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D-Day-Kitsch, Grünen-Hype, SPD-Desaster: Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund

D-Day-Kitsch, Grünen-Hype, SPD-Desaster: Ein Wochenrückblick auf den medialen Abgrund
Andrea Nahles von der SPD, Berlin, Deutschland, 3. Juni 2019.
Die Propaganda zum D-Day, der dubiose Höhenflug der Grünen und der Absturz der SPD: Vor allem diese Themen boten den Mainstreammedien in dieser Woche Anlass für verzerrende Berichterstattung.

von Thomas Schwarz

Erwartungsgemäß – und entsprechend einer lange gewachsenen Tradition – wurde der Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 in dieser Woche exzessiv für Propaganda und Geschichtsklitterung genutzt. Es steht außer Zweifel: Europa wurde durch die Rote Armee des Vielvölkerstaates Sowjetunion vom Faschismus befreit. Doch wie bereits seit Jahrzehnten wurde auch in dieser Woche der westliche Beitrag zum Sieg über Hitlerdeutschland maßlos aufgebauscht, jener der Sowjetunion dagegen heruntergespielt – bis zum völligen Verschweigen. Die westliche Darstellung jener Ereignisse kann man nur noch als völlig unhistorische, damit unwissenschaftliche, aber dennoch leicht durchschaubare Verkehrung der Fakten bezeichnen. Die politische Instrumentalisierung – bereits im Vorfeld vom sogenannten D-Day – wurde von RT in diesem Artikel schon sehr treffend eingeordnet. Ergänzen könnte man da noch den verzerrenden deutschen Presse-Widerhall zum Thema, der in dieser Woche ertönte.

D-Day: US-Mythen wurden mit der Muttermilch verabreicht

Die großen deutschen Medien bewegen sich beim Thema D-Day bekanntermaßen in einer (besonders) kitschigen und gegen Tatsachen abgeschotteten Parallelwelt. In dieser Scheinwelt ist es unumstößlich, dass die Wende im Zweiten Weltkrieg nicht in Schlachten an der Ostfront eingeleitet wurde, sondern erst weniger als ein Jahr vor Kriegsende in Frankreich, mit einem Brückenkopf der West-Alliierten in der Normandie. Wie könnte es auch anders sein? Schließlich haben viele der Redakteure nicht nur die entsprechende US-Medienpropaganda mit der Muttermilch (oder Trockenmilch aus Care-Paketen, gar der Rosinenbomber?) aufgesogen: Auch intensive und jahrzehntelange Kulturpropaganda haben den Mythos vom "Längsten Tag" durch 70 lange Jahre Wiederholungen abgesichert.

Diese Medien- und Kulturpropaganda ist so offensichtlich, dass sie hier nicht im Detail rekapituliert werden muss. Interessant ist, dass sich in dieser Woche aber auch mahnende und korrigierende Stimmen finden ließen – mit der gebotenen Vorsicht sogar in öffentlich-rechtlichen Medien. Und dies sowohl zur vergleichsweise militärischen Bedeutungslosigkeit des D-Days als auch zur erwähnten Kulturpropaganda, die half, das Bild von dem "Hitler niederringenden US-Soldaten" zu installieren.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg bei einem Klima-Protest in Stockholm, Schweden, 24. Mai 2019.

Nicht der "Anfang von Hitlers Ende": Manche Medien tanzen aus der Reihe

So war einmal mehr der dominierende Tenor in den großen deutschen Medien in dieser Woche jener vom D-Day als der "Anfang von Hitlers Ende". Diese Deutung vom D-Day als dem militärischen Wendepunkt wird von der ernsthaften historischen Wissenschaft bestritten. Das ist auch gar nicht neu. Neu ist, dass diese Position der Wissenschaft in manchen großen Medien nun prominent als Gegenpol zum gängigen emotionalen D-Day-Märchen platziert wird. So zitiert diese Woche etwa die Süddeutsche Zeitung den Historiker Peter Lieb:

Heutzutage wissen wir, der Krieg war vorher schon für die Deutschen verloren. Da waren Stalingrad und die hohen Verluste im Osten. Die Deutschen verloren an der Ostfront seit 1941 pro Tag 2.000 Mann – durch Tod, schwere Verwundungen oder Gefangenschaft.

Und auch im Deutschlandfunk erhält die Position von Lieb und viele anderen Forschern zur tatsächlichen Motivation der Landung der Alliierten Raum. Demnach war der Zweck der Operation keine Befreiung Europas und Deutschlands von den Nazis, sondern vielmehr der Versuch der "Rettung" Westeuropas vor dem sicheren Sieg der Roten Armee:

Der Historiker Peter Lieb schreibt der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 weniger eine militärische Bedeutung zu, dafür aber eine politische. Durch diese militärische Operation sei verhindert worden, dass West- und Mitteleuropa in die Hände Stalins gefallen wären.

Wir sind die Guten: Gruppenfoto am Mittwoch in Portsmouth

US-Fake-News als (west-)deutsche Staatsreligion

Angesichts der noch immer vorherrschenden Dominanz der US-Mythen in deutschen Medien erscheinen diese vereinzelten kritischen Randnotizen zur historischen Schieflage westlicher Propaganda als Kleinigkeit – aber das sind sie in Wirklichkeit nicht: Die Dekonstruktion von langfristig aufgebauten Fake-News zur Nachkriegsgeschichte, die in (West-)Deutschland zu einer Art Staatsreligion erhoben worden waren, kann nicht über Nacht geschehen. Langsam aber sicher – hier und da – sickern immer mal wieder historische Fakten und Analysen in einzelne Berichte, etwa auch zum realen Charakter und Beweggründen des generösen "Marshall-Plans" der USA: So wurde das Märchen vom selbstlosen Handeln der USA gegenüber dem Nachkriegs-Europa und insbesondere (West-)Deutschland kürzlich in der ARD zerpflückt – aber folgerichtig zu den dominierenden Erzählungen ist die Dokumentation "Mythos und Masterplan" mittlerweile aus der Mediathek wieder verschwunden, Wissbegierige können sie aber hier doch noch sehen. Und in der Neuen Zürcher Zeitung – und sogar bei der Deutschen Welle – wurde in dieser Woche einmal die Pro-US-Propaganda in Spielfilmen (zumindest teilweise) kritisch analysiert. 

Diese Einzelbeispiele einer historisch (annähernd) korrekten Berichterstattung erfordern Mut – denn es ist leicht, selbst diese Stimmen im "eigenen Chor" zu diffamieren, indem man sie mit der Macht der großen Medienkonzerne niederbrüllt und ihre Wortmeldungen den aufwändig erzeugten und gepflegten Mythen als der "wahren" Wahrhaftigkeit gegenüberstellt. Aus diesen Einzelbeispielen bereits Hoffnung auf objektive Geschichtspflege für die Nachgeborenen und breite Einsicht in großen deutschen Redaktionen zu schöpfen, bleibt wohl ein Trugschluss, wie der folgende Blick in den Mainstream gleich noch zeigt – interessant und erwähnenswert ist das Phänomen wohl dennoch.

"Im Westen nichts Neues" - Die "Leitmedien" und die Weltkriegs-Propaganda

"Im Westen nichts Neues" könnte man dagegen die restliche Berichterstattung der deutschen "Leitmedien" zur D-Day-Farce überschreiben. Durchgängig wird hier der Mythos vom "militärischen Wendepunkt" gepflegt, wie auch hier protokolliert wurde. So erklärte der Spiegel: "Vom 6. Juni 1944 an landeten sie im Rahmen der 'Operation Overlord' an den Stränden der Normandie, (…). Es war der Anfang von Hitlers Ende." Die Süddeutsche Zeitung behauptete: "Der Untergang von Nazi-Deutschland begann am 6. Juni 1944– dem Beginn der alliierten Invasion im besetzten Frankreich". Die Zeit sagte: "Der Tag, der die Wende brachte". Die Tagesschau meinte: "Die größte Landungsoperation der Militärgeschichte hatte entscheidende Bedeutung für den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges." Und Papst Franziskus bezeichnete den D-Day als "entscheidend im Kampf gegen die Barbarei der Nazis". Amen.

