icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

US-Extremismus in Charlottesville: Moskau will "Amerikaner gegen Amerikaner ausspielen"

US-Extremismus in Charlottesville: Moskau will "Amerikaner gegen Amerikaner ausspielen"
Sogenannte "Weiße Nationalisten" und Anhänger der Alt-Right-Bewegung während einer Kundgebung für die Redefreiheit am Lincoln Memorial in Washington, USA, 2017.
Ein Jahr nach den tödlichen Protesten in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia kam es am Sonntag in Washington zu neuen Kundgebungen unter dem Motto "Vereint die Rechte 2". Angeblich heizt Russland die Spannungen in der US-Bevölkerung gezielt an.

Aus der Genehmigung der Behörden ging hervor, dass die Veranstalter von "Vereint die Rechte 2" [Unite the Right 2] mit bis zu 400 Teilnehmern rechneten. Am Ende wurden es nach bisherigen Informationen etwa 25.

Der "Massenmobilisierung" gegen die Ultranationalisten folgten weit mehr Menschen. Die Kundgebung der Rechtsausleger setzte sich wie im vergangenen Jahr vor allem aus Sympathisanten der sogenannten White-Supremacy- und White-Power-Bewegung, des Ku-Klux-Klan und der Alt-Right-Bewegung zusammen. Die Kundgebung an diesem Sonntag war in Charlottesville beantragt, aber nicht genehmigt worden. In Washington hingegen wurde sie unter Verweis auf die Versammlungs- und Meinungsfreiheit erlaubt.

Im Vorfeld der erneuten "Unite the Right"-Kundgebung war die Angst vor neuen Zwischenfällen groß, nachdem im vergangenen Jahr ein selbsternannter "Nazi" einen Wagen in die Reihen der Gegendemonstranten steuerte. Die 32-jährige Heather Heyer starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Ein Polizeihubschrauber, der die Demonstranten überwachte, stürzte ab, die beiden Polizeibeamten verloren ihr Leben.

Vor der Demonstration zum Jahrestag verurteilte US-Präsident Donald Trump "alle Formen von Rassismus und Gewalttaten". Auf Twitter schrieb er am Samstag:

Die Ausschreitungen in Charlottesville vor einem Jahr haben zu sinnlosem Tod und Spaltung geführt. Wir müssen als Nation zusammenkommen.

In einem weiteren Tweet fügte er hinzu:

Ich werde nie aufhören, für ALLE Amerikaner zu kämpfen!

Nach den Ausschreitungen und dem Tod der Gegendemonstrantin bei den massiven Ausschreitungen im Jahr 2017 hatte Trump allgemein Hass und Gewalt auf "vielen Seiten" kritisiert. Zudem gebe "sehr anständige Menschen auf beiden Seiten".

Dazu erklärte der investigative Journalist A.C. Johnson, der zu den Vorfällen im vergangenen Jahr recherchierte:

Wissen Sie, für die Mitglieder der White-Power-Bewegung war das eine Art Offenbarung. Sie sagten: 'Hey, der Präsident unterstützt uns im Grunde genommen. Er verurteilt uns nicht völlig. Er sagt, dass einige von uns gute Menschen sind.' Und die Leute, mit denen ich in dieser Bewegung gesprochen habe, haben sich das zu Herzen genommen. Sie fühlten sich inspiriert und freuten sich. Und sie dachten: 'Dieser Typ ist auf unserer Seite.'

Dennoch, die längst überfällige Diskussion über die tiefen, sowohl zwischen Arm und Reich als auch Weiß und Schwarz verlaufenen Gräben in der US-Gesellschaft findet beim Washingtoner Establishment kein Gehör. Wenn der gesellschaftliche Druck hin und wieder aus dem heißen Kessel entweicht, ist es viel einfacher, die Verantwortlichkeit zu delegieren, am besten ganz weit weg, am allerbesten nach Russland. So trat am Samstag der US-Republikaner Tom Garrett, seines Zeichens Mitglied der House Homeland Security und des Komittees für Internationale Beziehungen, vor die Mikrofone, um zu verkünden, was ihm der FBI-Direktor höchst selbst mitgeteilt habe.

Demnach habe ihn dieser wissen lassen, dass russische Einmischung "die Flammen dessen, was in Charlottesville passierte, geschürt habe".

Ich saß vor wahrscheinlich zwei Monaten in einer geschlossenen Sitzung über Charlottesville, unter anderem mit dem Direktor des FBI, und fragte, ob die russische Einmischung mit der Gewalt in Charlottesville zu tun habe. Mir wurde gesagt, dass dem so sei", sagte Garrett CNN.

Der Kongressabgeordnete aus Virginia will sich demnach auch erkundigt haben, ob die entsprechende Information klassifiziert sei - sie sei es nicht gewesen.

Mehr zum Thema - FBI-Bericht: Weiße Rassisten gefährlichste Extremistengruppe in den USA

Nach Ansicht von Garrett sei es das Ansinnen Moskaus, "Amerikaner gegen Amerikaner auszuspielen, um das Vertrauen in westliche Demokratien zu untergraben (...)".

