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Planspiele von US-Forschern: Manipulation der Erdatmosphäre soll Klimawandel aufhalten

Planspiele von US-Forschern: Manipulation der Erdatmosphäre soll Klimawandel aufhalten
Um die Erderwärmung aufzuhalten, plädieren US-Forscher für die Manipulation der Erdatmosphäre.
Gegenwärtig wird auf dem Klimagipfel in Polen diskutiert, wie sich der Klimawandel abwenden lässt. US-Forscher schlagen eine kostengünstige und technisch machbare Lösung vor: Eine Flotte von Flugzeugen soll Schwefelpartikel in der Erdatmosphäre versprühen.

Am Montag hat im polnischen Katowice der diesjährige Klimagipfel begonnen, an dem Vertreter aus 200 Staaten teilnehmen. Die Zusammenkunft scheint dringender geboten denn je: Vor Wochen vermeldeten Klimaforscher, dass die gemessene Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre so hoch sei wie nie zuvor. Um das in Paris vereinbarte Klimaziel – eine durchschnittliche Erderwärmung von maximal 2 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 – noch zu erreichen, müssten die Anstrengungen laut einem UN-Bericht verdreifacht werden. Auch ein aktueller US-Regierungsbericht warnt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels.

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Um diesen aufzuhalten, will die Weltbank nun ihre Klimaschutzmittel auf 200 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2012 bis 2025 verdoppeln. Dass am Wochenende in Deutschland Tausende für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen, zeugt von dem wachsenden Bewusstsein in dieser Frage.

Und so bedrohlich die Folgen eines Klimawandels, so radikal fallen die Lösungsansätze aus, die Wissenschaftler ausbrüten. Dazu zählt etwa die Idee, in der Erdatmosphäre großflächig feine Schwebeteilchen (sogenannte Aerosole) auszusetzen, die einen Teil der Sonneneinstrahlung reflektieren und somit die Erderwärmung verlangsamen. Solche technischen Eingriffe in die geochemischen oder biogeochemischen Kreisläufe der Erde werden auch als Geoengineering bezeichnet.

Pentagon-Guru als Ideengeber  

Ein Experte auf diesem Gebiet ist der US-Astrophysiker und Erfinder Lowell Wood. Der Tüftler löste vor drei Jahren Thomas Edison als denjenigen Amerikaner ab, dem die meisten Patente erteilt wurden. In einem ausführlichen Hintergrundartikel zum Thema Geoengineering aus dem Jahr 2011 beschrieb ihn das Rolling Stone Magazine als "einen der wichtigsten Waffenentwickler des Pentagon" und als "Guru des Verteidigungsministeriums für Bedrohungsanalysen". Wood war sich bereits damals sicher, dass die "Aufladung" der Atmosphäre mit Schwefel-Partikeln die Erderwärmung sofort stoppen könnte. Und das alles mit minimalen Kosten – 100 Millionen US-Dollar jährlich – sowie ohne Gefahren für die Umwelt.

Viele Wissenschaftler zeigten sich seinerzeit jedoch skeptisch gegenüber Woods Vorschlag. Auch deshalb, weil er ein Zögling von Edward Teller ist, von dem er entscheidend beeinflusst wurde. Teller gilt als "Vater der Wasserstoffbombe". Wegen seiner umstrittenen technischen Ansätze wie etwa die Nutzbarmachung nuklearer Explosionen für zivile Bauprojekte und seinen Defiziten im zwischenmenschlichen Umgang soll er Regisseur Stanley Kubrick als Vorlage für die titelgebende Filmfigur "Dr. Strangelove" gedient haben. Teller war ein prominenter Fürsprecher des SDI-Projekts, an dem sein Protegé Wood mitwirkte.

Studie hält Idee für technisch umsetzbar

Inzwischen haben sich die Vorbehalte in der akademischen Welt über dessen Ansichten zur Wettermanipulation aber deutlich abgeschwächt: Forscher der Yale- sowie der Harvard-Universität griffen Woods Pläne auf und prüften diese auf ihre Praxistauglichkeit. Laut ihrer kürzlich veröffentlichten Studie wäre eine Flotte von 100 Flugzeugen mit zunächst jährlich 4.000 Einsätzen nötig, um durch das Versprühen von Schwefel-Aerosolen in einer Höhe von knapp 20.000 Metern den gewünschten Effekt zu erzielen, die Erderwärmung um die Hälfte zu reduzieren. Im Verlauf des betrachteten Zeitraums von 15 Jahren wäre eine Steigerung der Flugeinsätze auf jährlich 60.000 notwendig.

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Laut Mitverfasser Dr. Gernot Wagner habe die Studie nachgewiesen, dass diese Form des Geoengineerings "rein von einem Ingenieurs-Standpunkt aus betrachtet, technisch möglich wäre". Zu den Kosten sagt Wagner:

Es wäre auch bemerkenswert preiswert, mit einem Durchschnitt von rund 2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr in den ersten 15 Jahren.

Zur Umsetzung solcher Pläne müssten aber erst geeignete Flugzeuge entwickelt werden, so Co-Autor Wake Smith: "Kein vorhandenes Flugzeug verfügt über die Kombination aus Flughöhe und Nutzlast, die erforderlich ist."

Im Grunde genommen handelt es sich bei dem Vorhaben um eine Imitation eines Vulkanausbruchs, bei dem massenhaft Schwefelpartikel ausgestoßen werden, wodurch die Erde gegen Sonneneinstrahlung abgeschirmt wird. Ein dramatisches Beispiel dafür war der Ausbruch des isländischen Laki-Vulkans im Jahr 1783, der globale Auswirkungen auf das Klima hatte und zu einer Abkühlung der nördlichen Hemisphäre um 1,5 Grad Celsius führte.

Warnung vor unabschätzbaren Folgen  

Die American Meteorological Society warnt allerdings seit Jahren vor der Umsetzung solcher Pläne zur Nachahmung von Vulkanausbrüchen. In einer 2013 veröffentlichten Erklärung heißt es:

Die Reflektion des Sonnenlichts würde wahrscheinlich die Durchschnittstemperatur der Erde senken, könnte aber auch die globalen Zirkulationspfade verändern, mit potenziell schwerwiegenden Folgen wie wechselnden Sturmpfaden und Niederschlagsmustern.

Die Folgen des künstlich erzeugten Sonnenschirms würden mit Sicherheit nicht alle Nationen und Bevölkerungen gleichermaßen treffen – manche Regionen könnten überflutet, andere zur Wüste werden –, wodurch Probleme in "rechtlicher, ethischer und diplomatischer" Hinsicht entstünden sowie in der Frage der nationalen Sicherheit.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der Planungsstab der Bundeswehr. In einer im November 2012 veröffentlichten Analyse zu Geoengineering heißt es, dass allen Methoden zur Manipulation der Atmosphäre gemein sei, "dass sie keinen Einfluss auf den Ausstoß von Treibhausgasen ausüben. Sie wirken also nicht gegen die Ursachen des Klimawandels sondern nur gegen die Folgen". Zudem wäre eine dauerhafte Anwendung nötig, "da bei Anwendungsabbruch mit einem abrupten Temperaturanstieg zu rechnen wäre". Weiter heißt es:

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Viele Methoden sind allerdings praktisch noch nicht erprobt und existieren nur als theoretische Vorschläge oder sind noch im Experimentalstadium auf Laborebene. Daher können Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Risiko, vor allem für die großflächige, oft globale Anwendung, noch nicht ausreichend abgeschätzt werden. Vor diesem Hintergrund ist besonders bedeutsam, dass viele Methoden Eingriffe in Ökosysteme, globale Luft- und Ozeanzirkulationssysteme darstellen, deren Zusammenspiel heute noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Bei den meisten Methoden ist zu erwarten, dass der Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zur erzielten Wirkung steht.

Bemerkenswerterweise haben die Verfasser der US-Studie in ihrer Zusammenfassung darauf hingewiesen, dass sich ein solches Programm ob seines Umfangs nicht im Geheimen abwickeln ließe. "Angesichts des Bedarfs an Tausenden von Flügen pro Jahr durch Flugzeuge im Größenbereich kommerzieller Passagierflugzeuge, die von einer internationalen Reihe von Stützpunkten aus operieren", sei eine Geheimhaltung nicht möglich.

Die Anmerkung ist wohl als Seitenhieb auf die Anhänger sogenannter Chemtrail-Theorien zu verstehen, die überzeugt sind, dass Sprühprogramme zur Manipulation der Atmosphäre bereits seit Jahren insgeheim durchgeführt werden.

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