Washington benennt Straße vor russischer Botschaft nach Kreml-Kritiker um: "Boris Nemtsov Plaza"

Washington benennt Straße vor russischer Botschaft nach Kreml-Kritiker um: "Boris Nemtsov Plaza"
Russische Botschaft in Washington, D.C., USA, 4. April 2017.
Die Stadträte von Washington, D.C. beschlossen einstimmig die Umbenennung jener Straße, in der die russische Botschaft liegt. Nur der US-Kongress könnte ein Veto dagegen einlegen. Einen Termin für die dazugehörige Zeremonie gibt es schon: Der Todestag Nemzows.

Bislang führt die diplomatische Vertretung Russlands in Washington, D.C. die Adresse Wisconsin Avenue und noch ist die Namensänderung einer der Hauptverkehrsstraßen der US-Hauptstadt nicht rechtskräftig. Ein Veto des US-Senats könnte diese noch stoppen. Einer der Befürworter der Umbenennung ist Marco Rubio, Senator für Florida. Er sieht hierin eine Botschaft an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin: 

[Es ist] eine klare Botschaft an Wladimir Putin und seine Freunde, dass das amerikanische Volk aufseiten der Russen steht, die mutig versuchen, eine freie und demokratische Zukunft für ihr Land aufzubauen. 

Nikki Haley, US-Botschafterin der Vereinten Nationen, Genf, Schweiz, 6. Juni 2017.

Unter den Abstimmenden befanden sich elf Demokraten und zwei unabhängige Stadtverordnete. Die Terminwahl für die geplante feierliche Umbenennung ist kein Zufall. Der 27. Februar, an dem diese stattfinden soll, ist auch Nemzows Todestag. Unter Präsident Boris Jelzin war der Politiker von 1997 bis 1998 Vizeministerpräsident der Russischen Föderation.

Tschetschenen ohne Regierungsbezug haben Tat gestanden

Putins Kandidatur hatte Nemzow anfangs unterstützt, wurde später aber zu dessen Kontrahenten. Im Jahr 2008 war er der Begründer von Solidarnost, einer oppositionellen Bewegung. Am 27. Februar 2015 wurde er in Moskau erschossen. Der Mord an seiner Person wurde besonders im Ausland politisch instrumentalisiert und als Beispiel für eine vermeintliche Unterdrückung oppositioneller Stimmen in Russland herangezogen. Die russische Staatsspitze verurteilte die Tat, die Behörden leiteten Ermittlungen ein. Es kam zu mehreren Festnahmen, fünf Tschetschenen legten ein Geständnis ab. Im Dezember reiste Nemzows Tochter Schanna nach Washington, um für die Namensänderung Werbung zu machen. 

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Das Gebäude der russischen Botschaft hatte der bekannte Sowjet-Architekt Michail Posochin entworfen. Dieser ist auch der Schöpfer des Kreml-Palastes und zahlreicher anderer Gebäude Moskaus. In den späten 1980er Jahren baute das FBI einen Tunnel unterhalb der russischen Botschaft für Spionagezwecke. Zum Einsatz kam dieser nicht, denn FBI-Agent Robert Hanssen gab die Informationen zum Tunnel an den damaligen KGB weiter. Die Stadtverwaltung Washingtons wünscht sich nun ein Schild zu Ehren Nemtzows.

Wladimir Schirinowski, Populist, Charismatiker und Gründer der LDPR, denkt schon über einen Nachfolger nach. Bild: Schirinowski auf einer Kundgebung, rechts hinten sein Zögling Michail Degtjarjow. Dieser leitet in der Duma das Komitee für Sport und ist - so Schirinowski - für Propaganda zuständig.

Russische Liberaldemokraten wollen Postadresse russischer US-Botschaft ändern

Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitiert Wladimir Schirinovsky, den Vorsitzenden der nationalistischen Partei LDPR: 

[US-Behörden] wollen speziell vor der Russischen Botschaft schmutzige Tricks anwenden. 

Dmitri Nowikow von der KPRF meint:

Die US-Behörden haben sich schon lange in ihr eigenes Spiel vertieft, sich in interne Angelegenheiten Russlands einzumischen. 

Aus den Reihen der LDPR kam es sogar zum Vorschlag, als Reaktion darauf russischerseits die Postadresse der US-amerikanischen Botschaft umzubenennen. Diese solle künftig "Nordamerikanische Sackgasse 1" heißen. Dem Leiter des Duma-Komitees für Jugend- und Sportangelegenheiten, Michail Degtjarjow, zufolge, der diesen Vorschlag eingebracht hat, soll diese Benennung die "aufdringliche US-amerikanische Außenpolitik" symbolisieren. Auf den Moskauer Karten solle der neue Name aber nicht erscheinen: 

Da Moskau im Unterschied zum noch jugendlichen Washington eine alte historische Stadt ist, werden wir nicht auf Grund schnelllebiger politischer Ambitionen und Streitigkeiten existierende Straßen und Gassen umbenennen. Aber wir können für die US-Botschaft deren Postadresse ändern", sagte er.