Ein wirksames Gegenmittel gegen dieses Gift der Geschichtsklitterung in deutschen Medien hat in dieser Woche der russische Außenminister geliefert - Sergei Lawrows pointierten Aufsatz zum Thema hat RT hier exklusiv und vollständig ins Deutsche übersetzt.

Schön für die Grünen: Alle reden vom Klima

Alle gesellschaftspolitischen Merkmale weisen momentan (eigentlich) auf eine drängende Handlungsaufforderung bei den Themen sozialer Ausgleich, Vermögensverteilung, Steuergerechtigkeit gegenüber Konzernen, Entspannung gegenüber Russland und Kontrolle des Finanzsystems. Gestärkt geht aus dieser doch ziemlich eindeutigen Situation jedoch eine Partei hervor, die all diese Themen in eine unbestimmte Zukunft verschieben will: Die Grünen. Denn die Gegenwart wird durch die Partei und durch eine massive mediale Unterstützung aktuell mit dem "Generationen-Thema" Klima aufgefüllt. Dem Thema Soziales zeigen die Grünen ohnehin weitgehend die kalte Schulter und gegenüber Russland gibt es aktuell kaum eine destruktivere Partei.

Man darf die Themen Soziales und Klima nicht gegeneinander aufrechnen oder gar ausspielen. Die gegenwärtige Dominanz des Klimathemas ist dennoch beunruhigend, wie etwa die NachDenkSeiten beschreiben:

Und so schien der gesellschaftliche Tenor vor der EU-Wahl folgendermaßen: Ja, es gebe krasse Ungerechtigkeiten und schlimme soziale Ungleichheiten in der EU, von der Kinder- bis zur Altersarmut – aber angesichts der drohenden Klima-Apokalypse können die EU-Bürger diese sozialen "Petitessen" vorerst ruhen lassen. Gegen den Klimawandel könne man schließlich auch "aufstehen”, wenn die Miete seit Monaten nicht bezahlt ist. Was ist schon ein Mindestlohn, eine ordentliche Rente oder eine Bankenregulierung gegen den Weltuntergang?

Schlechte Nachrichten für Annegret Kramp-Karrenbauer und die CDU: Gäbe es jetzt Neuwahlen, wäre die CDU nicht unbedingt ein Wunschkandidat in der Regierung.

Der Höhenflug der Grünen: Ein fataler Irrtum

Wie gesagt: Klima-Engagement soll hier nicht diffamiert werden. Fatal ist aber, dass die Dominanz des Themas (erwartungsgemäß) die Grünen stärkt. Deren ungebremster Höhenflug erscheint aber selbst angesichts der massiven Meinungsmache für die Partei in den großen Medien noch rätselhaft. Dieser Erfolg ist nur durch krasses Unwissen auf Wählerseite zu erklären. Den realen, aber scheinbar weitgehend unbekannten Charakter der problematischen grünen Partei hat darum gerade Oskar Lafontaine auf den Punkt gebracht:

Erstaunlich ist das starke Abschneiden der Partei 'Die Grünen', da sie in den vergangenen Jahren für Waffenexporte in Spannungsgebiete, eine Beteiligung der Bundeswehr an den Rohstoff-Kriegen und eine Verstärkung der Konfrontation gegenüber Russland ebenso Verantwortung trug wie die Parteien der 'Großen Koalition'. Und beim Sozialabbau waren sie eifrig dabei. Darüber hinaus sind die Grünen dort, wo sie regiert haben oder regieren, mitverantwortlich für unter Umweltgesichtspunkten zweifelhafte Vorhaben wie das Großprojekt Stuttgart 21, den Ausbau des Frankfurter Flughafens, die Abholzung des Hambacher Forstes, oder die Elbvertiefung. Sie profitieren darüber hinaus als Befürworter der bestehenden Wirtschaftsordnung und damit der geltenden Besitz- und Herrschaftsstrukturen ebenso wie die übrigen Regierungsparteien von Spenden der Banken und Konzerne.

SPD-Absturz: Gerechte Strafe für neoliberalen Umbau?

Nun zu einer anderen problematischen Partei: Wer an einer fortschrittlichen Politik in Deutschland interessiert ist, der war in dieser Woche regelrechten Wechselbädern ausgesetzt: Zum einen können sich jene Menschen durch den Absturz der SPD bestätigt fühlen – die traurige Entwicklung der Partei ist eben die gerechte Strafe dafür, dass sich "Sozialdemokraten" etwa durch Hartz-IV einem neoliberalen Umbau der Gesellschaft angedient haben.

Zum anderen ist ein drohendes Verschwinden der SPD aber auch sehr beunruhigend. Vor allem dann, wenn die Ex-SPD-Wähler nicht die logische Konsequenz wählen – nämlich die Linkspartei –, sondern sich wahlweise von der AfD oder den Grünen anlocken lassen. Doch wie hätten die Bürger denn auch diese Linkspartei in ihrer aktuellen Verfassung wählen können? Hier muss ganz klar die Führung der LINKEN in die Pflicht genommen werden: Katja Kipping, Bernd Riexinger und ihr Gefolge haben nicht nur mit Sahra Wagenknecht die begabteste Politikerin der Partei demontiert – sie haben zudem die potenziell eigentlich massenhaften Wähler mit pseudolinker und weltfremder Rhetorik von den "Open Borders" und einer Identitäts-Politik geradewegs den Rechten in die Arme getrieben.

Lippenbekenntnisse von einer "Re-Sozialdemokratisierung"

Doch zurück zur SPD. Der dramatische "Schuss vor den Bug" dieser Partei bei der EU-Wahl mag – wie gesagt – als gerecht empfunden werden, ein Verschwinden der Partei ist dennoch nicht wünschenswert. Vorausgesetzt, man glaubt der Partei nun die Lippenbekenntnisse zu einer "Erneuerung" und einer "Re-Sozialdemokratisierung": Wie kann sich die SPD retten? Und kann das innerhalb der Großen Koalition gelingen? Das waren die Fragen der Medien.

Die Frankfurter Rundschau sieht keine Zukunft in der GroKo: "Die gesamte SPD-Führung redete sich und der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr ein, die programmatische Neuerfindung der Sozialdemokratie im postindustriellen Zeitalter ließe sich bei gleichzeitiger Regierungsbeteiligung in einer großen Koalition bewerkstelligen." Dem schließt sich die Süddeutsche Zeitung an: "Die große Koalition torkelt noch einen Sommer; dann ist Schluss. Vermutlich im kommenden Winter werden Neuwahlen stattfinden."

SPD langfristig in der zweiten Liga

Dass das noch hilft, daran glaubt die FAZ nicht:  "Eine ganze Partei hat im Grunde ihren Rücktritt erklärt. (…) Die SPD (ist) aus dem Tritt geraten, gestrauchelt und schließlich abgestiegen ist in die zweite Liga der deutschen Parteien. Dort wird sie vorläufig bleiben." So sieht das auch der General-Anzeiger: "Die SPD sucht jemanden, der sie aus der GroKo führt, ihr programmatische Perspektiven bietet, die Flügel und Gruppen eint und dazu noch Wahlen gewinnt. Selbst in den guten Zeiten gab es in der SPD nur selten Politiker, die dieses Profil erfüllten. (…) Die Perspektiven für die Partei bleiben daher kurz- und mittelfristig düster."

Die Pforzheimer Zeitung verkündet dagegen, welche (nicht sozialdemokratischen) Themen sie aktuell wichtig findet und welche sie bei der SPD einfordert: "Klimapolitik, Digitalisierung, Infrastruktur, Bildung" – also nicht: Mindestlohn, Bankenkontrolle, gerechte Steuern und gerechte Vermögensverteilung. Diese Themen-Betonung und Ablenkung von der sozialen Frage führt die Kolumne zurück zum oben thematisierten Klima-Zeitgeist und zum beunruhigenden Grünen-Hype.

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