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Corona-Virus infiziert US-Wahlkampf: Trump unter Druck, Sanders im Aufwind

Corona-Virus infiziert US-Wahlkampf: Trump unter Druck, Sanders im Aufwind
Ein womöglich mit dem Corona-Virus infizierter US-Bürger wird zum Life Care Center von Kirkland transportiert, Seattle, Washington, 1. März 2020
Das Corona-Virus hat die USA erreicht und entfaltet dort auch beim Rennen um die US-Präsidentschaft seine Wirkung. In Übersee herrscht Uneinigkeit darüber, wem das Virus ins Amt verhelfen könnte. Einiges spricht für Sanders, anderes auch für Trump.

Längst ist das weltweit grassierende Corona-Virus auch in Übersee angekommen. Nach letzten Informationen vom Montag erhöhte sich die Zahl der Toten in den USA durch #COVID19 auf nun sechs Personen, davon drei im US-Staat Washington. Bis Samstag wurden 69 bestätigte Infektionsfälle gemeldet – der Großteil davon in Kalifornien.

Joe Biden gewinnt erstmals Vorwahl der Demokraten

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch das Rennen um die US-Präsidentschaft betroffen sein würde. Als wohl einer der ersten äußerte CNN-Moderator Michael Smerconish die Meinung, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen geben würde.

"Kann das Corona-Virus oder kann Bernie Sanders gestoppt werden?", hieß es auf einem Bildschirm-Banner. Das Banner wurde später entfernt, bevor Smerconish versuchte zu erklären, worauf er hinauswollte.

Eine ohnehin schon unberechenbare Präsidentschaftskampagne wurde gerade noch unberechenbarer. Die Liste von Unwägbarkeiten, wie etwa Auswirkungen einer Amtsenthebung, ein großes Feld der Demokraten, übervolle Kandidatenlisten und die drohende Aussicht, dass niemand die Mehrheit der Delegierten erringt, die für die Nominierung vor dem Konvent erforderlich ist, umfasst nun auch noch die Ausbreitung eines tödlichen Virus", erklärte Smerconish.

Corona-Virus infiziert US-Wahlkampf: Trump unter Druck, Sanders im Aufwind

Über diese bizarre Fragestellung hinaus deutet sich an, dass das Virus tatsächlich einen Einfluss auf das Rennen um das Weiße Haus entwickeln dürfte – und das auch im wahrsten Sinne des Wortes. So spekulieren US-Medien schon längst über die Frage, ob alle kommenden Wahlkampfauftritte wie geplant stattfinden können oder sollten.

In der öffentlichen Wahrnehmung bestimmt nun das mitunter tödlich wirkende Virus die öffentliche Debatte und nicht mehr die Vorwahlen um das Präsidentenamt. Dabei galoppiert die Angst vor dem Virus naturgemäß schneller als das Virus selbst. Insbesondere die sensiblen Märkte und die Wall Street zeigten sich zuletzt alarmiert. So fielen die Kurse an den US-Aktienmärkten in der vergangenen Woche so tief wie zuletzt im Jahr 2008 während der globalen Finanzkrise. Der Dow-Jones-Börsenindex stürzte um 10 Prozentpunkte ab.

Zwei Arbeiter stehen am 9. Januar 2020 während einer Veranstaltung im Weißen Haus hinter US-Präsident Donald Trump.

Auch das marode, dafür aber extrem teure US-Gesundheitssystem rückt in diesem Zusammenhang immer stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Wem trauen die US-Bürger am ehesten zu, die Corona-Krise zu bewältigen, lautet daher die politische Frage in diesen Stunden.

Nicht von ungefähr legte etwa der Medienmogul und Wahlkämpfer Michael Bloomberg gerade jetzt Pläne zur Verbesserung der Krisenreaktionsfähigkeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit vor. In nationalen Umfragen liegt Bloomberg aktuell mit rund 16 Prozent auf dem dritten Platz hinter Bernie Sanders und Joe Biden. Letzterer betont derweil seine Erfahrungen als Krisenmanager in Zeiten der Obama-Regierung. Ron Klain, der im Jahr 2014 als Obamas "Ebola-Zar" reüssiert hatte, diente als Stabschef des damaligen Vizepräsidenten Biden.

