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"Das Volk konstant belogen": US-Regierung fälscht seit Jahren Statistiken über Afghanistan-Krieg

"Das Volk konstant belogen": US-Regierung fälscht seit Jahren Statistiken über Afghanistan-Krieg
Über eine Dreiviertelmillion US-Soldaten wurden seit 2001 nach Afghanistan verlegt (Bild vom 6. Juni).
Der Afghanistan-Krieg befindet sich bereits in seinem 19. Jahr, ohne dass die ursprünglichen Ziele erreicht wurden. Von den daran teilnehmenden Ländern hört man immer wieder, wie wichtig der Einsatz sei und welche Erfolge man vorzuweisen hätte – eine glatte Lüge.

Drei Wochen nachdem die Zwillingstürme in New York am 11. September 2001 von saudischen Terroristen mit Flugzeugen getroffen wurden, begann der US-Feldzug gegen die Taliban in Afghanistan. Das massive Bombardement der US Air Force sorgte für Panik bei den Partnern von gestern, die zuvor von der Regierung von Bill Clinton noch hofiert wurden. Doch der Einsatz von US- und NATO-Bodentruppen sorgte dafür, dass sich die während der sowjetischen Besatzungszeit als "Freiheitskämpfer" gefeierten Mudschaheddin neu formierten und gemeinsam gegen die neuen Besatzer kämpften. 

US-Soldaten fahren an einem Friedhof in Syrien vorbei (Bild vom 31. Oktober). Durch die US-geführten Kriege seit 2001 sind laut einer neuen Studie über 800.000 Menschen durch direkte Kampfhandlungen ums Leben gekommen.

Seitdem hört man aus Washington, Brüssel, London oder Berlin immer wieder, was für Fortschritte man in Afghanistan erzielt hat. Die Realität ist aber eine andere. Allein in diesem zentralasiatischen Land, starben seit dem Jahr 2001 mehr als 2.300 US-Soldaten und weitere 20.000 wurden verletzt. Die Zahl von getöteten Afghanen ist fünfzig Mal höher, aber das kümmert im Westen nur Wenige.

Immer wieder gab es Stimmen von aktiven US-Soldaten, Veteranen und Experten, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist. Doch statt der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, präsentierten ranghohe Militärs und Regierungsmitglieder Zahlen, die das Gegenteil beweisen sollten. So rechtfertigen sie die Ausgaben, die im Laufe der Jahre auf nahezu eine Billion US-Dollar anschwollen. Doch diese Statistiken wurden gefälscht, wie die Washington Post nach einer über dreijähriger Recherchearbeit belegt.

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Die einflussreiche Zeitung gelangte in den Besitz von Dokumenten, die das Büro des Sonderbeauftragten für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR) im Rahmen des Projekts "Lessons Learned" zusammengetragen hatte. Dafür wurden Interviews mit über 400 Regierungsmitarbeiten und Militärs geführt, die eine schreckliche Wahrheit ans Tageslicht brachten: Man weiß seit Jahren, dass der Krieg in Afghanistan verloren ist. 

Wieso die Regierung es vorzog, jahrelang eine Lügenfassade aufrecht zu erhalten, lässt sich aus der Aussage von Douglas Lute erkennen. Er war von 2007 bis 2010 stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Obama und zuständig für Afghanistan:

Uns fehlte es an grundsätzlichem Verständnis für Afghanistan, wir wussten nicht, was wir (dort) taten. 

Was versuchen wir hier zu tun? Wir hatten nicht die geringste Ahnung, was wir vorhatten. 

Wenn das amerikanische Volk das Ausmaß dieser Ahnungslosigkeit wüsste... 2.400 gefallene Soldaten. Wer will da sagen: Es war umsonst?

Zu den gefälschten Statistiken sagte Bob Crowley, ein US-Offizier, der als ranghoher Berater für Aufstandsbekämpfung den US-Kommandeuren von 2013 bis 2014 diente:

Jeder Datenpunkt wurde geändert, um das bestmögliche Bild zu zeichnen.

Umfragen waren zum Beispiel völlig unzuverlässig, aber sie verstärkten (das Bild), dass alles, was wir taten, richtig war und wir zu einer sich selbstleckenden Eistüte [d.h. ein sich selbst erhaltendes System] wurden.  

John Sopko, Leiter von SIGAR, bestätigte nach Auswertung der Interviews und tausenden Dokumenten, dass "das amerikanische Volk konstant belogen wurde". Das gilt natürlich nicht nur für die US-Amerikaner, sondern auch für alle anderen Bevölkerungen, deren Regierungen sich an dem Krieg in Afghanistan beteiligen.

Den Grund für diese militärische Niederlage sehen die interviewten Personen in der unklaren Definition von Strategie und Zielen. Selbst der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld beklagte sich in einem Memo vom 8. September 2003, dass er keine Ahnung hat, "wer die bösen Jungs sind". Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die USA aber bereits seit fast zwei Jahren im Krieg gegen einen Gegner, den sie nicht einmal kannten. 

Afghanische Streitkräfte mit Humvee-Fahrzeugen des US-Militärs bereiten sich auf einen Einsatz in der Provinz Nangarhar vor (28. November 2017).

Man beschäftigte sich mit Fragen wie "war Al-Qaida der Feind oder die Taliban? War Pakistan ein Freund oder ein Gegner? Was ist mit dem Islamischen Staat und die verwirrende Vielzahl an ausländischen Dschihadisten, ganz zu schweigen von den Warlords auf der Lohnliste der CIA?" Diese Fragen wurden nie vollständig beantwortet, was oft für Frust bei den Spezialeinheiten sorgte, die im engen Kontakt mit verschiedenen Gruppierungen in Afghanistan standen.

Ein weiterer Aspekt des verloren gegangenen Krieges, ist die massive Korruption innerhalb der afghanischen Regierung, die nur durch westliche Hilfe am Leben gehalten werden kann. Ryan Crocker, US-Botschafter in Kabul im Jahr 2002 und erneut von 2011 bis 2012, meinte dazu:

Unser größtes Einzelprojekt, so traurig und unabsichtlich es natürlich ist, könnte die Entwicklung von Massenkorruption gewesen sein. Wenn es erst auf dem Niveau ist, das ich sah, als ich dort draußen war, dann ist es irgendwo zwischen unglaublich hart und geradezu unmöglich, um es zu beheben. 

Allein die USA haben seit 2001 mehr als 133 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau des zerstörten Landes ausgegeben, was inflationsbereinigt sogar mehr als der Marshall-Plan ist, mit dem ganz Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde. Solche immensen Summen, zumal in einem Land ohne starke Regierungsinstitutionen, fördern die Korruption im großen Stil, wie Crocker es zugegeben hat. 

Während US-Präsident Barack Obama mit seinem Vorhaben gescheitert ist, bemüht sich die Regierung von Donald Trump weiterhin, einen modus vivendi mit den Taliban zu finden. Ein Abkommen mit ihnen könnte nach fast zwei Jahrzehnten des Krieges den Weg für eine politische Lösung in Afghanistan ebnen.  

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