FBI-Bericht: Weiße Rassisten gefährlichste Extremistengruppe in den USA

FBI-Bericht: Weiße Rassisten gefährlichste Extremistengruppe in den USA
Sowohl das FBI als auch das Department of Homeland Security hatten bereits vor Monaten vor einer wachsenden Gewaltbereitschaft weißer Rassisten gewarnt.
Nach den gewaltsamen Zusammenstößen in der US-Kleinstadt Charlottesville beherrscht das Thema des weißen Extremismus weiter die Schlagzeilen. Eine FBI-Studie warnte bereits vor Monaten vor der wachsenden Gefahr und präsentierte besorgniserregende Zahlen.

Nach dem Tod von drei Menschen und weiteren 35 zum Teil schwer Verletzten am Wochenende in Charlottesville rückt das Thema des radikalen weißen Extremismus wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Das US-Nachrichtenportal Foreign Policy verweist nun auf einen Bericht des FBI und des Departments of Homeland Security (DHS) mit dem Titel "Extremismus weißer Rassisten stellt eine andauernde Bedrohung mit tödlicher Gewalt dar".

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Demnach gingen in den letzten 16 Jahren von radikalen weißen Rassisten mehr Angriffe auf Andersdenkende aus als von jeder anderen einheimischen Extremistengruppe.

Trump kündigt Strafverfolgung aller Beteiligten an Gewaltexzessen an

Dem Bericht vom 10. Mai 2017 zufolge gehen FBI und DHS von folgendem Szenario aus:

Das Mitglieder der Bewegung für eine weiße Überlegenheit werden wahrscheinlich auch im kommenden Jahr eine tödliche Bedrohung darstellen.

Nach den gewaltsamen Vorkommnissen in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia stand auch US-Präsident Donald Trump unter massivem Druck. Die Kritik lautete, dass er es in seinen ersten Stellungnahmen vermied, die Verantwortlichen für Gewalt, für Tote und Verletzte, klar zu benennen. Am Montag erklärte sich Trump zu den Vorwürfen. Die Anhänger des Ku-Klux-Klans und Neonazis seien "Kriminelle" und Rassismus sei "böse", so Trump. Der US-Präsident kündigte ebenso eine strafrechtliche Verfolgung derjenigen an, die sich während der Gewaltexzesse schuldig gemacht hätten.

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Das FBI, welches selbst immer wieder im Verdacht steht, gegenüber Nichtweißen voreingenommen zu agieren, rückte die tatsächlichen Verhältnisse damit wesentlich früher gerade, wie der Bericht zeigt.

KKK ermordete eigenen Anhänger wegen des Verdachts, "jüdischer Spion" zu sein

Nach Angaben der US-Behörde seien weiße Rassisten aus der Nazi-Szene und aus den Reihen des Ku Klux Klan für den "Löwenanteil" politisch motivierter gewaltsamer Angriffe in den USA verantwortlich. Demnach seien weiße Extremisten

in den Jahren 2000 bis 2016 verantwortlich für 49 Morde bei 26 Angriffen, […] mehr als von jeder anderen heimischen Extremistengruppe.

Dabei korrespondieren laut Foreign Policy die von FBI und DHS genannten Zahlen mit jenen anderer Institutionen. So verweist eine vom Investigative Fund zusammengestellte Datenbank darauf, dass

zwischen den Jahren 2008 und 2016 Anschläge der extremen Rechten Anschläge durch Islamisten im Verhältnis von etwa zwei zu eins überstiegen.

In die Erhebung für die Berichte von FBI und DHS fließen unter anderem Fälle wie der eines 18-jährigen chinesischen Studenten aus Nashville im US-Bundesstaat Indiana ein. Dieser war von einem weißen Rassisten mit einem Beil angegriffen worden. Ein anderer Fall, auf den sich die Beamten bei ihrer Analyse stützen, ist der eines ermordeten Afro-Amerikaners in Fort Wayne, ebenfalls in Indiana gelegen. Oder aber auch der Mord an einem Mitglied des Ku Klux Klan aus East Yanceyville in North Carolina. Der Mann wurde von anderen KKK-Mitgliedern aufgrund der Vermutung erstochen, dass er "jüdisch" und ein verdeckter Ermittler sei.

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Nach Angaben eines FBI-Sprecher entspräche es nicht den internen Richtlinien, spezifische Ergebnisse der nachrichtendienstlichen Arbeit nach außen zu tragen.

Dennoch teile man

im Rahmen eines permanenten Dialogs mit den Strafverfolgungsbehörden routinemäßig Informationen über mögliche Bedrohungen, um diesen Behörden die Möglichkeit zu geben, die Gemeinden zu beschützen, denen sie dienen.

Nach Foreign-Policy-Informationen ging auch das DHS nicht näher auf Rückfragen zu dem Bericht und den Vorkommnissen in Charlottesville ein. Stattdessen erklärte ein Sprecher der Einrichtung generell:

DHS-Mitarbeiter waren mit dem Staat Virginia und örtlichen Sicherheitskräften in Kontakt, um jede mögliche Art von Unterstützung zur Verfügung zu stellen, wenn es darum geht, mit den furchtbaren Ereignissen in Charlottesville umzugehen.

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Nach dem vielfach kritisierten Umgang Trumps mit den gewaltsamen Vorfällen in Charlottesville erklärten, wie nun bekannt wurde, auch führende US-Topmanager ihren Rückzug aus dem Industrierat des Präsidenten. So kündigten neben dem Afro-Amerikaner Kenneth Frazier, Chef von Merck & Co, auch die Konzernführer von Intel und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank, an, das Gremium zu verlassen.