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Wer profitiert vom Mord an Chaschukdschi?

Wer profitiert vom Mord an Chaschukdschi?
Ob die Beziehung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman noch lange so gut bleiben wird, wie es diese Demonstranten vor dem Weißen Haus andeuten, ist ungewiss.
Der internationale Druck auf Saudi-Arabien war am Ende zu groß, als dass das wahhabitische Reich den Tod des saudischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi noch weiter hätte leugnen können. Doch wer profitiert davon und wieso haben ausgerechnet die USA den größten Druck ausgeübt?

von Zlatko Percinic

Die offiziellen Verlautbarungen aus Saudi-Arabien seit dem Tag des Verschwindens des Journalisten Dschamal Chaschukdschi am 2. Oktober in Istanbul besagten in dieser Reihenfolge:

Ausschnitt aus dem Überwachungsvideo, das CNN vorliegen soll.

Was sich tatsächlich an jenem verhängnisvollen 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul ereignet hat, werden wir vielleicht nie erfahren. Nur zwei Dinge sind klar: Die Türkei war sich sehr schnell sicher, dass es sich um einen Mord handelte und US-Präsident Donald Trump erhöhte den Druck auf Riad ungewöhnlich schnell, indem er den Saudis mit "schweren Konsequenzen" drohte, sollte sich der Mord an Chaschukdschi bewahrheiten.

Ganz abgesehen davon, dass ein Mord ein schweres Verbrechen ist, ist dieser Fall beileibe nicht der einzige. Allein dieses Jahr wurden 29 Journalisten ermordet, fünf davon in den USA. Und bei keinem dieser schrecklichen Vorfälle wurde so ein Medienspektakel und politischer Druck aufgebaut, wie bei dem saudischen Journalisten. Was machte also diesen Fall so besonders?

Für einige US-Senatoren steht fest, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Beziehung zum wahhabitischen Herrscherhaus der Al-Saud neu ausrichten müssten und dass es nach diesem Mord kein "Weiter so" geben darf. Aber auch da stellt sich die Frage, wieso Washington für einen saudischen Bürger und Träger einer US-Green Card eine Beziehung zu den Saudis aufgeben sollte, die von Anfang an ausschließlich auf finanziellen Interessen beruhte? Nicht einmal bei der Veröffentlichung der berühmten "28 Seiten" aus dem Untersuchungsbericht zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington, in denen Saudi-Arabien als staatlicher Sponsor der Terroristen genannt wird, wurden derartige Forderungen gestellt. Unvergessen auch die Rede des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, in welcher er klar sagte: "Jede Nation die den Terroristen Unterschlupf gewährt oder sie unterstützt, wird von uns als feindliches Regime betrachtet."

Saudi-Arabien, ein "feindliches Regime"? Noch erscheint so etwas völlig unmöglich. Deutschland musste erst vor wenigen Wochen einen demütigenden Kniefall vor dem saudischen Außenminister über sich ergehen lassen, damit die Petrodollars auch wieder in deutschen Kassen klingeln konnten. Auch im diplomatischen Umgang mit Riad zeigte sich Berlin längst nicht so entschlussfreudig, wie im Fall der in London vergifteten Skripals, wo bis heute nicht klar ist, wer die Täter waren und wo sich Vater und Tochter Skripal befinden.

Zwei Patrouillenboote, die in Deutschland für Saudi-Arabien hergestellt wurden. September 2018.

Dass es aber in diese Richtung gehen könnte, wenn auch nur als hypothetische Drohung, zeigte Donald Trump am zweiten Tag nach Chaschukdschis Verschwinden. Ob dieses Timing ein Zufall war oder nicht, sei mal dahingestellt, aber die Aussage von Trump, dass Saudi-Arabien "keine zwei Wochen" ohne US-Schutz überleben würde, hat das Königshaus tief getroffen. Wie tief, zeigte sich in der Reaktion des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der als Drahtzieher für den Mord in Istanbul verdächtigt wird. In einem Interview mit einer Gruppe von Bloomberg-Journalisten, welches nur wenige Stunden nach Trumps Aussage geführt wurde, antwortete der Kronprinz:

