Dieselgate: Ex-VW-Chef Winterkorn in den USA angeklagt

Dieselgate: Ex-VW-Chef Winterkorn in den USA angeklagt
Martin Winterkorn, links.
Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn wurde von der US-Staatsanwaltschaft im Abgasskandal vor dem Bundesgericht in Detroit angeklagt. Der Anklageschrift zufolge werden ihm und anderen VW-Führungskräften Irreführung der Aufsichtsbehörden vorgeworfen.

Das US-Justizministerium beschuldigt Volkswagens ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn der Mittäterschaft im Abgasskandal. Das geht aus einer erweiterten Anklageschrift hervor, die am Donnerstag vom zuständigen Gericht in Detroit, Michigan, veröffentlicht wurde.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, dass Winterkorn derzeit nicht inhaftiert sei. Volkswagen wollte sich dazu nicht äußern. Winterkorn wird von den US-Behörden in Deutschland vermutet, von wo ihm zunächst keine Auslieferung drohen dürfte.

Das Volkswagen-Logo vor dem Werk in Wolfsburg

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Im Dezember wurde ein ehemaliger Seniorchef von Volkswagen, Oliver Schmidt, in den USA zu sieben Jahren Haft verurteilt und wegen eines Schuldeingeständnisses im Emissionsbetrugsskandal mit einer Geldstrafe von 400.000 Dollar belegt. Schmidt, der für das Umwelt- und Ingenieurbüro von VW in Michigan verantwortlich war, wurde mit 11 Straftaten angeklagt, welche ihm bis zu 169 Jahre im Gefängnis eingebracht hätten, bekannte sich aber schuldig.

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US-Staatsanwälte haben im Jahr 2015 acht aktuelle und ehemalige VW-Führungskräfte angeklagt, von denen sechs auf freiem Fuß bleiben, nachdem die US-Umweltbehörde (EPA) dem weltweit größten Automobilhersteller vorgeworfen hatte, bei Emissionstests zu betrogen zu haben. Das Unternehmen vereinbarte mit den US-Behörden die Zahlung einer Strafe in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar.

In Berlin: große Worte und Rekordabsätze

Derweil verkündete am Donnerstag in Berlin der neue Konzernchef Herbert Diess auf der Hauptversammlung große Worte zum viel beschworenen Kulturwandel im Hause Volkswagen

Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden."

Der schon von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel für ethisches Verhalten ließ bislang viele Fragen offen. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden.

Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt.

Werteverstöße gebe es in jeder größeren Organisation. Bei Volkswagen allerdings sei dies bis in die jüngere Vergangenheit hinein "eindeutig zu viel" geschehen.

VW setzt im laufenden Jahr auf Dutzende weitere Modelle. 2018 werde der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagte Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch sowie Schadstoff- und CO2-Emissionen (WLTP) könne zu Lieferengpässen führen. (dpa/ rt deutsch)