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Deutsche Welle besorgt: Wenn RT Deutsch die Bundespressekonferenz "heimsucht"

Deutsche Welle besorgt: Wenn RT Deutsch die Bundespressekonferenz "heimsucht"
Die BPK, kaum Journalisten in den unendlichen Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die Abenteuer des RT-Journalisten, der mutterseelenallein unterwegs ist, um "das Epizentrum des politischen Diskurses in der Bundesrepublik" (so die Selbstdarstellung des BPK-Vorstands) zu erforschen ...
Andere Medien in Deutschland besuchen die Bundespressekonferenz. RT Deutsch "sucht sie heim". So der Tenor eines aktuellen Beitrags der Deutschen Welle. Der russische "Propagandasender" stoße anderen Journalisten sauer auf. Ein Fall von Futterneid?

von Timo Kirez

Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre, soll Sigmund Freud einmal gesagt haben. Wobei nicht eindeutig gesichert ist, ob dieses Bonmot wirklich von ihm stammt. Doch in Anlehnung an diesen klugen Gedanken, von wem er auch immer stammen mag, könnte man auch feststellen: Manchmal ist ein Journalist nur ein Journalist. Doch weit gefehlt. Oder besser: Es kommt ganz darauf an. Wenn Sie für die Deutsche Welle arbeiten, sind Sie einfach nur ein Journalist. Wenn Sie jedoch für RT Deutsch arbeiten, sind Sie – na? Richtig: ein Propagandist und Verschwörungstheoretiker. So weit, so Gähn. Oder bildlich ausgedrückt:

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In einem Beitrag vom 9. November feiert die Deutsche Welle die Instanz der Bundespressekonferenz (BPK) als "Ort lebendiger Pressefreiheit". Es sei zwar oftmals sehr dröge dort, weil die Politiker und Regierungssprecher oft ausweichend antworten würden und nicht immer gut informiert seien. Auch nach mehrmaligem Nachfragen seien die Informationen dürftig. Doch, wie schon erwähnt, sei der Saal der BPK "dann eben doch auch Ort lebendiger Pressefreiheit". Ein Trump würde dort die "Fassung verlieren", so die Deutsche Welle. Doch nun droht diesem heiligen Saal (wer in Gedanken jetzt an "Gral" denkt, liegt nicht so verkehrt) offenbar Gefahr. Natürlich von den sneaky russians.

Die Deutsche Welle schreibt alarmiert:

Ein Grund, warum viele Veranstaltungen der BPK nur spärlich besucht werden: Sie werden in viele Redaktionen in Berlin live übertragen, die Journalisten schauen sich also von ihrem Schreibtisch aus an, was die Politiker sagen. Für die Arbeit ist das praktisch, für eine lebendige Gesprächskultur aber natürlich schlecht. Und vielen Journalisten stößt auch sauer auf, dass die BPK in der letzten Zeit von Kollegen des russischen Propagandasenders 'RT Deutsch' heimgesucht wird. Da werden dann die Regierungsvertreter und Politiker mit abstrusen Verschwörungstheorien konfrontiert und antworten mit versteinertem Gesicht.

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Als "Beispiele" für diesen Vorwurf behauptet die Deutsche Welle weiter, dass die RT-Journalisten Dinge fragen würden wie, "ob Deutschland nicht doch an der Seite böser Westmächte direkt am Krieg in Syrien beteiligt" sei, oder ob die Regierung "heimlich Faschisten in den osteuropäischen EU-Staaten und in der Ukraine unterstütze". Die BPK habe zuletzt an die Kollegen der Inlands-Medien appelliert, wieder zahlreicher in den Saal zu kommen, damit dem "Propagandasender" das Forum entzogen werde, jedenfalls teilweise, so die Deutsche Welle. Denn formal sei gegen die Besuche der RT-Deutsch-Journalisten in der BPK nichts auszurichten. Sie würden in Berlin als Journalisten arbeiten wie viele andere auch. Mit anderen Worten, wenn man formal nichts ausrichten kann, dann muss man eben zu anderen Mitteln greifen. An dieser Stelle passt ein anderer YouTube-Fund ganz gut:

