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"Übertrieben": Urheber der Kampagne über russische Bots rudern zurück

"Übertrieben": Urheber der Kampagne über russische Bots rudern zurück
Russische Bots mischen die Weltpolitik auf – zumindest vermitteln Medien regelmäßig diesen Eindruck. Fast alle dieser Berichte gehen auf das Projekt "Hamilton 68" zurück. Einer der Mitbegründer sagt nun, die Sache mit den russischen Bots sei "übertrieben".

Das vom transatlantischen German Marshall Fund ins Leben gerufene Projekt "Hamilton 68" hat es sich zur Aufgabe gemacht, "russische Propagandabemühungen auf Twitter in Echtzeit zu beleuchten". Dazu wertet die Initiative 600 "automatisierte" Twitter-Accounts aus, also so genannte Bots, bei denen es sich um Sprachrohre des Kreml handeln soll.

Jüngst machte das Projekt mit der Behauptung auf sich aufmerksam, russische Propaganda-Bots hätten im Nachgang des jüngsten Amoklaufs an einer Schule in Florida auf Twitter die Waffendebatte befeuert.

Die Beiträge dieser automatisierten Accounts, oder Bots, wurden verfasst, um die Kluft [in der US-Gesellschaft] zu vergrößern und Kompromisse zu erschweren", griff beispielsweise die New York Times die Angelegenheit auf, die sich dabei lediglich auf Twitter-Accounts berufen konnte, "die im Verdacht einer Verbindung zu Russland stehen".

Ob im Zusammenhang mit dem Katalonien-Referendum oder dem Streit im US-Senat über das FISA-Memo: Stets beriefen sich Medien auf "Hamilton 68", wenn sie über die angebliche Einmischung durch russische Bots und Trolle schrieben.

Und selten merkten sie dabei kritisch an, dass sich die Angaben der Initiative nicht überprüfen lassen, da diese nicht offenlegen will, um welche Russland zugerechneten Twitter-Accounts es sich überhaupt handelt. Unterschlagen wird zumeist auch, dass das Führungspersonal des auch von deutschen Steuerzahlern finanzierten Projekts einer anti-russischen Agenda folgt, und diesem politische Neutralität nicht mal im Ansatz unterstellt werden kann.

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Unter den Wortführern befinden sich der ehemalige US-Heimatschutzminister Michael Chertoff, der neokonservative Hardliner William Kristol, der Ex-CIA-Chef Michael Morell und der ehemalige estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves, der über zehn Jahre lang für den Radiosender Radio Free Europe gearbeitet hatte, der laut Deutschlandfunk "Propaganda im Auftrag der CIA" verbreitete.

Spätes Eingeständnis des "Hamilton 68"-Mitbegründers

Der mediale Einfluss der Initiative ist nicht zu unterschätzen, wie BuzzFeed kürzlich feststellte:

Die Sache ist: Fast jedes Mal, wenn Sie eine Geschichte lesen, in der russische Bots für etwas verantwortlich gemacht werden, können Sie ziemlich sicher sein, dass die Geschichte auf eine einzige Quelle zurückgeführt werden kann - Hamilton 68.

Unter der Überschrift "Hört auf damit, russische Bots für alles verantwortlich zu machen" widmete sich das Medienportal dem Projekt des German Marshall Funds und befragte dazu einen seiner Gründer, Clint Watts. Dieser machte gegenüber BuzzFeed einige bemerkenswerte Aussagen, die nach einem verkappten Eingeständnis klingen, vielfach zur Verbreitung von Fake-News beigetragen zu haben.

"Ich bin nicht überzeugt von dieser Sache mit den Bots", sagte Watts als "einer der Männer, die hinter der Sache mit den russischen Bots stecken", wie BuzzFeed bissig anmerkte. Der Narrativ von den russischen Bots sei "übertrieben", so Watts:

Sie befinden sich nicht alle in Russland. Wir glauben nicht einmal, dass sie alle aus Russland befehligt werden - überhaupt nicht. Wir denken, dass es sich bei einigen um legitime Accounts leidenschaftlicher Menschen handelt, die einfach nur für Russland werben wollen.

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Nachdem er sie lange selbst beobachtet habe, stelle er die Effektivität von Bots in Frage, erklärte Watts, der dazu ausführte:  

Ein echter Meinungsmacher ("influencer"), ich nenne jetzt mal Julian Assange – womit ich nicht sagen will, er sei ein russischer Agent –, [...] aber es ist so, dass Assange weitaus mehr Wirkung mit einer geringeren Reichweite oder Lautstärke erzeugt als ein Bot, der nach dem Zufallsprinzip Inhalte von Assange tweetet.

Der Mediendiskurs erwecke den Eindruck, dass es vor allem darum geht, "die Aufmerksamkeit auf Russland zu lenken", so die kritische Einschätzung von BuzzFeed, das weiter schreibt:

Jeder scheint regelrecht glauben zu wollen, dass russische Trolle das Internet beherrschen.

Kehrtwende: Doch keine Verbindung zum Kreml

Die

Aber was bedeutet es, wenn die von Hamilton 68 beobachteten "Bots" gar nichts mit dem Kreml zu tun haben, fragte das Portal Bret Schafer. Der Analyst von Hamilton 68 antwortete darauf:  

Wir haben nie eine direkte Verbindung gezogen und gesagt, dass es sich bei den Aktivitäten, die wir auf unserer Webseite zeigen, in irgendeiner Form um eine vom Kreml genehmigte Einfluss-Operation handelt.

Vor zwei Wochen schlug Schafer im Zusammenhang mit der angeblichen Befeuerung der Waffendebatte in den USA durch russische Bots noch ganz andere, gegenteilige Töne an. Laut Hamilton 68 hatten die pro-russischen Twitter-Kanäle Inhalte verbreitet, die sich sowohl für als auch gegen schärfere Waffengesetze aussprechen. Schafer sagte dazu gegenüber dem Magazin Wired:

Ich glaube, dem Kreml ist es völlig egal, ob wir die Waffengesetze verschärfen oder nicht. Das Thema wird einfach als Köder benutzt.

Die Eingeständnisse der beiden Projekt-Mitarbeiter klingen nach Schadensbegrenzung in Sachen eigener Glaubwürdigkeit. Denn es ist schon länger bekannt - vom Medien-Mainstream wurde es jedoch kaum zur Kenntnis genommen -, dass es sich bei den angeblichen russischen Propaganda-Trolls tatsächlich vor allem um Anhänger der Alt-Right-Bewegung in den USA handelt, wie sich auch bereits im Zusammenhang mit der Bundestagswahl herausgestellt hatte.

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