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"Attackiert das Virus direkt": Russland liefert neues Corona-Medikament an Staaten Lateinamerikas

"Attackiert das Virus direkt": Russland liefert neues Corona-Medikament an Staaten Lateinamerikas
(Symbolbild)
Im weltweiten Kampf gegen die Corona-Epidemie zeichnen sich zwei Tendenzen ab. Während Staaten wie die USA und Brasilien, die anfänglich die Existenz oder Gefährlichkeit des Virus abstritten, international zunehmend isoliert werden, stärken andere Staaten ihre Zusammenarbeit.

von Maria Müller

Russland schloss am 3. August mit sieben Ländern Lateinamerikas einen Liefervertrag für das neue Medikament Avifavir ab. Lateinamerika hat sich zum weltweiten Zentrum der Coronavirus-Pandemie mit fünf Millionen positiv Getesteten und über 200.000 Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 entwickelt.

Russland will ab Oktober die Bevölkerung gegen das Coronavirus impfen (Symbolbild)

Argentinien, Bolivien, Honduras, Paraguay, El Salvador, Uruguay und Ecuador sollen in einer ersten Etappe mindesten 150.000 Einheiten des Mittels zum Kampf gegen die SARS-CoV-2-Infektion erhalten. Auch Brasilien und Südafrika haben das Medikament angefordert. Allerdings darf es vorerst nur unter klinischer Aufsicht verabreicht werden. Überdies wird es noch nicht im freien Handel erhältlich sein.

Lizenz für Pharmaunternehmen in Bolivien

Der Russische Fonds für Direktinvestitionen (RDIF) erklärte, dass das bolivianische Pharmaunternehmen Sigma Corp S.R.L. die regionale Herstellung und Verteilung von Avifavir übernehmen werde, wofür es die notwendige Technologie aus Russland erhält. Vertragspartner sind die russischen Firmen Chromis und ChemRar. 

Das Gesundheitsministerium der Föderation hat am 29. Mai das Medikament offiziell zugelassen und ihm eine "große Wirkungsweise" bescheinigt. Avifavir ist eine Fortentwicklung des japanischen Medikaments Favipiravir, das seit 2016 erfolgreich gegen Virusgrippen eingesetzt wird. Die Patentrechte endeten 2019, weshalb es nun als "generisches Medikament" gilt.

Generisches Medikament

Da die Grundsubstanz bereits erprobt ist, konnten die Testphasen und klinischen Untersuchungen des neuen Arzneimittels beschleunigt umgesetzt werden. Im April und Mai erhielt man erste Resultate, ab dem 11. Juni wurden rund 30.000 Patienten in 51 Regionen Russlands damit behandelt. Die Ergebnisse waren positiv, Nebenwirkungen zeigten sich nur zu einem geringen Prozentsatz (17,5 Prozent).

Anfang Juli stellte Natalia Vostokova, die Chefmanagerin von IPharma, das Produkt in der russischen Botschaft in Guatemala vor. Dort hatte man eine Videokonferenz mit über tausend Teilnehmern aus der Medizin, Industrie und Politik Lateinamerikas organisiert.

Russland gab Anfang dieser Woche bekannt, dass es seinen neuen Coronavirus-Impfstoff in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Gamaleya erfolgreich getestet hat (Symbolbild).

Vostokova versicherte, dass bei Versuchen 65 Prozent der Patienten innerhalb von vier Tagen nach Einnahme des Arzneimittels genesen konnten und 85 Prozent am fünften Tag ein negatives Testergebnis aufwiesen. Entscheidend sei allerdings, dass Avifavir in der Anfangsphase und im mittleren Bereich der Krankheitsentwicklung zum Einsatz komme, zwischen dem vierten und zehnten Tag.

Das Medikament bremst die genetische Vermehrung des Virus. Es kann auch gegen andere Infektionen eingesetzt werden", so ihr Kommentar.

Internationale klinische Untersuchungen

Laut der Sprecherin von IPharma seien klinische Versuche in Italien, Nordamerika, England, Indien, Bangladesch und Russland durchgeführt worden.

Nach russischen Medienberichten hat der Arzneistoff in drei unabhängigen klinischen Studien in den bedeutendsten medizinischen Einrichtungen Russlands seine Effizienz bewiesen. Daran nahmen 700 Patienten teil, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Das Medikament unterbricht den Reproduktionszyklus des Virus, mildert die Symptome und halbiert die durchschnittliche Behandlungszeit. Allerdings ist das Mittel für Schwangere und für Personen im Prozess der Familienplanung kategorisch abzulehnen. Die Grundsubstanz Favipiravir wird gegenwärtig in verschiedenen Medikamenten bei mindestens 25 klinischen Tests erprobt.

