien und Pakistan: Was Ihnen keiner erzählen wird
Indische Soldaten neben dem Wrack eines abgestürzten Hubschraubers der indischen Luftwaffe am 27. Februar 2019, Budgam-Distrikt, Kaschmir.
Ein jüngster Terroranschlag in Kaschmir könnte die Voraussetzungen für einen unkontrollierbaren Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan schaffen. Und - wie immer - werden die eigentlichen Ursachen des Konflikts von vielen Medien ignoriert.

von Darius Shahtahmasebi

Am 14. Februar wurde Indien von einem Selbstmord-Bombenanschlag erschüttert, der in Jammu und Kaschmir stattfand. Der Angriff richtete sich gegen einen Konvoi von Fahrzeugen des Sicherheitspersonals und tötete mindestens 42 Offiziere der Central Reserve Police Force (CRPF) (sowie den Selbstmordattentäter auch).

Die Verantwortung für den Angriff wurde von einer in Pakistan ansässigen islamistischen Gruppe namens Jaish-e-Mohammed (JeM) übernommen. JeMs Hauptziel ist es, Kaschmir aus Indien herauszulösen und mit Pakistan zu vereinen. Und auch noch sicherzustellen, dass Pakistan unter dem Scharia-Gesetz steht und die westlichen Streitkräfte aus Afghanistan vertrieben werden. Weitere Priorität hat die Vertreibung aller Hindus und Nicht-Muslime vom (ganzen?) indischen Subkontinent.

Der Anschlag sorgte derart für negative Publicity, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNSC), der sich endlich einmal auf etwas einigte, Indien als Opfer des Terrorismus bezeichnete und die Mitgliedstaaten aufforderte, aktiv mit Neu-Delhi zusammenzuarbeiten, um diese Angreifer vor Gericht zu bringen.

Indische Soldaten und kaschmirische Zuschauer stehen in der Nähe der Überreste eines Flugzeugs der indischen Luftwaffe, nachdem es am 27. Februar 2019 im Bezirk Budgam, am Rande von Srinagar, abgestürzt war.

Nachdem Indien eine "Jaw breaking response" ("kieferbrechende Antwort") auf den Angriff angekündigt hatte, ermächtigte der pakistanische Premierminister Imran Khan sein Militär, "entschlossen und umfassend auf jede Aggression oder jede Fahrlässigkeit Indiens zu reagieren". Für alle, denen es noch nicht klar war: Die beiden volatilen Staaten, die derzeit an der Schwelle zum Krieg stehen, besitzen Atomwaffen.

Anscheinend dachte irgendjemand, dass es trotz dieser unterschwellig drohenden Atomkatastrophe eine gute Idee sei, dass indische Kampfflugzeuge erst heute mit Luftschlägen auf pakistanischem Territoriums beginnen, daran teilzunehmen, was das indische Außenministerium als eine "nichtmilitärische Präventivmaßnahme" gegen JeM bezeichnet hatte. Das jüngste Eindringen in den pakistanischen Luftraum legitimierte die pakistanische Luftwaffe zu reagieren, was wiederum dazu führte, dass die indischen Jets "ihre Nutzlast in Eile auf der Flucht abwarfen".

Dabei behauptete Indien, eine "sehr große Zahl" von Terroristen, Ausbildern, Oberkommandeuren und Dschihadis getötet zu haben. Fairerweise hatte Indien seinerseits gewarnt, dass es bereit sei, mit Pakistan Krieg zu führen. Es drängte auch darauf, dass Pakistan auf eine schwarze Terror-Watch-Liste gesetzt wird, während es gleichzeitig damit drohte, den Wasserfluss nach Pakistan als Druckmittel, quasi wie eine konventionelle militärische Waffe, zu nutzen.

Nach den Luftschlägen hat Pakistan verständlicherweise sein Recht auf Selbstverteidigung geltend gemacht. Aber Selbstverteidigung wovon - Pakistans Souveränität oder Selbstverteidigung der JeM? (Wenn überhaupt, dann zielte Indien auf JeM-Kämpfer). Tatsächlich war es genau das, was das indische Außenministerium als Begründung für die Luftschläge angab - Pakistans Untätigkeit bei der Bekämpfung seiner eigenen einheimischen Terroristen. Und hier kann das Völkerrecht noch düsterer werden, wenn es um "Unwillen und Unfähigkeit" als Rechtfertigung für die Anwendung von Gewalt auf einen souveränen Staat geht. Aus indischer Sicht ist Islamabad entweder nicht bereit oder nicht in der Lage, die terroristische Bedrohung innerhalb seiner Grenzen zu bekämpfen (oder vielleicht ist dies nur ein PR-Trick, der auf den wachsenden Einfluss Chinas auf Pakistan abzielt).

