Opiumkrise in den USA: Rasanter Anstieg der Organspenden durch Drogentote

Opiumkrise in den USA: Rasanter Anstieg der Organspenden durch Drogentote
Organspende Symbolbild
Durch die verheerende Opioid-Epidemie in den USA ist die Anzahl der verfügbaren Spenderorgane unerwartet gestiegen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich ab dem Jahr 2000 von 59 auf 1.029 im Jahr 2016 erhöht - ein 24-facher Anstieg.

Laut einer jüngst in der Zeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlichten Studie gehen mittlerweile fast 14 Prozent sämtlicher Organspenden in den USA auf Drogentote zurück. Doch wie sicher sind diese Organe für die 110.000 Menschen, die in den Vereinigten Staaten dafür auf der Warteliste stehen?

Der Konsum harter Drogen endet oft tödlich. Nach dem Willen des US-Präsidenten soll bald auch der Handel mit illegalen Substanzen tödliche Folgen haben.

Die Studie deutet darauf hin, dass ein Anstieg der Organspenden bei Todesfällen durch Überdosis Amerikas Organmangel beheben könnte, und zeigt auch, dass zwischen 2000 und 2017 viele Organe von Überdosis-Todesspendern nicht verwendet wurden, um Leben zu retten, wenn sie dazu hätten genutzt werden können.

"Die gegenwärtige Epidemie der Todesfälle durch Überdosis ist eine Tragödie." Es wäre aber auch tragisch, lebensrettende Transplantate von Spendern weiterhin so selten zu nutzen, meinte Dr. Christine Durand, Assistenzprofessorin für Medizin und Onkologie an der Johns Hopkins University, die die Studie leitete.

Mehr zum Thema - USA: Lebenserwartung sinkt durch Drogenkrise

Durand fügte hinzu, dass es keine speziellen Vorschriften für die Transplantation von Organen an Überdosis verstorbener Spender gibt, die die Verwendung dieser Organe einschränken könnten. Allerdings gebe es Vorschriften für Spender mit "erhöhtem Risiko" für die Übertragung bestimmter Viren durch Organtransplantation.

"In unserer Studie wurden 56 Prozent der an Überdosis verstorbenen Spender mit erhöhtem Infektionsrisiko eingestuft. Diese Spender benötigen spezielle Tests auf HIV und Hepatitis sowie eine spezielle Einwilligung des Transplantatempfängers. Es gibt ein Stigma, das mit diesem Etikett "erhöhtes Infektionsrisiko" verbunden ist", so Durand. Dabei sei das Infektionsrisiko gering.

Forscher der University of Utah in Brigham geben nun zumindest für Lungen und Herzen grünes Licht. Sie sichteten die Transplantationsakten von 2.360 Patienten aus 17 Jahren und fanden heraus: Spender-Herzen und -Lungen von Drogentoten funktionierten ein Jahr nach der Transplantation genauso gut wie diejenigen von Menschen, die an einem Schlaganfall, Hirnblutungen oder Schusswunden gestorben waren. Das Team um Mandeep Mehra berichtet darüber im New England Journal of Medicine.

"Wir waren überrascht zu sehen, dass fast die gesamte Erhöhung der Transplantationsaktivität in den USA der vergangenen fünf Jahren auf die Drogenkrise zurückgeht", berichtet der Arzt.

Mehr zum Thema - Drogen-Epidemie in den USA: Mehr Tote als je zuvor - Pharmaindustrie als wichtiger Faktor

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen