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Giftgaseinsatz im syrischen Duma: Dokumente überführen OPCW-Chef der Lüge

Giftgaseinsatz im syrischen Duma: Dokumente überführen OPCW-Chef der Lüge
OPCW-Generaldirektor Fernando Arias während eines Treffens mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow. (Moskau, 2. April 2019)
Für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma vor zwei Jahren machte die OPCW in ihrem Abschlussbericht implizit das syrische Militär verantwortlich. Experten aus den Reihen der Organisation widersprachen – und wurden vom OPCW-Chef mit Behauptungen abqualifiziert, die sich nun als Lüge entpuppen.

Im syrischen Duma soll es am 7. April 2018 zu einem Giftgaseinsatz gekommen sein, der über 40 Menschen das Leben gekostet hat. Der Westen machte schnell die syrische Regierung für die Tat verantwortlich. Als "Vergeltung" flogen die USA, Frankreich und Großbritannien eine Woche später Luftangriffe auf syrische Einrichtungen.

Syrische Soldaten nach der Einnahme des Aleppiner Außenbezirks al-Rashidin 4. (11. Februar 2020)

Im März 2019 veröffentlichte die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ihren Abschlussbericht, laut dem es "angemessene Gründe" für die Annahme gibt, dass in Duma Chlorgas zum Einsatz kam. Dieses soll aus zwei Zylindern ausgeströmt sein, die aus der Luft abgeworfen wurden – was eine Täterschaft der syrischen Luftwaffe impliziert. Wie RT Deutsch seinerzeit darlegte, ist der OPCW-Bericht jedoch von erheblichen strukturellen Mängeln geprägt, bedient sich dubioser Quellen und lässt wichtige Beweismittel unberücksichtigt.

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Im Mai 2019 gelangte dann ein technisches Gutachten aus den Reihen der OPCW an die Öffentlichkeit, das sich mit besagten Gaszylindern beschäftigt. Angefertigt wurde es von dem langjährigen OPCW-Inspekteur Ian Henderson. Laut seiner Analyse wurden die Zylinder per Hand platziert, was in der Konsequenz bedeutet, dass es sich bei dem Giftgas-Vorfall um eine Inszenierung der islamistischen Aufständischen handelte. Duma wurde seinerzeit von der "Armee des Islam" kontrolliert.

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Neben Henderson stellte auch ein weiterer Whistleblower, der anonym bleiben will und sich als "Alex" an die Öffentlichkeit wandte, die Untersuchungsergebnisse der OPCW infrage. Laut dem Rechtsprofessor Richard Falk von der Princeton University präsentierte der zweite Whistleblower "Beweise und Aussagen dafür, dass der Abschlussbericht nicht in der Form gerechtfertigt ist, in der er dann präsentiert worden ist. Dass er so manipuliert wurde, dass Ergebnisse zustande kamen, die dem entsprachen, was sich die USA, Großbritannien und Frankreich von dieser Untersuchung erhofft hatten. Die Beweise allerdings unterstützten diese Ergebnisse aber nicht."

Die Zweifel der beiden OPCW-Mitarbeiter am später der Öffentlichkeit präsentierten Untersuchungsergebnis wurden von hochrangigen Funktionären unterdrückt, Hinweise zu Hendersons Bericht wurden aus dem Archiv des Dokumentenregisters der OPCW gelöscht.

Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) im niederländischen Den Haag

Anfang des Jahres bezeichnete OPCW-Generaldirektor Fernando Arias die beiden Whistleblower als unglaubwürdig. Es handele sich bei ihnen um "abtrünnige" Inspektoren, die nicht einmal Mitglieder der sogenannten Fact Finding Mission (FFM) gewesen seien, die mit der Untersuchung vor Ort betraut war. So habe Henderson nur eine "kleine, unterstützende Rolle" bei der Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Duma gespielt.

Jüngst veröffentlichte Dokumente widerlegen OPCW-Chef

Interne OPCW-Dokumente, die der investigative Journalist Aaron Maté nun auf Grayzone veröffentlichte, belegen jedoch, dass Arias die Unwahrheit sagte. So heißt es in einem Schreiben, das im Auftrag des Büros des damaligen Generaldirektors Ahmet Üzümcü verfasst wurde, man sei "froh, wenn die Besichtigungen der Zylinder und des Krankenhauses von Ian Henderson geleitet werden".

Giftgaseinsatz im syrischen Duma: Dokumente überführen OPCW-Chef der Lüge

Ein anderes Dokument, bei dem es sich um ein vertrauliches Sicherheitsplanungs-Memorandum handelt, auch bekannt als CONOPS (Concept of Operations), führt Henderson als Teil der FFM unter dem Abschnitt "Missionspersonal" auf. Nicht zuletzt wird Henderson im Memorandum "F038" als "Teil des Teams" aufgeführt, "das die Besuche des technischen Sekretariats [der OPCW] durchführt". Das Memorandum wurde für die syrische Regierung erstellt und informierte diese über die Mitglieder des OPCW-Untersuchungsteams.

