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GRU-Kopfgeld für Mordanschläge auf US-Soldaten: New York Times im Bett mit Bellingcat

GRU-Kopfgeld für Mordanschläge auf US-Soldaten: New York Times im Bett mit Bellingcat
Archivbild: US-Soldaten in Afghanistan im Bezirk Nerkh in der Provinz Wardak beobachten das Gelände (6. Juni 2019)
Moskau soll den Taliban und anderen afghanischen Militanten Kopfgelder für die Tötung von US-Soldaten angeboten haben – behauptet die New York Times. Verifizierbare Belege liefert die US-Zeitung dafür nicht. Und auch bei dieser antirussischen Räuberpistole hat Bellingcat seine Finger im Spiel.

von Jürgen Cain Külbel 

Fast immer, wenn Russland medial auf die Anklagebank gesetzt wird – beispielsweise beim Abschuss des Passagierflugzeuges MH17 über der Ukraine, bei Giftgasanschlägen in Syrien oder im Nowitschok­-Fall Skripal –, hat die britische Rechercheplattform Bellingcat ihre Finger im Spiel. So auch im jüngsten Fall: Moskau soll den Taliban und anderen militanten Kräften in Afghanistan Kopfgelder für die Tötung britischer und US-amerikanischer Soldaten angeboten haben. Die New York Times (NYT) hat die Geschichte am vergangenen Wochenende in die Welt gesetzt.  

US-Soldaten entladen einen Sarg mit dem Leichnam eines in Afghanistan gefallenen Kameraden. (Dover, 10. Februar 2020)

Genannt seien in diesem Zusammenhang die Artikel Russia Secretly Offered Afghan Militants Bounties to Kill U.S. Troops, Intelligence Says (26. Juni 2020) und Trump Got Written Briefing in February on Possible Russian Bounties, Officials Say (29. Juni 2020).

Der Inhalt der Stücke sei kurz gerafft: "Anonyme Beamte", so die Verfasser, wüssten, dass die Geheimdiensteinheit Unit 29155 des russischen Militärnachrichtendienstes GRU Taliban-verbundenen Militanten heimlich Kopfgelder angeboten habe, um Koalitionskräfte in Afghanistan, US-amerikanische und britische Truppen, anzugreifen und zu töten. Die Informationen sollen auf Verhören von gefangenen afghanischen Militanten und Kriminellen basieren. US-Präsident Donald Trump sei darüber von Geheimdiensten informiert worden, habe aber nicht reagiert. 

Die Unit 29155, so die Autoren, sei auch für die Vergiftung und den versuchten Mord am ehemaligen MI6-Spion Sergei Skripal und seiner Tochter in Salisbury im März 2018 verantwortlich. Und weiter im Text:

Laut westlichen Geheimdienstbeamten wurde die Einheit, die seit mehr als einem Jahrzehnt operiert, vom Kreml beauftragt, eine Kampagne zur Destabilisierung des Westens durch Subversion, Sabotage und Ermordung durchzuführen. Neben dem Giftanschlag von 2018 stand die Einheit hinter einem Putschversuch in Montenegro im Jahr 2016 und der Vergiftung eines Waffenherstellers in Bulgarien ein Jahr zuvor.

Amerikanische Geheimdienstmitarbeiter sagen, die GRU stand im Zentrum der verdeckten Bemühungen Moskaus, sich in die Präsidentschaftswahlen 2016 einzumischen. In den Monaten vor dieser Wahl sagten amerikanische Beamte, zwei GRU-Cybereinheiten, bekannt als 26165 und 74455, hackten sich in Server der Demokratischen Partei und verwendeten dann WikiLeaks, um peinliche interne Kommunikationen zu veröffentlichen.

Die unbewiesenen Behauptungen der New York Times wurden von US-Präsident Donald Trump, den Taliban, russischen und amerikanischen Verantwortlichen in Regierung, Geheimdienst und Verteidigungsministerium energisch als Fake News zurückgewiesen. 

Mit einem neuen Artikel will die New York Times

Verfasst wurde das Stück von den Pulitzer-Preisträgern Charlie Savage, Eric Schmitt, Michael Schwirtz, Adam Goldman sowie von Nicholas Fandos. Schmitt und Schwirtz erhielten den Preis für ihre Artikel über "die Raubtiere von Wladimir Putins Regime", Goldman für seine Fantasy-Story über "Russlands Einmischung in die US-Präsidentenwahl". Der Pulitzer-Preis ist unter den transatlantischen Artgenossen begehrt; vielleicht auch, weil Joseph Pulitzer, Vater der Yellow Press, einst sagte:

Mir gefällt die Idee eines Krieges, keines großen, aber eines Krieges, mit dem man das Interesse der Leser wachhalten kann.

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Die GRU-Mania des transatlantischen Mainstreams

Die New York Times und Der Spiegel veröffentlichten bereits zahlreiche Stücke über die vermeintliche Verwicklung der GRU-Einheit 29155 in angebliche staatliche Auftragsmorde im Ausland. Darunter die Ermordung des tschetschenischen Anführers Selimchan Abdumuslimowitsch Jandarbijew 2004 in Doha, die Tötung von Umar Israilow 2009 in Wien, die Ermordung von Sulim Bekmirsajewitsch Jamadajew 2009 in Dubai, die versuchte Vergiftung des bulgarischen Waffenhändlers Emilian Gebrew in Sofia 2015, die Tötung von Amina Okujewa 2017 in Hlewacha sowie den "Tiergarten-Mord", also die Ermordung von Selimchan Changoschwili am 23. August 2019 in Berlin. 

Zudem soll der GRU EU-feindliche Parteien finanzieren, um die Europäische Union zu schwächen, und Einfluss auf das Brexit-Referendum sowie den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten 2016 genommen haben. Publiziert wurden diese steilen Thesen über die "Aktivitäten" der GRU-Einheit 29155 von Michael Schwirtz, der auch an der Kopfgeld-Story mitwirkte, am 8. Oktober 2019 in Top Secret Russian Unit Seeks to Destabilize Europe, Security Officials Say sowie in einer "gemeinsamen Untersuchung" von Der Spiegel, The Insider und selbstredend Bellingcat in The Dreadful Eight: GRU’s Unit 29155 and the 2015 Poisoning of Emilian Gebrev

Mehr zum Thema - Der Tiergarten-Mord und die Spur nach Moskau: Die fragwürdige Recherche von SPIEGEL und Bellingcat 

(Archivfoto) Ein US-Soldat observiert im November 2012 von einem Hügel das Gebiet in der Nähe der Stadt Walli Was in der Provinz Paktika, nahe der Grenze zu Pakistan.

The New York Times und Bellingcat – eine Liebesaffäre 

Der Reihe nach. Für die Kopfgeld-Geschichte sind insgesamt fünf Autoren der New York Times verantwortlich; konzentrieren wir uns auf Eric P. Schmitt und Michael Schwirtz. Die erste Zusammenarbeit des studierten Politikwissenschaftlers Eric P. Schmitt, der 1983 zur NYT kam, mit Bellingcat-Gründer Eliot Higgins schlug sich nieder in dem mit seinem Kollegen Christopher John Chivers verfassten Artikel Saudis Step Up Help for Rebels in Syria With Croatian Arms vom 25. Februar 2013. 

Chivers und Schmitt stützten sich darin auf Higgins' Ermittlungen über kroatische Waffen, die auf dem syrischen Schlachtfeld aufgetaucht waren. Chivers bestätigte, dass Higgins noch vor der New York Times an der Story dran war, die Details auf seinem damaligen Blog Brown Moses veröffentlicht hatte, und dass sie mit ihm zusammen daran weiter arbeiteten; nachher schrieb Chivers:

Danke Eliot, für deine Geduld, dein gutes Auge und dafür, dass du eine Möglichkeit geschaffen hast, neue und alte Formen der Berichterstattung zusammenzuführen, um aus einem neuen Blickwinkel heraus aktuelle Ereignisse zu beleuchten.

Higgins hatte die Fährten des von US-Präsident Barack Obama unter Geheimhaltung autorisierten CIA-Programms Timber Sycamore gekreuzt, das von Geheimdiensten mehrerer arabischer Länder unterstützt wurde: Milizen, die der regulären syrischen Armee gegenüberstanden, erhielten Waffentraining und Waffenlieferungen, letztere vor allem über Saudi-Arabien und Katar.

Da war es wohl besser, diesen Engländer, der Dinge ausgräbt, die besser im Verborgenen bleiben sollen, nicht aus den Augen zu lassen, besser noch: ihn umzudrehen, wie der Geheimdienstler sagt? Es dauerte dann auch nicht lange, bis die antirussische "Erfolgsgeschichte" Bellingcat ihren Lauf nahm – finanziert unter anderem von George Soros' Open Society Foundations und dem National Endowment for Democracy (NED), der die außenpolitischen Interessen der USA vertritt.

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Die sechs größten Russiagate-Lügen und alles, was man darüber wissen muss

(Protestierende versammeln sich am Capitol Hill während des Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump. Washington, DC, 29. Januar 2020)

NYT-Mitautor Michael Schwirtz begann 2006 im Moskauer Büro der US-Zeitung zu arbeiten. Seit dem 14. Mai 2018 berichtete er für die New York Times über den Fall Skripal, anfangs in Mitautorschaft mit Ellen Barry und dem vorgenannten Bellingcat-Kooperateur Eric Schmitt, ab Oktober 2018 als Alleinautor. Unter anderem schrieb er ein Porträt über Higgins' "investigative Gruppe" sowie Beiträge zu den oben aufgezählten angeblichen "Kapitalverbrechen" der GRU-Einheit 29155, in denen er das Bellingcat-Narrativ bedient. Am 2. April 2019 ließ er die Welt im Teaser seines Artikels Note to Self: When Chasing After Russian Spies, Phone Home wissen:

Ich habe das letzte Jahr damit verbracht, neue Informationen über die russischen Geheimdienste zu sammeln, insbesondere über die Attentäter, die der Kreml eingesetzt hat, um Staatsfeinde zu eliminieren. Mama ist besorgt.

Besorgt zeigte sich auch Finian Cunningham, preisgekrönter Journalist, der über 25 Jahre lang für The Mirror, Irish Times, Irish Independent und Britain's Independent arbeitete, über Schwirtz' Stück Top Secret Russian Unit Seeks to Destabilize Europe, Security Officials Say, in dem er am 8. Oktober 2019 seine "Informationen" über die GRU-Einheit 29155 publizierte: eine "Anti-Russland-Gruselgeschichte" sei das, "die als ernsthafte Nachricht verkleidet war". 

Cunningham übte vernichtende Kritik am Machwerk von Schwirtz und den von ihm angeblich zu Tage geförderten "schmutzigen Taten, die an verschiedenen internationalen Orten und von den angeblichen Elite-Kreml-Hybridkriegern ausgeführt wurden". Cunningham schrieb

Es ist jedoch bezeichnend, dass es keine Details gibt, die eine Beteiligung Russlands belegen. Es sind alles grelle Spekulationen, gewürzt mit Angstmacherei, die sich wie ein blasser Spionageroman von John le Carré lesen. (...) Ein weiterer netter Versuch, der lahmen Geschichte ein paar Beine zu geben, ist das Zitieren von namentlich genannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Diese Quellen bestätigen jedoch nicht die Existenz der angeblichen Kreml-Einheit.

Sie werden lediglich aufgefordert, über deren Existenz und den vermuteten bösartigen Zweck zu spekulieren. Eine dieser genannten Quellen ist MI6-Chef Alex Younger. Ja, das ist richtig. In den Akten wird der britische Militärgeheimdienst als zuverlässige Quelle für öffentliche Informationen zitiert. (...) Eine andere genannte Quelle ist Peter Zwack, der als ehemaliger US-Geheimdienstoffizier beschrieben wird, der 'sich der Existenz der Einheit nicht bewusst war'.

Auffahrt der russischen Botschaft in Prag. Dorthin soll ein Agent das Gift Rizin gebracht haben, um Attentate auf lokale Politiker auszuführen, weil sie sich für die Umbenennung des Platzes vor der Botschaft aussprachen – behauptet zumindest ein in russophoben Netzwerken aktiver Journalist.

Wenn der NYT-Artikel irgendeinen Zweck erfülle, dann vielleicht den, dass er "vielleicht ein gutes Beispiel dafür" liefert, "wie Desinformation heimtückisch als 'Nachricht' dargestellt wird", so Cunningham. "Die Tatsache, dass dies in einer mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten, angeblich führenden amerikanischen Zeitung erscheinen kann, ist der beunruhigende Teil." 

Cunningham verweist am Schluss auf den "wegweisenden Aufsatz" des preisgekrönten Journalisten Carl Bernstein im Jahr 1977 für das Rolling Stone Magazine, in dem er darstellte, "wie die CIA systematisch Hunderte von Reportern, Kolumnisten, Redakteuren, Verlagsleitern und Rundfunknetzen kultivierte, um als Kanäle für Desinformation zu fungieren – ein Großteil davon zielte darauf ab, die Sowjetunion zu dämonisieren". Bernstein:

Der Einsatz von Journalisten gehörte von Anfang an zu den sensibelsten Unternehmungen der CIA. Laut CIA-Beamten waren die mit Abstand wertvollsten dieser Verbände bei der New York Times, CBS und Time Inc.

Wie dem auch sei, im März 2019 machte die New York Times den Sack zu und übernahm das langjährige Bellingcat-Führungsmitglied Christiaan Triebert per Arbeitsvertrag. Das verkürzt natürlich die Informationswege zum Marktführer für antirussische Desinformation. Und wen wundert es, dass Triebert gemeinsam mit Michael Schwirtz und anderen Autoren bei der NYT Bellingcat-Narrative bedienen. Beispielsweise über die Beteiligung der GRU-Einheit 29155  am Berliner Tiergarten-Mord (hier und hier)? 

In zahlreichen anderen Beiträgen – für die New York Times ist Triebert seit spätestens 2018 aktiv – hilft das "Zauberkind der Open-Source-Community, der Sherlock Holmes 3.0", so das niederländische Magazin Vrij Nederland im Dezember 2018 über Triebert, durch die Analyse von YouTube-Videos und Google Earth-Bildern die vermeintlichen Fakten über syrische und russische Bombenanschläge und Kriegsverbrechen aufzudecken. Deswegen seien ihm Trollarmeen auf der Ferse; "Russen versuchen ihn zu hacken". 

Heute arbeitet Triebert bei der NYT im Bereich Visual Investigations. Dort wird "traditionelle Berichterstattung" verknüpft "mit fortschrittlicherer digitaler Forensik, die das Sammeln und Analysieren von Handyvideos, Satellitenbildern und anderen Bildern, Social-Media-Posts, Audios von Polizeiscannern und 3D-Rekonstruktionen von Tatorten umfassen kann". Gemeinsam mit Malachy Browne, dem leitenden Produzenten der Visual Investigations, ermittelte Triebert unter anderem zu angeblichen russischen Luftangriffen auf Krankenhäuser in Syrien und zu angeblichen Angriffen der syrischen Armee mit Chemiewaffen in Syrien. 

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OPCW-Generaldirektor Fernando Arias während eines Treffens mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow. (Moskau, 2. April 2019)

Natürlich nicht ohne Hilfestellung des Propaganda-Dienstleisters Bellingcat:

Wir haben Dutzende von Videos und Fotos des Angriffs mit Akademikern, Wissenschaftlern und Experten für chemische Waffen durchgesehen. Wir haben uns mit der Forschungsagentur Forensic Architecture zusammengetan, um ein virtuelles Modell des Tatorts zu erstellen und zu analysieren, wie sich Schäden am Gehäuse der Bombe auf die von ihr zerstreuten Trümmer auswirken. Wir haben auch einen Teil der visuellen Beweise mit der Untersuchungsgruppe Bellingcat durchsucht.

Schlussakkord: Am 1. Juli 2020 eilte die US-Website für Nachrichten und Meinungen Daily Beast der New York Times zu Hilfe. Im Beitrag Russian Bounties for Killing Americans Go Back Five Years, Ex-Taliban Claims boten Sami Yousafzai, Adam Rawnsley, Christopher Dickey und Erin Banco neue "Details" in der Kopfgeld-Saga an und zitierten den mutmaßlichen Ex-Sprecher des Taliban-Führers Mullah Omar, Manan Niazi. Der hatte über einen verschlüsselten Telefonanruf behauptet, "die Taliban wurden vom russischen Geheimdienst für Angriffe auf US-Streitkräfte – und auf ISIS-Streitkräfte – in Afghanistan von 2014 bis heute bezahlt". 