Folge dem Geld

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben seit Jahren ein seltsames Verhältnis zu Pakistan und zum Terrorismus, wie jeder weiß, der ihre Geschichte kennt. Woran Sie sich vielleicht nicht mehr erinnern, ist jedoch, dass der damalige Vizepräsident Dick Cheney im Februar 2007 eine Reise nach Pakistan unternahm, um sich mit dem Präsidenten Pervez Musharraf zu treffen. Laut dem Public Broadcasting Service (PBS) stand die von den USA unterstützte geheime Kampagne der Terrorgruppe Jundullah gegen den Iran ganz oben auf Cheneys Agenda.

Indische Truppen, 11. August 1999.

Einige Monate später berichtete ABC News, dass Jundallah, das "für eine Reihe von tödlichen Guerillaangriffen im Iran verantwortlich ist, seit 2005 heimlich von amerikanischen Beamten unterstützt und beraten wird". Der Bericht erwähnt, dass "die Beziehungen der USA zu Jundullah so gestaltet sind, dass die USA der Gruppe keine Mittel zur Verfügung stellen, was eine offizielle Anordnung des Präsidenten oder einen "Befund" sowie eine Kongressaufsicht erfordern würde". Ganz zu schweigen davon, dass der ehemalige pakistanische Armeechef, der pensionierte General Mirza Aslam Baig, weiter erklärte, dass "die USA die Terrorgruppe Jundullah unterstützen und sie zur Destabilisierung des Iran nutzen".

Okay, also haben die USA die Jundullah-Gruppe in Pakistan gegen den Iran unterstützt, aber was hat das mit der aktuellen Situation zu tun? Nun, es scheint, dass JeM und andere terroristische Organisationen in Pakistan direkte Unterstützung von wichtigen US-Verbündeten erhalten, einschließlich und vor allem von Saudi-Arabien. In einem von WikiLeaks archivierten Action Request Cable, das die illegalen Finanzaktivitäten in Afghanistan und Pakistan dokumentiert, heißt es beispielsweise: "Es war eine ständige Herausforderung, saudische Beamte davon zu überzeugen, die aus Saudi-Arabien stammende Terrorismusfinanzierung als strategische Priorität zu betrachten".

"Dennoch", so die Nachricht weiter, "stellen Geber in Saudi-Arabien die wichtigste Finanzierungsquelle für sunnitische Terrorgruppen weltweit dar." Es überrascht nicht, dass Saudi-Arabien "nach wie vor eine kritische finanzielle Unterstützungsbasis" für "Al-Qaida, die Taliban, LeT[Lashkar-e-Taiba] und andere terroristische Gruppen" ist. Die LeT ist eine in Pakistan ansässige Terrororganisation, die sich auch stark auf Jammu und Kaschmir konzentriert, wo der jüngste Terroranschlag (und Indiens erste Reaktion) stattfand.

Sowohl LeT als auch JeM haben seit Anfang der 1990er Jahre überwältigende Unterstützung vom pakistanischen Inter-Services Intelligence (ISI) erhalten. Tatsächlich wurde LeT 1993 Teil des United Jihad Council, einer Dachorganisation für militante Islamisten, die in Kaschmir tätig ist, und schloss dabei eine direkte Allianz mit JeM. Was das US-Außenministerium betrifft, so sind die beiden Gruppen fast in allem gleichbedeutend. Das ISI selbst war ein Hauptempfänger von Milliarden von "US-Hilfen", insbesondere unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Die WikiLeaks-Enthüllung zeigt deutlich, dass die USA sich bewusst waren, dass Elemente innerhalb des ISI die Verbindung zum LeT aufrechterhalten.