Henderson hatte zuvor öffentlich erklärt, dass er sich auf einer Mission in Nepal befand und unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Duma versetzt wurde. Aus einem anderen nun veröffentlichten Dokument geht hervor, dass Henderson am 3. Mai 2018 – zwei Tage nach der Rückkehr der FFM aus Duma – den Führungsstab der OPCW in Damaskus übernommen hatte. Dies steht in direktem Widerspruch zur Darstellung des Generaldirektors, wonach Henderson bereits in Damaskus war, zufällig eine kleine Rolle bei der Duma-Untersuchung gespielt habe und dann "abtrünnig" wurde, um die OPCW aus unbekannten Gründen zu sabotieren.

Giftgaseinsatz im syrischen Duma: Dokumente überführen OPCW-Chef der Lüge
Übergabe der Leitung der OPCW-Mission an Henderson.

Über Monate erklärten Henderson und "Alex", dass sie nicht abtrünnig geworden seien, sondern von der OPCW ausgegrenzt wurden, weil sie Beweise vorlegten, die darauf hindeuteten, dass der Duma-Vorfall von der "Armee des Islam" inszeniert worden war. Der Abschlussbericht der OPCW sei gefälscht worden, um die Raketenangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs rückwirkend zu rechtfertigen und es ihnen zu ermöglichen, Damaskus die Schuld zuzuschieben.

Weitere Whistleblower melden sich zu Wort – und fühlen sich bedroht

Zwei weitere Whistleblower, die anonym bleiben wollen, stützten diese Darstellung, wonach von der vorgegebenen Linie abweichende Ansichten unterdrückt wurden, und wiesen die Versuche der OPCW-Führung zurück, die Glaubwürdigkeit von Henderson und "Alex" zu diskreditieren. Aufgrund von Einschüchterungsversuchen fühlten sie sich bedroht und einer von ihnen fürchtete gar um sein Leben und das seiner Familie.

Diese Furcht ist nicht unbegründet, wie die Geschichte lehrt. Mit welch harten Bandagen Washington seine Interessen innerhalb der OPCW durchzusetzen versucht, wurde im Vorfeld der Invasion des Iraks im Jahr 2003 bekannt. Ein Jahr zuvor übte die US-Regierung vehementen Druck aus, um den damaligen OPCW-Chef José Bustani aus dem Amt zu drängen. Dessen "Vergehen": Der Brasilianer hatte mit Bagdad ausgehandelt, dass Waffeninspekteure der OPCW unangekündigte Besuche im Irak vornehmen können. Das von Washington gehegte Mantra von den "Massenvernichtungswaffen" drohte dadurch zu kollabieren. 

Im März 2002 lief dann der damalige US-Unterstaatssekretär für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheitsfragen und spätere US-Sicherheitsberater John Bolton im OPCW-Hauptquartier in Den Haag auf und drohte Bustani nach dessen Aussage mit den Worten:

Sie haben 24 Stunden Zeit, um die Organisation zu verlassen. Wenn Sie dieser Entscheidung Washingtons nicht nachkommen, haben wir Möglichkeiten, Vergeltungsmaßnahmen gegen Sie zu ergreifen. Wir wissen, wo Ihre Kinder wohnen. Sie haben zwei Söhne in New York.

"Völlige Kehrtwende" – Henderson wendet sich an UN-Sicherheitsrat

Ungeachtet aller etwaigen Einschüchterungsversuche wandte sich Henderson im Januar dieses Jahres in einer Videobotschaft an die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates. Demnach stellte der OPCW-Abschlussbericht eine "völlige Kehrtwende" zu dem dar, was die FFM "gemeinsam herausgefunden" habe. Henderson wirft der OPCW vor, die vom Untersuchungsteam vor Ort gesammelten Daten und Analysen in den Bereichen Zeugenaussagen, toxikologische Studien und chemische Analysen sowie Ballistik ignoriert zu haben.

Laut einem Schreiben eines FFM-Mitglieds an OPCW-Chef Arias, das von WikiLeaks im Dezember 2019 veröffentlicht wurde, gibt es rund 20 Inspektoren, die ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck brachten, wie die OPCW ihre Ergebnisse zu dem angeblichen Giftgasangriff präsentierte. Dem Schreiben zufolge spiegele der Abschlussbericht der Organisation nicht die Ergebnisse der FFM wider.

Auf die Enthüllungen von Henderson und "Alex" reagiert die OPCW, indem sie die beiden Whistleblower als verärgerte Mitarbeiter darstellte, die ihre Geheimhaltungspflicht verletzt hätten und denen es an Fachwissen mangele, und die zudem keinen Zugang zu sämtlichen Beweisen gehabt hätten. Aus ihren eigenen Dokumenten geht nun eindeutig hervor, dass diese Aussagen falsch sind.

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