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Syrien: Armee auf dem Vormarsch gegen al-Qaida – Ankara droht nach Tod türkischer Soldaten

Syrien: Armee auf dem Vormarsch gegen al-Qaida – Ankara droht nach Tod türkischer Soldaten
Von der Türkei mit schwerem Kriegsgerät unterstützte Kämpfer in der Ortschaft Sarmin, nahe der jüngst von der syrischen Armee eroberten Stadt Sarakib. (11. Februar 2020)
Die syrische Armee fügt den al-Qaida-Terroristen in der Provinz Idlib schmerzhafte Niederlagen zu – und zieht damit den Zorn der Türkei auf sich, die die Islamisten militärisch unterstützt. Nach dem Tod türkischer Soldaten am Montag droht eine weitere Eskalation.

Am Montag starben nach Angaben Ankaras fünf türkische Soldaten in der nordwestlichen syrischen Provinz Idlib durch den Beschuss der syrischen Armee. In einer Erklärung des türkischen Verteidigungsministeriums heißt es dazu:

Fünf unserer heldenhaften Waffenbrüder sind infolge eines intensiven Artilleriebeschusses vonseiten des (syrischen) Regimes am 10. Februar 2020 zu Märtyrern geworden, fünf unserer Waffenbrüder wurden verletzt.

Jungen in der syrischen Stadt Dana beobachten die Verlegung von türkischem Kriegsgerät in die Provinz Idlib am 2. Februar.

In einer späteren Erklärung des Ministeriums ist die Rede davon, dass mehr als hundert syrische Soldaten in der umkämpften Provinz Idlib "außer Gefecht gesetzt" worden seien. Zudem seien drei Panzer und zwei Geschütze zerstört und ein Hubschrauber getroffen worden, hieß es weiter. Der Kommunikationsdirektor von Präsident Recep Tayyip Erdoğan schrieb dazu in einem Tweet:

Der Angriff wurde mit Gleichem vergolten. Die feindlichen Ziele wurden umgehend vernichtet, dadurch wurde das Blut unserer Märtyrer nicht ungesühnt gelassen.

Überprüfbare Belege für Ankaras Vergeltungsschläge gibt es bislang keine. Bereits vor einer Woche wurden sechs türkische Soldaten in der Provinz Idlib durch Artilleriebeschuss getötet. Erdoğan behauptete daraufhin, über 30 syrische Soldaten seien in Vergeltung "neutralisiert" worden – auch das konnte nicht unabhängig bestätigt werden.

Syrische Armee nimmt wichtige Ortschaften ein und sichert Schnellstraße

Bei ihrer Offensive in der Provinz Idlib, der letzten Hochburg islamistischer Aufständischer in Syrien, konnte die syrische Armee in den vergangenen Tagen große Geländegewinne erzielen und strategisch wichtige Ortschaften einnehmen. Darunter bereits vergangene Woche die Stadt Sarakib, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, durch den die Schnellstraßen M4 und M5 verlaufen. Erstere verbindet die Wirtschaftsmetropole Aleppo mit der Küstenstadt Latakia, letztere die Hauptstadt Damaskus mit Aleppo.

Die Offensive der Armee zielt vor allem auf die Wiederherstellung der Kontrolle über die M5-Schnellstraße ab. Am Wochenende gelang ihr die Einnahme der westlich von Aleppo gelegenen Ortschaft Al-Eis. Die dort befindliche Anhöhe gewährt die Feuerkontrolle über einen größeren Abschnitt der Schnellstraße. Inzwischen soll die Armee die Kontrolle über die M5 vollständig erlangt haben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag berichtete.

Türkische Armee am 1. Februar in der von HTS-Dschihadisten kontrollierten Stadt Saraqib: Mit der Idlib-Offensive versucht die syrische Armee, diese strategisch wichtige Stadt zu befreien.

Die Provinz Idlib und ihre gleichnamige Hauptstadt werden größtenteils vom syrischen al-Qaida-Ableger HTS (Hayat Tahrir al-Scham, ehemals Nusra-Front) kontrolliert, der gemeinsame Sache mit der von Ankara unterstützten "Nationalen Befreiungsfront" (DMG) macht. Die DMG ist ein Bündnis verschiedener islamistischer Gruppen, das unter dem Label der "Freien Syrischen Armee" firmiert. Stärkste Kampfgruppe ist die Ahrar al-Scham, die von Kadern aus dem al-Qaida-Netzwerk aufgebaut wurde.

Im Verbund mit Dschihadisten: Türkisches Militär unterstützt Gegenoffensive

Der türkische Präsident drohte Damaskus, sollte sich die syrische Armee im Laufe des Februars nicht hinter die Linien zurückziehen, an denen sie sich vor Beginn ihrer Offensive befand, werde die Türkei die Sache selbst in die Hand nehmen.

In den vergangenen Tagen verstärkte das türkische Militär seine Präsenz in der Region massiv, transportierte rund eintausend militärische Fahrzeuge – darunter deutsche Leopard-Kampfpanzer – über die Ländergrenze und errichtete mehrere neue Stützpunkte, auch in der Nähe der Stadt Idlib. Gleichzeitig verstärkten auch die syrische und russische Luftwaffe ihre Einsätze gegen Ansammlungen von Terroristen und ihren Waffendepots.

Am Montag konnte die syrische Armee eine Gegenoffensive der Aufständischen westlich von Sarakib zurückschlagen, die mit neuestem türkischen Militärgerät kämpften. Dabei gelang es ihnen offenbar, einen Militärhubschrauber abzuschießen. Der Abschuss erfolgte laut Telegraph "mit Boden-Luft-Raketen, von denen angenommen wird, dass sie in den letzten Tagen von der Türkei geliefert wurden".

Aufnahmen zeigen, wie sich türkische Soldaten und die Islamisten gemeinsam auf die Offensive vorbereiteten. Einer der anwesenden Kämpfer schwor, bis zum letzten Tropfen Blut gegen "russische Besatzer und korrupte Regimeanhänger" zu kämpfen. 

Andere Aufnahmen sollen zeigen, wie das türkische Militär in der Nähe der M5-Schnellstraße Stellungen der syrischen Armee unter Beschuss nimmt. Ein Offizier der syrischen Armee kommentierte gegenüber der Videoagentur Ruptly, damit wolle Erdoğan "die Moral der Terroristen heben".

Ankara beruft sich auf Memorandum mit Russland

Die Türkei sieht in der Offensive der syrischen Armee einen Verstoß gegen das von ihr und Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung im September 2018 in Sotschi unterzeichnete Memorandum – und begründet damit ihre militärischen Maßnahmen.

Darin wurden eine Feuerpause und die Einrichtung einer demilitarisierten Zone beschlossen, aus der alle Panzer, Raketenwerfer und Artillerie abgezogen werden sollten. Das Memorandum sieht koordinierte Patrouillen des türkischen Militärs und der russischen Militärpolizei zur Überwachung der Waffenruhe vor. Die Errichtung beziehungsweise der Ausbau bestehender Beobachtungsposten des türkischen Militärs innerhalb der demilitarisierten Zone ist ein weiterer Punkt der Vereinbarung.

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Diesen Passus macht Ankara für den Ausbau seiner Militärpräsenz in der Region geltend. Ein Dutzend solcher Beobachtungsposten wurde im Rahmen des Memorandums errichtet. Darüber hinaus hat das türkische Militär weitere Stützpunkte errichtet, die laut Moskau nicht unter den Schutz des Memorandums fallen. Für besondere Spannung sorgt die Tatsache, dass drei von der Türkei bei Sarakib errichtete Posten inzwischen vom syrischen Militär umzingelt sind. Das Gleiche gilt für einen Posten bei Al-Eis.

Terroristen weiter aktiv: Türkei treibt Umsetzung des Abkommens nicht voran

Das Memorandum sieht zudem den Abzug "aller radikalen terroristischen Gruppen" aus der demilitarisierten Zone vor. Gemeint ist damit der syrische al-Qaida-Ableger HTS. Der Abzug der Terroristen sowie ihrer schweren Waffen hätte laut Memorandum bereits im Oktober 2018 erfolgen sollen. Doch zwei Jahre lang ist nichts dergleichen geschehen.

Stattdessen führten HTS und Verbündete regelmäßig Terroranschläge auf syrische und russische Militärs sowie Zivilisten durch. Das russische Außenministerium spricht von über 1.400 Attacken, die Terroristen in Idlib im Dezember ausgeführt hätten. Alleine in den letzten beiden Januarwochen habe es weitere 1.000 Attacken gegeben, bei denen hunderte Zivilisten sowie Militärangehörige getötet worden seien.

Russlands Präsident Wladimir Putin währen eines Treffens mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan in Sotschi

Eine Entflechtung der von Ankara mit Waffen und Geldern unterstützten "Rebellen" von den Terroristen fand nicht statt. Sie führen weiterhin gemeinsame Operationen durch, über die DMG gelangen türkische Waffen in die Hände der HTS. Die Türkei hat somit ihren Teil der Vereinbarung aus russischer Sicht nicht erfüllt.

Das Memorandum sieht außerdem die Wiederaufnahme des Verkehrs auf den Schnellstraßen M4 und M5 vor, und zwar "bis Ende 2018". Auch für die Umsetzung dieses Punktes hat Ankara keinerlei Beitrag geleistet. Im Gegenteil will die Türkei die Geländegewinne der syrischen Armee wieder rückgängig machen, durch die die M5 bald wieder befahrbar sein könnte.

Noch hofft die türkische Regierung, dass Moskau die syrische Armee demnächst "zurückpfeifen" wird. Doch bislang gibt es keine entsprechenden Signale der russischen Delegation, die sich am Montag zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage mit türkischen Vertretern in Ankara traf, um die Lage in Idlib zu diskutieren. Moskau betont die Legitimität des Kampfes gegen die HTS-Terroristen und verweist darauf, dass dieser nicht gegen das Memorandum verstoße.

Um der syrischen Armee im Kampf gegen al-Qaida Einhalt zu gebieten, müsste das türkische Militär – wie von Erdoğan angedroht – wohl selbst eine große Offensive starten. Doch ohne die nötige Lufthoheit, die Russland dem NATO-Land wohl kaum gewähren wird, dürfte dies ein äußerst riskantes Manöver sein, auch wenn das türkische Militär dem syrischen grundsätzlich überlegen ist. Doch selbst wenn es dazu nicht kommen sollte, steht bereit jetzt fest: Die Türkei agiert in Idlib de facto als Schutzmacht al-Qaidas und anderer Islamisten.  

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