Sie nutzen Ereignisse wie diesen spaltenden Rassenkampf", weiß Garrett zu berichten.

Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen innerhalb der USA scheint dies allerdings gar nicht nötig zu sein. Unter der polierten Oberfläche von "Freiheit" und "Demokratie" lodert das Feuer der wachsenden Ungleichheit und des Rassismus in der US-Gesellschaft auch ohne das Zutun Russlands. Vermeintliche Facebook-Kampagnen, oder welche Mittel auch immer "Putin" sich einfallen ließe, würden angesichts der gewaltigen Herausforderung wohl in der lodernden Glut verdampfen wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Geradezu naiv wird es, wenn Garrett am Aspen Security Forum äußert:

Wir sind eine amerikanische Familie von Brüdern und Schwestern, egal welcher Religion und Rasse, und wir müssen uns darauf fokusieren.

Jegliche Details vermeidend, versuchte der Republikaner dem Publikum weiszumachen, dass "ausländische Einflussnahme eine sehr große Rolle bei den Bemühungen spielt, heimische extremistische Bewegungen zu fördern".

In diesem Zusammenhang mutet es bizarr an, dass Garrett scheinbar ohne jegliche Scheu im März 2017 ausgerechnet Jason Kessler und einige Gesinnungsgenossen in seinem Washingtoner Büro empfing. Kessler ist vor allem als Organisator der "Unite The Right"-Kundgebung in Charlottesville und Vertreter der White Supremacy [Weiße Vorherrschaft] in Erscheinung getreten. 

Vor einigen Tagen gab jener Jason Kessler, der auch Mitorganisator der gefloppten "Unite the Right"-Demonstration in Washington ein Interview und ließ seiner menschenverachtenden Weltanschauung freien Lauf. Während des Interviews wurde Kessler nach den Unterschieden zwischen den vermeintlichen "Rassen" gefragt, die dieser propagiert.

Es gibt Unterschiede im mentalen Leben, genau wie im physischen Leben. Ich meine, es ist lächerlich, zu sagen, dass es keine Größenunterschiede zwischen einem Pygmäen und einem Skandinavier gäbe. Wenn wir also anerkennen, dass es physische Unterschiede gibt, gibt es natürlich Unterschiede im Verhalten, in der Aggressivität, in der Intelligenz, in der Knochendichte, etc.

Seine pseudowissenschaftliche Rassenlehre ausschmückend, ergänzte Kessler:

Es gibt enorme Unterschiede zwischen Individuen, aber IQ-Tests sind da ziemlich eindeutig, und es sieht so aus, als ob Ashkenazi-Juden die höchste Intelligenz hätten, dann kommen Asiaten, dann Weiße, dann Hispanoamerikaner und Schwarze. Und das ist - es gibt enorme Unterschiede.

Halten sich für Vertreter einer Herrenrasse: Mitglieder des Ku-Klux-Klans während einer Kundgebung in Columbia, South Carolina.

Gehörig ins Wanken gerät der sich aus dieser Rassenlehre ableitende Sozialdarwinismus durch die Erkenntnisse der Genetik. Von den 15.000 bis 20.000 Genpaaren, die das menschlische Erbgut aufweist, sind ganze sechs, oder 0,03 Prozent, mit der Hautfarbe verknüpft.

Doch Kessler zeigt sich auch davon überzeugt, dass es sich bei weißen US-Amerikanern um die einzige soziale Gruppe handeln würde, "der es nicht erlaubt ist, sich in politischen Organisation und Lobbys zu organisieren und explizit über ihre Interessen zu sprechen und darüber, was für sie als Menschen wichtig ist". In diesem Zusammenhang beklagt Kessler, dass es weißen US-Amerikanern im Gegensatz zu anderen ethnischen Gruppen nicht gestattet sei, für ihre Bürgerrechte einzustehen - Rechte, die er gefährdet sieht.

Aber es wird total stigmatisiert, wenn Weiße genau das Gleiche tun wollen wie andere Gruppen von Menschen. Es wird 'weiße Überlegenheit' [white supremacy] genannt, aber wenn die andere Gruppe es tut, nennt man es Bürgerrechte", beklagt Kessler.

Womit Kessler offensichtlich die vermeintliche Diskriminierung der weißen US-Bevölkerung mit dem gesellschaftlichen Erbe etwa des schwarzen oder indigenen Teils der US-Gesellschaft vergleicht. Zudem bleibt nebulös, welche Rechte weißer Amerikaner Kessler gefährdet sieht.

Derweil bezeichnete die russische Botschaft in den Vereinigten Staaten die Vorwürfe des US-Republikaners Garrett als "absurd". Derlei Rhetorik, hieß es seitens der russischen Vertretung, diene lediglich dazu, andere für die nicht überwundenen inner-amerikanischen Rassenspannungen verantwortlich zu machen.

Mehr zum Thema - Medien patzen beim Agenda Setting: Für US-Bürger ist Russland gar kein Thema

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen