Saudischer Außenminister droht: "Wenn Katar keine Truppen nach Syrien schickt, wird es fallen"

Saudischer Außenminister droht: "Wenn Katar keine Truppen nach Syrien schickt, wird es fallen"
Ein Bomber der US-Luftwaffe auf dem katarischen Luftwaffenstützpunkt Al Udeid vor seinem Einsatz in Syrien.
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir warnte die Regierung von Katar vor ihrem Untergang, sollte diese nicht bereit sein, die Präsenz von US-Truppen in Syrien mitzufinanzieren oder eigene Truppen in das Land zu schicken.

Im Zusammenhang mit dem jüngsten Appell von US-Präsident Donald Trump an die wohlhabenden Staaten der Region, sich mit eigenen Truppen im Syrien-Konflikt zu beteiligen, hat der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir die Regierung Katars gewarnt, dass diese nicht eine Woche ohne militärische Unterstützung durch die USA überleben würde.

Eine Ölpumpe in der Stadt asch-Schaddadi im Gouvernement al-Hasaka am 2. April 2010.

Katar müsse "seine Streitkräfte nach Syrien schicken, bevor der US-Präsident den US-Schutz von Katar aufhebt, der in der Präsenz einer US-Militärbasis auf seinem Territorium besteht", sagte Dschubeir am Mittwoch dem Medienzentrum seines Ministeriums zufolge.

Sollten die USA ihre etwa 10.000 Soldaten abziehen, die derzeit auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in der Nähe von Doha stationiert sind, würde die Regierung des Emirats "in weniger als einer Woche fallen", erklärte Dschubeir weiter.

Trump: Golfstaaten und Ägypten sollen unseren Part übernehmen

Der saudische Spitzendiplomat bezog sich auf eine Bemerkung Trumps während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron am Dienstag. Trump bekräftigte sein Versprechen, die US-Streitkräfte "so bald wie möglich" aus Syrien abzuziehen, und verwies dabei auf "Länder in der Region, von denen einige immens reich sind". Diese könnten perspektivisch die derzeitige Rolle der US-Soldaten bei der Stabilisierung der Lage im kriegsgeschüttelten Land übernehmen.

Trump hatte bereits vergangene Woche den Vorschlag unterbreitet, dass arabische Militärkräfte die US-Einsatztruppen in Nordsyrien ersetzen sollten. Während Riad die Initiative begrüßte, kamen aus Kairo kritische Töne zu dem Vorschlag. 

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Über Katar sagte der US-Präsident: "Sie würden keine Woche durchhalten. Wir schützen sie." Er forderte diejenigen Länder, die Amerikas Wohlwollen genießen, dazu auf, "für das zu bezahlen, was geschieht".

Katar wünscht sich stärkere US-Präsenz 

Al-Udeid ist derzeit der größte US-Militärstützpunkt im Nahen Osten und hat seit dem Beginn der US-geführten Militärkampagne gegen den "Islamischen Staat" (IS) an Bedeutung für das US-Militär gewonnen. Katars eigene Armee ist laut GlobalFirepower.com eine der kleinsten in der Region mit rund 12.000 aktiven Soldaten. Auf Grund eines Militärabkommens mit Ankara befinden sich auch noch einige hundert türkische Soldaten im Golfemirat.

Angehörige einer saudischen Spezialeinheit während des Schießtrainings. Laut geleakten E-Mails soll Saudi-Arabien kurz davor gestanden haben, in Katar einzumarschieren.

Im Januar umriss der katarische Verteidigungsminister eine weitreichende Ausweitung der US-Militärpräsenz im Land und eine mögliche Stationierung der US-Marine nach Abschluss der Renovierung der Marinehäfen. Khalid bin Mohammad Al Attiyah äußerte auch die Hoffnung, dass die Basis dauerhaft genutzt werden würde:

Die Kollegen im US-Verteidigungsministerium zögern, das Wort 'permanent' zu erwähnen, aber wir arbeiten von unserer Seite aus daran, es dauerhaft zu machen.

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Während seiner Pressekonferenz mit Macron deutete Trump an, dass die USA ihre Verbündeten in der Region bereits dazu bewegt hätten, die kostspielige Syrien-Kampagne zu unterstützen und dort Truppen einzusetzen.

Wir haben mit ihnen gesprochen. Sie werden dafür bezahlen. Die Vereinigten Staaten werden nicht mehr zahlen. Und sie [die Partner in der Golfregion] werden auch Bodentruppen schicken, was sie bislang nicht tun", sagte Trump.

Das Wall Street Journal berichtete letzte Woche, dass Washington Ägypten, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate aufgefordert hat, Milliarden von US-Dollar für den Wiederaufbau Syriens bereitzustellen und zudem eigene Truppen zu entsenden. 

Zuvor gab es erste Anzeichen für Entspannung 

Während der US-Präsident Saudi-Arabien seit Beginn seiner Amtszeit umworben hat und das Königreich sogar Ziel seiner ersten Auslandsreise war, bei der er milliardenschwere Waffengeschäfte mit Riad abschloss, bleibt Katar trotz seines anhaltenden Streits mit den Saudis ebenfalls ein wichtiger Verbündeter der USA.

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Katar und Saudi-Arabien befinden sich seit Juni letzten Jahres hingegen in einem anhaltenden diplomatischen Konflikt, nachdem Saudi-Arabien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und der Jemen die Beziehungen zu dem Emirat mit der Begründung abgebrochen hatten, dieses unterstütze den Terrorismus.

Unmittelbar danach befeuerte Trump den Streit noch weiter, indem er Katar als "hochrangigen Sponsor des Terrorismus" bezeichnete und sich damit brüstete, die Katar-Krise selbst ausgelöst zu haben. Doch nur Tage, nachdem er das Emirat der Terrorunterstützung bezichtigt hatte, schloss Trump selbst ein milliardenschweres Rüstungsgeschäft mit Katar ab. 

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Während der Streit als solcher noch nicht beigelegt ist, scheinen die Spannungen zwischen dem saudisch geführten Block und Katar in letzter Zeit abgenommen zu haben. Anfang dieses Monats nahm das katarische Militär sogar an der Übung "Gulf Shield" teil, die am 16. April in Saudi-Arabien endete und an der sich 23 Länder beteiligten.

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