Jobabbau in Deutschland: Siemens-Chef will Gasturbinen in den USA produzieren

Jobabbau in Deutschland: Siemens-Chef will Gasturbinen in den USA produzieren
Am Rande des Wirtschaftsforums in Davos hatte der US-Präsident Donald Trump europäische Wirtschaftsgrößen, unter anderem den Vorstandsvorsitzenden des Softwareunternehmens SAP, Bill McDermott (l.), und den Siemens-Chef Joe Kaeser (r.), zum Abendessen eingeladen.
Tausende Arbeitsplätze in der Siemens-Kraftwerkssparte sollen abgebaut werden. Allein in Deutschland sollen rund 3.000 Stellen gestrichen werden. Sinkende Nachfrage soll der Grund sein. Zugleich kündigt der Siemens-Chef aber an, Gasturbinen in den USA bauen zu wollen.

Für einen Siemens-Mitarbeiter aus Görlitz oder Berlin, der gerade um seinen Job bangt, muss sich die Bemerkung des Vorstandschefs Joe Kaeser während eines Abendessens mit dem US-Präsidenten Donald Trump wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben: Der Siemens-Boss gratulierte dem US-Präsidenten beim Wirtschaftsforum in Davos für dessen erfolgreiche Steuerreform und sagte: „Weil Sie so erfolgreich mit der Steuerreform waren, haben wir entschieden, die nächste Generation von Gasturbinen in den Vereinigten Staaten zu entwickeln.“

Gerade aber in dieser Sparte - der Kraftwerks- und Antriebstechnik - plant der Konzern, weltweit 6.900 Arbeitsplätze zu streichen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Mehreren Standorten, wie etwa Görlitz (720 Mitarbeiter) und Leipzig (200 Vollzeitstellen), droht sogar Schließung. Laut der Gewerkschaft IG Metall seien zusammen mit Teilzeitbeschäftigten insgesamt 1.200 Beschäftigte an den beiden Standorten betroffen. Begründet wird der Arbeitsplatzabbau mit sinkender Nachfrage und Preisverfall.

Warnstreiks der IG Metall haben begonnen

Die IG Metall reagierte empört. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Klaus Abel, nannte Kaesers Äußerungen mit Blick auf die Sorgen der Menschen um ihre Jobs „unverantwortlich“. Offensichtlich gebe es doch eine Nachfrage für die Gasturbinen, und es gehe dem Unternehmen vor allem darum, eine höhere Marge zu erzielen. Allein in Berlin stünden rund 900 Siemens-Arbeitsplätze auf der Kippe.

Ein Unternehmenssprecher wies die Kritik zurück. Es sei üblich, dass für lokale Märkte bestimmte Gasturbinen auch vor Ort entwickelt, getestet und produziert würden, zumal sie für die unterschiedlich ausgestatteten Stromnetze ausgelegt seien. Die Entwicklung der Turbinen in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina stehe mit den für Deutschland angekündigten Einschnitten in keinerlei Zusammenhang.

Beschäftigte planen Protestaktion bei der Siemens-Hauptversammlung

Beschäftigte des Elektrokonzerns sind empört und wollen zur Hauptversammlung am Mittwoch in München ein Zeichen gegen den drohenden Jobabbau und Werksschließungen setzen. Vor der Olympiahalle, in der sich tausende Aktionäre von Vorstandschef Joe Kaeser über die Geschäftslage und die geplanten Einschnitte informieren lassen wollen, ist eine Protestaktion mit Delegationen mehrerer Siemens-Standorte geplant. Etwa 300 Teilnehmer werden erwartet.

Der US-Präsident hatte am vergangenen Donnerstag europäische Wirtschaftsgrößen, unter anderem den Adidas-Chef Kasper Rorsted, SAP-Boss Bill McDermott oder Bayer-Vorstandschef Werner Baumann, zum Dinner eingeladen. Trump nutzte das Treffen, um für den Wirtschaftsstandort Amerika zu werben. Für den Münchner Technologiekonzern sind die Vereinigten Staaten der größte Einzelmarkt. Siemens setzte im Jahr 2016 knapp 24 Milliarden Dollar (19,6 Milliarden Euro) in den USA um und beschäftigte 50.000 Mitarbeiter. (rt deutsch/dpa)

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