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Videoschnipsel und "Geheimdienstquellen": Wie baut man Propagandaerzählung gegen Iran und Russland?

Videoschnipsel und "Geheimdienstquellen": Wie baut man Propagandaerzählung gegen Iran und Russland?
Mitarbeiter des Roten Halbmonds kontrollieren Plastiktüten an der Stelle, an der das Flugzeug der Ukraine International Airlines nach dem Start vom iranischen Flughafen Teheran-Imam Chomeini am Stadtrand aus bisher unbekannter Ursache abgestürzt war, 8. Januar 2020
Was immer den Flug PS752 kurz nach dem Start zum Absturz brachte, die 176 Todesopfer wurden sofort in einer Propagandaschlacht instrumentalisiert. Kein westliches Medium wollte die Chance missen, "Iran", "tote Kinder" und "Russenrakete" in einer Headline bringen zu können.

von Florian Warweg

Die Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines (UIA) startete am Mittwochmorgen vom Internationalen Flughafen Teheran-Imam Chomeini. Sie war auf dem Weg nach Kiew, inmitten wachsender Spannungen im Zuge der Ermordung des iranischen Generalmajors Qassem Soleimani durch US-Drohnen in Bagdad und der darauf folgenden iranischen Vergeltungsschläge auf US-Militärbasen im Irak. Alle bekannten Flugdaten zeigen, dass das Flugzeug ohne besondere Auffälligkeiten auf eine Höhe von 2.400 Meter gestiegen war, als die Kommunikation plötzlich abbrach und das Flugzeug im weiteren Verlauf brennend im Sinkflug niederging. Alle Insassen, also die drei Piloten und sechs Flugbegleiter sowie die 167 Passagiere an Bord, darunter 15 Kinder, kamen bei dem Absturz zu Tode.

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Erste Berichte sprachen von "technischen Problemen" als Ursache. Noch am Donnerstagmorgen verkündete die renommierte westliche Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf "Sicherheitsquellen", dass laut "Einschätzung westlicher Geheimdienste", technische Probleme den Absturz verursachten und nicht ein Raketenbeschuss:

Doch innerhalb von nur wenigen Stunden wurde die Darstellung plötzlich drastisch verschoben. Es begann mit einer "Eilmeldung" des US-Fernsehsenders CBS:

#Breaking @CBSNews hat erfahren, dass US-Beamte zuversichtlich sind, dass der Iran in den Stunden nach dem iranischen Raketenangriff auf US-Ziele ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen hat. 

Im aktuellen medialen Geschehen lassen sich schon beinahe Reflexmuster und Traditionslinien erkennen: Mit Verweis auf die legendären "anonymen Quellen" berichtet eines der größten US-Fernsehnetzwerke zunächst, "US-Beamte sind zuversichtlich", dass der Iran die ukrainische Boeing abgeschossen habe.

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Darauf folgt die US-amerikanische Nachrichtenagentur AP und bezeichnete die Spekulation als "sehr wahrscheinlich" ("highly likely"), ein Ausdruck, der spätestens durch die umstrittene offizielle britische Darstellung der Vorgänge in Salisbury im Jahr 2018 um die angeblichen "Nowitschok"-Vergiftungen" Signalwirkung hat, in welche Richtung die mediale Reise des Mainstreams gehen wird oder gehen soll. 

Bei "highly likely" wurde umgehend auch das in Deutschland für seine seriöse und investigative Arbeit bekannte Medienformat BILD angetriggert und titelte in bekannter Fake News-Manier: "Pentagon bestätigt BILD - Flugzeug über Iran wurde abgeschossen!"

Doch weder am 9. Januar (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung) noch am 10. Januar hatte das US-Verteidigungsministerium – entgegen der Darstellung von BILD – eine offizielle Stellungnahme zu dem Absturz von Flug PS752 veröffentlicht, die in irgendeiner Form die Version des Boulevardblattes "bestätigen" würde. Es gab zu dem Zeitpunkt lediglich eine anonyme Quelle "aus dem Umfeld des Pentagon", die sich gegenüber dem US-amerikanischen TV-Sender CBS entsprechend geäußert hatte. 

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Doch zurück jenseits des Atlantiks. Schrieb AP noch von "highly likely", so kam kurz danach die New York Times mit einem "Exklusiv-Video" (welches de facto aus einem Twitter-Account gezogen wurde – so "exklusiv" für die NYT war es) und titelte ohne jegliche Einschränkung oder Relativierung: 

Exklusiv: Von New York Times verifiziertes Video zeigt, wie ein ukrainisches Flugzeug am Mittwoch über Teheran getroffen wird. 

Beim Stichwort "Verifizieren" im Sinne von Ausschmückung für mediale Mainstream-Narrative dürfen natürlich die von der NATO hofierten Hobby-Forensiker bei Bellingcat nicht fehlen, so kam es auch in diesem Fall. Umgehend assistierten sie der New York Times

Dieser attraktiven Mischung aus "highly likely", anonymen Geheimdienstquellen und einem von der New York Times aus Twitter gefischten Videoschnipsel konnte in der Folgezeit kein einziges deutsches Mainstream-Medium widerstehen.

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Auch das einstige "Sturmgeschütz der Demokratie" bezeichnet in diesem Zusammenhang völlig anonyme und nicht verifizierbare Quellen als "Informationen aus dem Pentagon":

Selbst die zumindest in solchen Fällen meist vorsichtiger agierende taz attestiert im weiteren Verlauf dieser obskuren Informationslage Glaubwürdigkeit und nennt das einen "sich zunehmend erhärtenden Verdacht".

Es blieb diesmal ausgerechnet dem ukrainischen Präsidenten vorbehalten, die Medien aufzufordern, von Spekulationen über die Ursache des Absturzes Abstand zu nehmen:

Das ist kein gutes Thema für Hypes in den Sozialen Medien, Schlagzeilen und Verschwörungstheorien. Wir werden Geduld, Selbstbeherrschung und Weisheit brauchen.

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