Ein weiteres russisches Arzneimittel

Am 8. Juli hat das russische Gesundheitsministerium das Medikament Coronavir offiziell zugelassen, das ebenfalls auf der Grundlage von Favipiravir entwickelt wurde. Hersteller ist das Labor R-Pharm.

Coronavir ist eines der ersten Mittel in Russland, das nicht die von COVID-19 hervorgerufenen Symptome behandelt, sondern das Virus selbst direkt attackiert", so der Sprecher von R-Pharm vor der Presse.

Und weiter: "Bei leichten und mittelschweren Infektionsfällen ist es hocheffektiv."

Am fünften Behandlungstag sei das Coronavirus bei 77,5 Prozent der Patienten eliminiert gewesen, am siebten Tag hätten 55 Prozent der Patienten eine deutliche Besserung ihres Zustandes gezeigt.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens nimmt Corona-Testproben bei einem Patienten in Mexiko-Stadt.

Japan

Die Firma Fujifilm Toyama Chemical hatte bereits 2014 Favipiravir als Grippemedikament entwickelt. Es wird in Japan unter der Marke Avigan vermarktet. Japanische Forscher begannen Ende Februar mit der Verabreichung von Favipiravir an COVID-19-Patienten. Fujifilm selbst startete im März in Japan eine klinische Studie der Phase III mit etwa 100 Versuchspersonen. Sie konzentrierte sich auf Patienten mit leichten und mittelschweren Symptomen.

Kana Matsumoto, Sprecherin der japanischen Firma, sagte:

Das Medikament kann möglicherweise eine antivirale Wirkung auf die Viren haben, die dem gleichen Typ (einzelsträngiges RNA-Virus) wie das Influenzavirus zugeordnet sind.

Zudem sind am 26. April nach Angaben des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales im Rahmen klinischer Studien mehr als 2.000 Menschen mit Favipiravir behandelt worden.

In einem Übersichtsartikel, der Anfang dieses Jahres in der Zeitschrift Pharmacology & Therapeutics veröffentlicht wurde, kamen japanische Forscher zu dem Schluss, dass "Favipiravir voraussichtlich ein wichtiges Therapeutikum für schwere Influenza, für den nächsten pandemischen Influenzastamm und andere schwere RNA-Virusinfektionen ist, für die Standardbehandlungen nicht zur Verfügung stehen".

China

China untersucht ebenfalls seit Monaten Favipiravir als Behandlungsmethode gegen die Coronavirus-Infektion.

Dort informierte das China National Center for Biotechnology Development bereits im März über ein überzeugendes Versuchsergebnis. Mit Favipiravir behandelte Patienten wurden nach durchschnittlich vier Tagen negativ auf das Coronavirus getestet, weniger als die Hälfte der elf Tage bei Kranken in der Kontrollgruppe. Man stellte außerdem fest, dass nur 8,2 Prozent der Favipiravir-Patienten Atemhilfe benötigten, verglichen mit 17,1 Prozent in der Kontrollgruppe. Der Direktor des Zentrums, Zhang Xinmin, bezeichnete das Medikament als "sehr sicher und eindeutig wirksam" sowie ohne offensichtliche Nebenwirkungen.

Russisches Verteidigungsministerium: Erster Corona-Impfstoff einsatzbereit

Südafrika

Das südafrikanische Pharmaunternehmen 3Sixty Global Solutions Group Ltd. (3Sixty GSG) erhielt von der russischen Firma Chromis LLC die Vertriebsrechte für das russische Medikament Avifavir.  

Khandani Msibi, Chef von 3Sixty GSG, sagte am 1. August, dass die Behandlungsmöglichkeiten in Südafrika dadurch entscheidend erweitert werden, da das Mittel auch außerhalb der medizinischen Einrichtungen in Tablettenform verabreicht werden kann.

Die begrenzte Krankenhausinfrastruktur in Südafrika braucht unterschiedliche Behandlungsoptionen, die den Bedarf an Klinikaufenthalten für Patienten begrenzen können. Mit Avifavir können Ärzte viele Fälle ambulant behandeln", so Msibi.

Kirill Dmitriev, Geschäftsführer des RDIF, betonte, dass Südafrika als zweiter BRICS-Staat nach Brasilien ein Lieferabkommen für Avifavir mit RDIF und ChemRar abgeschlossen hat.

Dank der Vereinbarung mit 3Sixty Biopharmaceuticals erhalten Ärzte in Südafrika ein wirksames Instrument zur frühzeitigen Behandlung von Patienten, um das Fortschreiten der Krankheit und die Lebensgefahr zu verhindern", sagte Dmitriev.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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