Saudi-Arabien war vor den Vereinigten Staaten von Amerika da. Es ist seit 1744 da, ich glaube mehr als 30 Jahre vor den Vereinigten Staaten von Amerika. Und ich glaube, und es tut mir leid wenn es jemand falsch versteht, aber ich glaube, dass Präsident Obama in seinen acht Jahren gegen viele unserer Pläne gearbeitet, nicht nur in Saudi-Arabien, sondern im gesamten Nahen Osten. Und obwohl die USA gegen unsere Agenda gearbeitet hat, waren wir in der Lage, unsere Interessen zu beschützen. Und das Endergebnis ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika unter der Führung von Präsident Obama gescheitert sind, (wie) zum Beispiel in Ägypten. Deshalb braucht Saudi-Arabien ungefähr 2000 Jahre, um sich mit einigen Gefahren konfrontiert zu sehen. Deshalb glaube ich nicht, dass das akkurat ist."  

So eine Aussage zeugt schon von einer großen Portion Selbstbewusstsein, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dass es Saudi-Arabien 1744 in der heutigen Form noch gar nicht gab oder auch das Eingeständnis, dass Riad während der Präsidentschaft von Barack Obama aktiv gegen US-Interessen im Mittleren Osten vorging, zeigt das sehr dünne Band, das die beiden Länder zusammenhält. Und ebenso wie Trump, machte auch Bin Salman mehr als deutlich, dass dieses Band von sehr viel Geld und der anti-iranischen Politik zusammengehalten wird.

US-Senator Marco Rubio stellte indes klar, dass es im Senat keine pro-saudische Gruppe mehr gibt und deshalb eine Neuausrichtung der Beziehungen auch eine entsprechende Unterstützung seitens des Kongresses erhalten würde. Rubio kritisiert auch Präsident Trump, dass dieser trotz der Drohungen weiterhin am milliardenschweren Rüstungsgeschäft mit den Saudis festhält. Dieses "Weiter so" würde nämlich die "Glaubwürdigkeit und moralische Autorität (der USA/Anm.) auf dem Planeten untergraben, gegen Regime wie Putins oder Maduros in Venezuela vorzugehen". Anders ausgedrückt möchte der Senator zwar einerseits Menschenrechte als höchstes Gut der US-amerikanischen Außenpolitik hochhalten, aber andererseits als vermeintliche "moralische Autorität auf dem Planeten" gegen unliebsame Regierungen vorgehen können. Vielleicht sogar gegen Saudi-Arabien?

Der neue deutsche Botschafter in Saudi-Arabien, Jörg Ranau, überreicht dem Außenminister des Königreiches Adel al-Dschubair sein Beglaubigungsschreiben.

Was wie eine wahnwitzige Verschwörungstheorie klingt, wurde tatsächlich vor 45 Jahren bereits im Zuge des OPEC-Ölembargos 1973 geplant. Mit der Operation "Dhahran Option Four" sollten die Ölquellen von Saudi-Arabien, Kuwait und Abu Dhabi erobert werden, sollten diese arabischen Petromonarchien weiterhin ihre Ölblockade aufrecht erhalten. Auch Saddam Hussein war ein willkommener Gast in Washington, bevor 1991 der Irak aufgrund von Halbwahrheiten und fabrizierten Emotionenfängern, wie die Lüge mit den Brutkästen, angegriffen wurde.

Weshalb Saudi-Arabien Dschamal Chaschukdschi zu einem Zeitpunkt ermorden ließ, wo das Land in einem ebenfalls durch Mohammed bin Salman initiierten kostspieligen Krieg im Jemen festsitzt und dort ein unbeschreibliches Leid über die Bevölkerung gebracht hat, lässt sich nicht beantworten. Aber für die USA und die Türkei eröffnen sich dadurch Möglichkeiten, auf dem geostrategischen Schachbrett – um die Worte des verstorbenen Zbigniew Brzezinski zu benutzen – neue Züge zu planen, die davor zugestellt waren. Mit der völlig unverhofften Freilassung des seit über zwei Jahren inhaftierten US-Pastors Andrew Brunson inmitten dieses internationalen Dramas eröffnete der türkische Präsident Erdogan den Zug auf dem Brett.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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