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George Galloway: Wer schottischen Nationalismus schon jetzt übel findet, hat noch gar nichts gesehen

George Galloway: Wer schottischen Nationalismus schon jetzt übel findet, hat noch gar nichts gesehen
George Galloway: Wer schottischen Nationalismus schon jetzt übel findet, hat noch gar nichts gesehen (Teilnehmer eines Marsches der Organisation All Under One Banner, die eine Sezession Schottlands anstrebt, halten Plakat mit der Aufforderung "Londons Reich beenden". Glasgow, 11. Januar 2020)
Zum Brexit, einer Abspaltung Schottlands von Großbritannien und seinem Wiedereintritt in die EU kann man verschiedene Ansichten vertreten – doch ebenso wichtig ist das "Wie". Dieses "Wie" im Falle der regierenden Scottish National Party kritisiert George Galloway aufs Schärfste.

Schottische Nationalisten hassen mich abgrundtief. Die Separatistenbewegung ist gerade auf dem Vormarsch. Auch ist sie im Moment sehr lautstark, und jedem, der es wagt, sich ihr entgegenzustellen – besonders einem Schotten wie mir –, wird erklärt, er sei kein echter Schotte und solle gefälligst aus Schottland verschwinden.

Manch einer hasst die Krabbe.

Sie läuft seitwärts, nicht geradeaus,

Stört durstig den Sand.

Er jagt sie hin und her

Wie wildgeworden,

Mit Stöcken, über den Strand.

Vor vierzig Jahren hatte ich dieses Gedicht an die Wand meines Büros geheftet (ausgeschnitten aus dem Magazin Tribune, so Galloway, Anm. d. Red.).

In letzter Zeit fühle ich mich ein wenig wie diese Krabbe – und zwar seit ich angekündigt hatte, wieder nach Schottland zurückzuziehen und meine alten Feinde in der regierenden Scottish National Party von Angesicht zu Angesicht bekämpfen zu wollen.

Ich hasse Separatismus. Ich verabscheue es, wenn Länder aufgespalten werden (insbesondere kleine Länder), vor allem dann, wenn keine Notwendigkeit dazu besteht und alle am Ende schlechter dran sind – und dann weniger Kraft und Macht haben, etwas dagegen zu unternehmen.

Ich war mein ganzes Leben lang gegen die Teilung Irlands. Vor fast 50 Jahren marschierte ich in den Straßen von London gegen die Teilung Zyperns. Ich glaubte an Jugoslawien, an die Tschechoslowakei – ich war sogar gegen den Zerfall der UdSSR!

Mehr zum Thema – Leben in einer zerfallenden Welt – Teil 1: Warum die Steuerung missglückt ist

Doch seltsamerweise ist es inzwischen "linkspolitisch" geworden, eine Teilung Großbritanniens und, was noch absurder ist, einen Wiederbeitritt zur Europäischen Union zu unterstützen, wenn wir schon dabei sind. Und diejenigen, die sich dem entgegenstellen, werden der inzwischen altbekannten Hexenjagd ausgesetzt.

Sie beginnt mit einem außerordentlichen Heimatbann, ja sogar Entwurzelung: Wer nicht zu den Separatisten gehört, ist kein Schotte mehr, weg mit ihm. "Hau ab nach England!" hallt der Schlachtruf. Mir hat man ja mein ganzes Leben lang gesagt, ich solle "zurück nach Irland" (ich habe einen irisch-römisch-katholischen Hintergrund), "zurück nach Russland" (man "beschuldigt" mich, Russe zu sein, seit ich 15 Jahre alt war; mein Mathematiklehrer, Herr Rollo, nannte mich den "Kreml-Gremlin" und es blieb dann haften). Ich bin da dickhäutig wie ein Elefant – und genauso schwer von der Stelle zu zwingen. Ich gehe nirgendwo hin. Doch gegen andere, empfindlichere Naturen erfüllt der Schlachtruf seinen einschüchternden Zweck, besonders wenn er aus staatlichen Lautsprechern hallt.

Die SNP unterstützt die NATO, unterstützt die EU, beteiligte sich hochbegeistert an der Hexenjagd gegen Russland, hieß einen ukrainischen Faschisten in ihrem Parlament willkommen und applaudierte ihm im Stehen – aber irgendwie soll es dann trotzdem ich sein, der "Rechtsaußen" ist, nur weil ich gegen sie bin!

Eben erst heute wurde ich als "Rassist" bezeichnet (wegen meiner Unterstützung des Brexit – die SNP will, dass Schottland wieder der EU beitritt), als "Haussklave", als "Quisling" (obwohl ja gerade die SNP-Führung von 1934 und 1945 aus eigentlichen, buchstäblichen, Quislings bestand, die mit Hitler kollaborierten, in der Hoffnung, unter seinem Schaftstiefel die "Unabhängigkeit" zu erlangen). Man sagte mir, ich solle "Schottland verlassen", man solle mich "aus Schottland verbannen" – und man fragte mich sogar nach meiner Adresse in Schottland...

Am vergangenen Wochenende stellte sich eine Gruppe nationalistischer Ghule mit wehenden Flaggen und in an Tschernobyl erinnernden ABC-Anzügen (die sie wohl vor der Pest schützen sollten) entlang der Grenze auf. "Ver**** euch aus Schottland", schrien sie vermutlich englischen (bloß, woran wollten sie das erkannt haben?) Einreisenden entgegen, die der von COVID heimgesuchten schottischen Wirtschaft gerade ihr Geld zuführten.

Die meisten SNP-Aktivisten hassen mich aus einem weiteren Grund wie die Pest: Ich setzte mich nämlich für eine weitere mit-Krabbe ein, die sie wie wildgeworden mit Stöcken über den Strand jagten – für ihren früheren Anführer und meinen jetzigen RT-Kollegen Alex Salmond. Ich entlarvte ihren Versuch, Salmond anzuschmieren, indem ich Sachen beim Namen nannte – und zwar lange bevor das Gericht ihn in allen aus den Fingern gesaugten Anklagepunkten zu Sexualverbrechen freisprach.

Jedenfalls wird der Bürgerkrieg in der SNP mit der Veröffentlichung von Herrn Salmonds in den letzten Vorbereitungen befindlichen "J'accuse" (Interessierte könnten sich bis dahin mit einem Artikel des ehemaligen britischen Diplomaten Craig Murray zu diesem Thema vertrösten, Anm. d. Red.) erneut ausbrechen. Wer jetzt schon meint, die Luft sei dick vor narzisstischer Bösartigkeit des Nationalismus, der hat noch nicht alles gesehen.

Übersetzt aus dem Englischen

George Galloway

war fast 30 Jahre lang Mitglied des britischen Parlaments. Er moderiert Fernseh- und Radiosendungen (auch auf RT). Er ist Filmemacher, Schriftsteller und ein renommierter Redner. Folgen Sie ihm auf Twitter @georgegalloway

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