Wer ist am besten gerüstet, um mit einem Pandämonium und den massiven wirtschaftlichen Auswirkungen fertig zu werden? Das wird zu einer zentralen Frage in der Debatte", ist etwa der politische Historiker Matt Dallek von der George-Washington-Universität überzeugt.

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Auch US-Präsident Donald Trump weiß um die wachsende Präsenz des Corona-Virus im Bewusstsein der Bürger und dessen Einfluss auf die Umsätze der US-Wirtschaft. Längst ist ihm klar, dass ihm eine weitere Ausbreitung des Virus in Sachen Wiederwahl gefährlicher werden könnte als die Herausforderer Sanders, Biden oder Bloomberg zusammen.

Zunächst mutmaßte Trump während einer Wahlkampfveranstaltung in North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina, dass die US-Demokraten das Coronavirus "politisieren".

Das ist ihr neuer Hoax [Falschmeldung, Anm. d. Red.]", meinte Trump da noch.

Zudem behauptete Trump zunächst, dass der "Coronavirus so gut wie unter Kontrolle" sei. Anschließend nutzte er die Thematik für sich und erinnerte an seine rigide Einwanderungspolitik.

Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um zu verhindern, dass die Infektion und diejenigen, die die Infektion tragen, ins Land kommen. Wir haben keine Wahl. Ob es nun das Virus ist, über das wir sprechen, oder die vielen anderen Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit. Die demokratische Politik der offenen Grenzen ist eine direkte Bedrohung für die Gesundheit und das Wohlergehen aller Amerikaner.

Zuletzt geriet die US-Administration aufgrund ihres Umgangs mit dem Corona-Virus erheblich in die Kritik, nachdem die Demokraten etwa auf Kürzungen beim Center for Disease Control (CDC) hinwiesen. Vor dem sogenannten "Super Tuesday" bei den US-Vorwahlen am 3. März wittern die US-Demokraten wieder Morgenluft, nachdem sie zuletzt eher planlos und chaotisch wirkten.

Vor allem der aktuell aussichtsreichste Trump-Herausforderer Bernie Sanders könnte nun zusätzlich auch vom "schwarzen Schwan" profitieren. So werden derartige Ereignisse genannt, deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nicht vorhersehbar waren.

Wenn die Corona-Virusepidemie das US-Wirtschaftswachstum wesentlich beeinträchtigt, könnte sie die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs der Demokraten im Jahr 2020 erhöhen", erklärten Analysten von Goldman Sachs.

Vor allem mit seiner Globalisierungskritik und der Forderung nach einer flächendeckenden Krankenversicherung könnte Sanders nämlich nun weiter kräftig punkten. Das aber ausgerechnet der "demokratische Sozialist" Sanders nun auch noch von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Virusausbreitung profitieren könnte, wird in der Wall Street als weiterer Tiefschlag gewertet.

Sanders machte sich lustig über den Umgang des US-Präsidenten mit der Corona-Krise, ebenso über die Ernennung von US-Vizepräsident Mike Pence, der von Trump dazu berufen wurde, die Bemühungen der Regierung im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus anzuführen.

Sanders twitterte: "Trumps Plan für das Corona-Virus bis jetzt", und erstellte dazu folgende Auflistung:

Kürzte die Heizungshilfe für die Armen im Winter. Lässt VP Pence, der die HIV-Epidemie 'wegbeten' wollte, die Gegenwehr beaufsichtigen. Der Ex-Pharma-Lobbyist Alex Azar soll sich weigern, erschwingliche Impfstoffe für alle zu garantieren.

Mit "Ekelhaft" beendete Sanders den Tweet.

Sollte die US-Wirtschaft keinen allzu großen Schaden nehmen, dürfte davon auch Trump profitieren. Zumindest der Dow-Jones-Index erholte sich Anfang der Woche wieder vom Corona-Virus und setzte zu neuen Höhenflügen an - vorerst.

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