Trumps Geschäfte mit dem angeblichen Terrorhelfer Katar: USA schließen Mega-Waffendeal mit Doha

Trumps Geschäfte mit dem angeblichen Terrorhelfer Katar: USA schließen Mega-Waffendeal mit Doha
Verwirrung um die Position Washingtons in der Katar-Krise: Hatte US-Präsident Donald Trump in der Vorwoche noch dem saudischen Bündnis gegen das Golfemirat den Rücken gestärkt, hat sein Land nun einen umfangreichen Rüstungsvertrag mit Doha unterschrieben.

Die USA haben mit Katar eine vorläufige Vereinbarung über den Verkauf Dutzender Kampfjets des Typs F-15 unterzeichnet. Das Abkommen wirft Fragen auf über die Strategie der USA in der diplomatischen Krise am Persischen Golf, wo sich US-Präsident bislang auf die Seite Saudi-Arabiens und gegen Doha gestellt hat.

Eine Stellungnahme des katarischen Verteidigungsministeriums zur jüngsten Vereinbarung nährt neue Spekulationen. In dieser heißt es:

Diese Vereinbarung unterstreicht das langjährige Engagement des Staates Katar gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten in den Vereinigten Staaten bei der Förderung unserer militärischen Zusammenarbeit.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere arabische Länder hatten vergangene Woche ihre diplomatischen Beziehungen mit Katar eingefroren. Sie schlossen den Luftraum und die Grenzen zum Golfemirat. Riad unterstellt Doha, den Terrorismus zu finanzieren und extremistische Ideologien zu fördern.

US-Präsident Donald Trump schickte sich zeitnah zu diesem Schritt der arabischen Allianz an, Katar über den Micro-Bloggingdienst Twitter direkt anzugreifen. Er nannte Katar die "Quelle des Terrorismus".

Dass dies das letzte Wort in dieser Sache sein sollte, bezweifelten schon damals zahlreiche Beobachter: In Katar unterhalten die USA mit 10.000 Soldaten ihre größte Militärbasis im Nahen Osten. Hinzu kommt, dass US-amerikanische Energie- und Rüstungsunternehmen seit Jahren lukrative Geschäfte mit Doha abwickeln.

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Die Positionierung Trumps aufseiten des Saudi-Blocks sorgt angesichts des gestern geschlossenen Waffendeals mit Katar nun umso mehr für Verwirrung. Auch aus Washington sind widersprüchliche Stellungnahmen zu vernehmen.

Anders als Präsident Trump forderte dessen Außenminister Rex Tillerson die Lockerung der wirtschaftlichen Isolation Katars. Das State Department bot sich als Mediator in der Katar-Krise an.

US-Beamte, die namentlich nicht genannt werden wollten, sagten gegenüber dem Wall Street Journal, dass die Regierung Trump im Grunde einen unparteiischen Zugang zu der Krise sucht.

"Jobs"-Versprechen steht bei Trump im Zweifel über politischen Festlegungen

Boeing gab bekannt, nach dem jüngsten Trump-Besuch in Riad potenzielle Rüstungsverkäufe in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar verbuchen zu können. Dazu zählen Verträge über Jets, Hubschrauber und Munition. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein weiterer großer Kunde von Boeing.

Ein anderer hochrangiger Regierungsbeamter äußerte, dass ein Lieferstopp der Flugzeuge nach Katar als Schritt zur Unterminierung Dohas wahrgenommen werden würde.

Wir wollen Katar in seine Nachbarschaft integrieren. Eine Blockierung würde ein gegenteiliges Signal senden.

Die Obama-Regierung genehmigte Katar im vergangenen Jahr die Option auf den Kauf von 72 F-15s für 21,1 Milliarden US-Dollar. Der Deal würde diese Produktionslinie von Boeing in St. Louis auf weitere Jahre am Leben halten. Zuvor stand die Produktionsstätte mangels Aufträgen vor der Schließung. Präsident Trump hatte gelobt, die Sicherung von Arbeitsplätzen zur innenpolitischen Priorität zu machen.

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Katar gab nicht an, wie viele Flugzeuge es erwerben wird. Das Wall Street Journal berichtet unter Berufung auf Analysten, dass ein Erwerb von 36 F-15 im Raum steht. Hinzu komme eine Kauf-Option auf weitere 36 Stück.

Beruhigung der Spannungen zwischen Katar und Nachbarstaaten nicht in Sicht

Saudische und emiratische Beamte deuteten unterdessen an, dass sie weitere Sanktionen gegen Doha in Erwägung ziehen. Bisher lehnen sie Tillersons Ansatz für eine versöhnliche Herangehensweise ab.

Abu Dhabi unterstützt die Truppen des Generals Haftar gegen die UN-unterstützte Regierung in Tripolis. Das geht aus einem Bericht der Vereinten Nationen am Freitag hervor.

Am Dienstag behauptete der emiratische Botschafter zu Washington, Yousef el-Uteiba, dass die USA den Truppenabzug aus Katar in Erwägung ziehen. Der Grund wäre, dass Katar die Basis als Hebel gegen die USA missbraucht.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werfen Doha vor, Al-Kaida-Gruppen zu finanzieren. Sie beschuldigen den bekannten Fernsehsender Al Jazeera, radikale Ideologien im Nahen Osten zu verbreiten. Katar und Al Jazeera lehnen diese Anschuldigungen kategorisch ab. Vielmehr ist bekannt, dass sich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate selbst massiv in die innenpolitischen Angelegenheiten Libyens, des Jemens und Syriens einmischen.

Auch diese beiden Golfmonarchien unterstützen zahlreiche Kriegsparteien. Außerdem gilt die politisch-religiöse Ideologie des Wahhabismus, die Saudi-Arabien aus seinem staatlichen Selbstverständnis heraus propagiert, unter Terror-Experten als Durchlauferhitzer für gewaltbereiten Islamismus.

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