Die Enthüllung stellte auch fest, dass Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) LeT und andere in der Region tätige Terrorgruppen ebenfalls unterstützt haben. Alle diese Länder sind US-Verbündete. Darüber hinaus bestätigte eine separate WikiLeaks-Enthüllung, dass Saudi-Arabien und die VAE nicht nur Geld an LeT, sondern auch an JeM direkt weitergeleitet haben:

Die Einheimischen glaubten, dass wohltätige Aktivitäten von Deobandi und Ahl-e-Hadith-Organisationen, darunter Jamaat-ud-Dawa, die Al-Khidmat-Stiftung und Jaish-e-Mohammed, die Abhängigkeit von extremistischen Gruppen weiter stärken und die Bedeutung traditionell moderater religiöser Führer der Sufi in diesen Gemeinschaften minimieren. Regierungen und nichtstaatliche Quellen behaupteten, dass die finanzielle Unterstützung, die auf fast 100 Millionen US-Dollar pro Jahr geschätzt wird, den Deobandi- und Ahl-e-Hadith-Klerikern in der Region von "missionarischen" und "islamischen karitativen" Organisationen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, angeblich mit direkter Unterstützung dieser Regierungen, zugutekommt.

Saudische Atombomben auf Bestellung?

Saudi-Arabien selbst wurde als ein sicherer Hafen für Dschihadisten, einschließlich und vor allem des LeT, angesehen, die sich auf Indien konzentrieren. Eine Untersuchung ergab auch, dass Saudi-Arabien Gelder an antiindische Terrorgruppen durch Hajj-Pilger weitergeleitet hat, und der Diplomat beklagte, dass JeM jedes Jahr unter den 150.000 frommen Indern, die Mekka besuchen, nach potenziellen Rekruten sucht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die USA haben eine lange und dokumentierte Geschichte der Unterstützung antiiranischer sunnitischer pakistanischer Terrorgruppen. Saudi-Arabien und seine Golfverbündeten haben die finanzielle Unterstützung des LeT, der eine direkte Allianz hat und im selben Gebiet wie der JeM (der auch direkte Mittel aus Saudi-Arabien erhält) tätig ist, der kürzlich die Verantwortung für einen Angriff übernommen hat, bei dem mindestens 40 indische Polizisten getötet wurden.

Das alles ist keine Hexerei. Nennen Sie mich ein wenig misstrauisch, aber vielleicht war Saudi-Arabien deshalb in seinen Zusicherungen an Islamabad recht offen, dass es JeM, deren Führung weiterhin bequem in Pakistan lebt, nicht direkt verfolgen muss. Und was niemand wirklich zu erwähnen scheint, sind die Auswirkungen dieses breiteren geostrategischen Kampfes auf die Region. Saudi-Arabien will Pakistan für sich gewinnen, und verpflichtet sich zum Bau einer Ölraffinerie im Hafenprojekt Gwadar, das ein großes saudisches Projekt direkt an der iranischen Grenze platziert.

Indische Grenzschutzbeamte patrouillieren an der Grenze zu Pakistan

Am beunruhigendsten ist die Enthüllung über Gerüchte, dass Saudi-Arabien Atomwaffen "auf Bestellung" aus Pakistan bekommen könne. Wenn es nicht schon schlimm genug ist, dass Indien und Pakistan Atomwaffen besitzen und jetzt möglicherweise Luftangriffe auf das Territorium des jeweils Anderen starten, dann ist die Idee selbstmörderisch, dass diese apokalyptischen Waffen eines Tages in der Hand des Königreichs Saudi-Arabien landen könnten. Jenes Landes, das derzeit einen Völkermordkrieg im Jemen auslöst und bekannte Dschihadisten in der gesamten Region unterstützt, während es gleichzeitig ständig den Krieg mit Teheran androht.

Laut israelischen Medien hat der jüngste Besuch des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) in Pakistan die Aufnahme Pakistans in die "antiiranische arabische NATO" wesentlich gefestigt. Werden diese Länder Pakistan zu Hilfe eilen, wenn es von indischen Kampfflugzeugen angegriffen wird? Oder werden sich Diplomatie und kühlere Köpfe durchsetzen?

Glücklicherweise können wir darauf vertrauen, dass die Medien diese wichtigen Fragen stellen und nicht ihre ganze Energie auf eine weitere Regime-Change-Operation in einem weiteren ölreichen Land konzentrieren, oder?

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