Niazi, heute laut Daily Beast ein Dissident, habe zwei Namen genannt, von denen er behauptete, sie seien "verdeckte Geschäftsleute, die nach Tadschikistan und Kirgisistan gingen". "Ich möchte keinen Kommentar abgeben – ich möchte nicht einmal über Niazi sprechen. Niazi ist unser Feind und spielt dem NDS in die Hände", erklärte einer der Beschuldigten dem Daily Beast. NDS, das National Directorate of Security, ist der Geheimdienst Afghanistans. Die Taliban beschuldigen den dubiosen Informanten Niazi, sowohl für den NDS als auch für die CIA zu arbeiten.  

Ach ja: Christian Triebert, der Bellingcats Kooperationspartner New York Times bedient, ist ein Buddy des oben genannten Daily-Beast-Autors Adam Rawnsley. Beide schrieben den Bericht Black Market Sold Drones Used in Russian Base Attack, der am 10. Januar 2018 auf Daily Beast veröffentlicht wurde. Rawnsley schreibt auch für das US-Magazin Foreign Policy über Sicherheitspolitik – und auch für Bellingcat

London mischt sich wieder ein 

Am 29. Juni meldete sich der ehemalige britische Diplomat Arthur Snell auf Sky News in Sachen Russen-Kopfgeld zu Wort: "Es ist ein Beweis dafür, dass die Russen bereit sind, den Rahmen für äußerst aggressive und völlig unethische Praktiken wirklich zu erweitern." Die angebliche GRU-Operation sei "Teil einer umfassenderen russischen Taktik, mit abzuleugnenden Mitteln westliche Verbündete zu untergraben".

Der Chef der russischen Einsatzkräfte in Italien, Sergei Kikot, berichtet aus Bergamo über den Stand der Hilfsmaßnahmen. (7. April 2020)

Tobias Ellwood, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Londoner Unterhauses, erinnern die "Vorwürfe gegen Russland in Afghanistan daran, dass ein neuer Ausschuss von Abgeordneten gebildet werden muss, der die Arbeit der britischen Geheimdienste und Sicherheitsdienste überprüft und die Befugnis hat, einen lang erwarteten Bericht (den sogenannten Bericht Nr. 10 des Intelligence and Security Committee) über die mutmaßliche Einmischung Russlands in Großbritannien zu veröffentlichen", heißt es auf Sky News

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In dem im Oktober 2019 gefertigten Bericht, dessen Veröffentlichung bislang von Boris Johnson und seiner Vorgängerin Theresa May blockiert wurde, habe unter anderem der ehemalige MI6-Spion Christopher Steele wieder einmal behauptet, dass der Kreml einen "wahrscheinlichen Einfluss" auf Trump hat. Steele ist Verfasser des berüchtigten 35-seitigen "Steele-Dossiers" aus dem Jahre 2016, jenem haltlosen und haarsträubenden Geheimbericht über angebliche Russland-Kontakte Donald Trumps. Mittlerweile ist bekannt, dass Hillary Clinton Auftraggeber des Stückes war, das dem FBI "übergeben" werden sollte, um es gegen ihren politischen Rivalen Donald Trump zu verwenden.

Und der oben erwähnte "Diplomat" Arthur Snell ist niemand Geringeres als der Geschäftsführer von Orbis Business Intelligence, jener "Risikoberatung", bei der auch Christopher Steele angestellt ist und in der sein Dossier über Trump fabriziert wurde. Aber auch Pablo Miller, ein anderer MI6-Spion, arbeitete dort – Miller war Führungsoffizier von Sergei Skripal. Das Opfer des vorgeblichen Nowitschok-Mordversuchs; ein Fall, den Bellingcat mittels Falschinformation als aufgeklärt darstellt.

Alles Bellingcat, oder was? Und/oder Orbis? Es ist eben wieder Wahlkampf in den Vereinigten Staaten – anscheinend erneut auf Kosten der Russen.

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