Natürlich wollte RT Deutsch genauer wissen, worauf sich diese Vorwürfe gründen. In einer Anfrage per Mail am Dienstag an die Deutsche Welle steht folgendes:

In diesem Artikel behauptet er [Der Autor des besagten Artikels], dass RT Deutsch 'die Regierungsvertreter und Politiker mit abstrusen Verschwörungstheorien konfrontiert'. Als Beispiele fügt er angebliche Fragen von RT-Deutsch-Redakteuren auf der BPK an: 'Ist Deutschland nicht doch an der Seite böser Westmächte direkt am Krieg in Syrien beteiligt? Unterstützt die Regierung heimlich Faschisten in den osteuropäischen EU-Staaten und in der Ukraine?' Wir würden die DW und Herrn Thurau bitten, uns konkrete Belege für diese angeblichen Aussagen von RT-Redakteuren in der BPK zu nennen. Da alle BPKs im Wortlaut protokolliert werden, wird es Herrn Thurau sicher leicht fallen, seine Behauptungen mit konkreten BPK-Protokollen zu belegen, inklusive Namen des RT-Redakteurs und dem entsprechenden Datum.

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Die Antwort der Deutschen Welle erreichte die Redaktion von RT Deutsch am Donnerstag. Die Deutsche Welle schreibt in Person des Pressesprechers Christoph Jumpelt:

Ich bin sicher, dass Sie bei der entsprechenden Suchworteingabe in den Protokollen der BPK die erwähnten Zitate finden werden. Vielleicht wird Ihre Suche auch dadurch erleichtert, dass inzwischen in mehreren Medienberichten ähnliche Feststellungen bezüglich der Fragestellung durch Ihre Kollegen gemacht wurden.

Jumpelt muss ein Bewunderer von Franz Kafka sein. Erinnert diese Antwort doch irgendwie an dessen bekannten Roman "Der Prozess". In dem 1925 erschienenen, unvollendeten Werk Kafkas wird der Bankprokurist Josef K., Protagonist des Romans, am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein. Trotz seiner Festnahme darf sich K. noch frei bewegen und weiter seiner Arbeit nachgehen. Er versucht herauszufinden, weshalb er angeklagt wurde und wie er sich rechtfertigen könnte. Doch vergeblich. Das Gericht wie auch die eigentliche Beschuldigung bleiben für ihn ungreifbar.

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Immer wieder tauchen derartige Vorwürfe – bis zur Verleumdung – gegen RT Deutsch in den Medien auf, ohne dass sich jene Kolleginnen und Kollegen bemüßigt sehen, diese auch mit Quellen zu belegen. Das wird dann Qualitätsjournalismus genannt, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, woher dieser Begriff stammt. Oder auch "Leitmedien". Das leitet sich dann zwar wohl eher von der berüchtigten "Leitkultur" als von einer "Leitplanke" ab. Allerdings soll wohl tatsächlich von genau diesen Medien die Fahrspur eingehegt werden, innerhalb derer andere Journalisten in Deutschland mitfahren dürfen. Und dass "die Russen" sowieso nicht ordentlich fahren können, beweisen ja Tausende von Videos:

Dass RT Deutsch immer wieder als "Schmuddelkind" des deutschen Journalismus verunglimpft wird, ist nichts Neues. Dass es aber nun auch Aufrufe an Journalistenkollegen gibt, die BPK zahlreicher zu besuchen, damit RT Deutsch das Forum entzogen wird, ist schon eine Drehung mehr an der Eskalationsschraube. Wie hat man sich das konkret vorzustellen? Je mehr andere Journalisten im Raum, desto geringer die Chance, dass ein RT-Journalist eine Frage stellen kann? Alle gegen einen?

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Vielleicht sollte RT Deutsch tatsächlich einmal über Verschwörungstheorien nachdenken. Stoff genug gibt es, wie es scheint. Warum schreibt die Deutsche Welle nicht einfach: Fresse halten, RT! Das wäre wenigstens ehrlich. Doch, liebe Kollegen von der Deutschen Welle, wir müssen Euch enttäuschen:

Wir werden Euch diesen Gefallen nicht tun.

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