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EU-Drogenbericht: Rekord beim Abfangen von Kokain - Deutschland mit den zweitmeisten Drogentoten

EU-Drogenbericht: Rekord beim Abfangen von Kokain - Deutschland mit den zweitmeisten Drogentoten
Im Jahr 2017 wurde in Europa so viel Kokain abgefangen wie nie. Etwa 96 Millionen Europäer haben bereits illegale Drogen konsumiert, die immer leichter verfügbar sind. Großbritannien zählte die meisten Drogentoten. Das geht aus dem europäischen Drogenreport hervor.

Per "Drogenkurier" wie bei einem Call-Center sowie über das Darknet werden illegale Substanzen immer leichter verfügbar, warnt die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA). Insgesamt haben 96 Millionen Erwachsene in der EU bereits irgendwann einmal illegale Drogen probiert, wie es in dem Bericht weiter heißt. Rund 1,2 Millionen Menschen werden jährlich wegen Drogenmissbrauchs medizinisch behandelt. Die Suchtstelle hat 730 Rauschmittel im Blick. 2018 kamen 55 neue psychoaktive Substanzen hinzu.

Behördenchef Alexis Goosdeel warnte mit Blick sowohl auf pflanzliche Drogen wie Kokain und Heroin als auch auf synthetische Drogen:

Die Herausforderungen, denen wir im Bereich Drogen gegenüberstehen, nehmen zu.

Niederländische Polizei verteilt im Kampf gegen Drogenlabore Ecstasy-Duft an Bevölkerung (Symbolbild)

Im globalen Kontext ist Europa dem Bericht zufolge einer der wichtigsten Absatzmärkte für Drogen, sowohl aus der "heimischen" Produktion als auch durch Schmuggel aus anderen Weltregionen. Südamerika, Westasien und Afrika sind Herkunftsgebiet der illegalen Drogen, die nach Europa gelangen, während China eine Quelle vor allem neuer psychoaktiver Substanzen sei. Eine Reihe der Drogen sowie deren Grundstoffe würden aber in Europa nur umgeschlagen und dann weiter nach Asien und in den Nahen Osten transportiert, wo Dealer neue Märkte suchten. Immer mehr Drogen würden aber auch in Europa selbst hergestellt.

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Die Menge an in Europa beschlagnahmtem Kokain hat sich binnen eines Jahres verdoppelt und einen Rekordstand erreicht. 2017 stellten Fahnder 140,4 Tonnen dieser Droge sicher, im Vergleich zu 70,9 Tonnen noch ein Jahr zuvor. Dies geht aus dem am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Jahresbericht der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hervor. Der Bericht beruft sich größtenteils auf Daten aus 2017 für die 28 EU-Staaten sowie Norwegen und die Türkei. Die Menge der beschlagnahmtem Kokain-Funde hatte 2006 schon einmal bei 120 Tonnen gelegen, war aber danach kontinuierlich gesunken. Für 2017 meldete die Beobachtungsstelle 104.000 Einzelfunde, im Vergleich zu 98.000 im Jahr davor. Eine besondere Herausforderung sei groß angelegter Schmuggel in Schiffscontainern, hieß es.

Seit 2016 sei ein rapider Anstieg der Kokain-Produktion aus Kolumbien festzustellen. Das sei eine mögliche Erklärung dafür, dass größere Mengen beschlagnahmt wurden, sagte Gosdeel.

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Besorgt zeigten sich die Experten über die Tendenzen in der Beschaffung – mit neuen, digitale Vertriebswegen zum Endverbraucher. Dealer böten Drogen im Darknet und über verschlüsselte Kommunikationswege an. Neue "Call-Center" für Kokain brächten die Droge mit Kurieren zum Kunden – im Wettbewerb mit anderen Kriminellen setzten die Dealer auf zusätzliche Dienstleistungen. Die Rolle digitaler Vertriebswege am gesamten Drogenhandel sei noch verhältnismäßig klein, verdoppele sich aber von Jahr zu Jahr, so Goosdeel.

Kokain ist nach Angaben der Beobachtungsstelle die in der EU am häufigsten gebrauchte aufputschende illegale Droge. Rund 2,6 Millionen junge Leute zwischen 15 und 34 Jahren hätten sie 2017 konsumiert. Eine neue Abwasserstudie habe ergeben, dass die Menge an Kokain-Abbauprodukten von 2017 bis 2018 in 22 der 38 überprüften Städte gestiegen sei. Die höchsten Werte seien in Städten in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien nachgewiesen worden.

(Symbolbild). Es gibt nichts, was es nicht im Internet gibt.

Im Jahr 2016 hat es laut der Studie in der Europäischen Union mindestens 7.929 Todesfälle durch Überdosierung mit einer oder mehreren illegalen Drogen gegeben, was in etwa den Vorjahren entspricht. Dabei machten das Vereinigte Königreich (34 %) und Deutschland (15 %) zusammen rund die Hälfte der europäischen Gesamtzahl aus – wobei die große Zahl auch auf die hohen Einwohnerzahlen sowie die relativ konsequente Vorgehensweise bei der Erfassung derartiger Vorfälle zurückgeführt wird.

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Behördenchef Goosdeel warnte, dass synthetische Opioide, die in den USA im Fokus einer derzeit schweren Drogenkrise stehen, auch in Europa bereits auf dem Vormarsch sind.

Eine wachsende Herausforderung für die Drogenpolitik stellen neue psychoaktive Substanzen dar. Die Liste der Substanzen, die auch auf dem Arzneimittelmarkt erscheinen, wächst rapide – etwa wöchentlich wird eine weitere neue psychoaktive Substanz in Europa gemeldet. Angesichts der beispiellosen Anzahl von Stoffen und ihrer Risiken im Zusammenhang mit Todesfällen oder akuten Vergiftungen sollen für die öffentliche Gesundheit diese auch stärker international kontrolliert werden. Einige Stoffe, wie beispielsweise Fentanyl-Derivate, seien aber auch in neuen Formen verfügbar, einschließlich Nasensprays und manchmal gemischt mit anderen Medikamenten. So sind Nutzer bisweilen gar nicht ihres Konsums bewusst, weil sie oft nicht wissen, dass und was sie konsumiert haben. Fentanyl kann in einer zu hohen Dosierung lebensbedrohlich sein, da die Substanz – ebenso wie auch andere Opioide – die Atmung verlangsamt, schlimmstenfalls bis zum Atemstillstand.

Die EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon liefert nur Daten und Statistiken – Prävention und Bekämpfung liegen in der eigenen Zuständigkeit aller EU-Staaten.

(dpa/ rt deutsch)

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