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Orwell und die Welternährung – Palantir als neuer UN-Partner gegen den Hunger

Orwell und die Welternährung – Palantir als neuer UN-Partner gegen den Hunger
Wird hier die internationale Nahrungsmittelhilfe missbraucht? Künftig hilft Palantir, Missbrauch zu melden. Bild: Kinder im Jemen, wo auch aufgrund der Luftangriffe von US-Partnern zwei Drittel der Bevölkerung Hunger leiden.
Neben US-Geheimdiensten, Pharma- und Finanzbranche soll künftig auch das Welternährungsprogramm der UNO zu den Kunden des Big-Data-Unternehmens Palantir zählen. Die Ankündigung der neuen Partnerschaft im Wert von 45 Millionen Dollar zog heftige Kritik nach sich.

Wie das Welternährungsprogramm (WFP) und der umstrittene Big-Data-Riese Palantir in dieser Woche ankündigten, soll eine neue Zusammenarbeit zwischen der UNO-Organisation und dem Softwareunternehmen im Wert von 45 Millionen Dollar zur Linderung des Hungers in der Welt beitragen.

Dem Technologie-Riesen zufolge geht es bei der neuen Zusammenarbeit um ehrenwerte Ziele, wie die verbesserte Effizienz humanitärer Lieferketten und die Bekämpfung des Hungers. Enrica Porcari, Chief Information Officer des WFP, verkündete, die Partnerschaft trage dazu bei, auf den Nahrungsmittel- und Ernährungsbedarf der hungrigsten Menschen der Welt effektiver und effizienter zu reagieren.

Ein großes Geschäft: Wie steht es um die Freiheit wenn künstliche Intelligenz die Aktivitäteten einfacher Bürger und potenzieller Verbrecher vorhersagen soll? (Symbolbild)

In bürokratischen Vernebelungsphrasen wird eine gigantische und humanitär bedeutende Zusammenarbeit angekündigt. Bei der Versorgung von 90 Millionen Menschen generiere das WFP riesige Datenmengen, die für die Logistik und Versorgungsketten für 15 Milliarden Rationen weltweit in mehr als 80 Ländern benötigt werden. 

Ein Pilotprojekt habe gezeigt, dass Palantir es ermögliche, mehr als 30 Millionen US-Dollar einzusparen, welche dann wiederum weiteren hungrigen Menschen zugute kommen könnten. Was Palantir für diese Dienstleistung berechnet, wurde an dieser Stelle nicht erwähnt.

Auch "Anomalien" würden aufgezeigt werden, um Missbrauch – eine zunächst scheinbar nicht weiter definierte Kategorie – vorzubeugen. Die Datensätze blieben dabei anonymisiert, versicherte Porcari.

Dazu heißt es auf der Seite des WFP:

Empfängerinformationen und Datengeheimnis bleiben nicht verhandelbare Eckpfeiler unserer Arbeit. Die Empfängerdaten des WFP werden in einem sicheren System gespeichert, das in den Räumlichkeiten der Vereinten Nationen gehostet wird und regelmäßigen, unabhängigen Stresstests und Verifizierungen unterzogen wird. Dieses System wird kontinuierlich überprüft und verstärkt, um mit den besten Praktiken der Branche Schritt zu halten.

Philantropische Mission in schwierigem Umfeld

Der Vize-Präsident von Palantir, Josh Harris, betonte, dass die 92 Millionen "Kunden" des WFP mit den mehr als 30 unterschiedlichen Datensystemen und dem "schwierigen Betriebsumfeld" eine "komplexe Datenlandschaft" darstellten – eine Herausforderung, welcher das Unternehmen laut Harris gewachsen ist, sei die Software von Palantir doch dazu entwickelt worden.

Er freue sich über diese "Traumkombination", welche zu den philanthropischen Zielen des "missionsgeleiteten" ("mission-driven") Unternehmens passe. Doch welche Mission verfolgt Palantir, wenn es offiziell hilft, 821 Millionen hungernde Menschen auf der Welt effizienter zu versorgen?

Big Data ist die Ware der Stunde und Palantir einer der vorrangigen Analyse-Anbieter. Zu den Kunden des Unternehmens gehören Pharma- und Finanzbranchen – denen vorgeworfen wird, einerseits Nahrung auf Kosten der Gesundheit und ökologischen Nachhaltigkeit zu manipulieren und andererseits damit zu spekulieren.

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Doch vor allem die Verbindungen zwischen Palantir und Behörden der US-Nachrichtendienste sowie dem US-Verteidigungsministerium führen Kritiker an. Palantir wurde mit Startkapital von einer mit der CIA verbundenen Investmentgesellschaft gegründet, für die CIA eine "strategische Investition". Die CIA ist berüchtigt, nicht nur die Opposition im eigenen Land zu unterdrücken, sondern gleichzeitig mithilfe von Oppositionellen Umstürze missliebiger Regierungen weltweit voranzutreiben – alles im Namen der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten.

Von Alexander Karps hippem Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen: Wie kaum eine andere Person ist er mutmaßlich an der Perfektion des Überwachungssystems beteiligt.

Im Dezember wurde bekannt, dass Menschen im Gaza-Streifen vorerst keine Hilfe mehr vom Welternährungsprogramm zu erwarten haben, sie wurde für rund 190.000 arme Palästinenser im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland aufgrund von Geldmangel gestrichen. Ob die Einsparungen, welche das Welternährungsprogramm dank der Zusammenarbeit mit Palantir ankündigte, diesen Menschen zugute kommen werden, ist aus verschiedenen Gründen zweifelhaft. 

Alexander Karp ist nicht nur Leiter von Palantir ,"eine der wertvollsten privat geführten Technologie-Firmen des Silicon Valley", sondern sitzt außerdem im Aufsichtsrat des Economist sowie der Axel Springer SE, ferner im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Konferenz.

Bereits seit Jahren versucht Palantir, den Fuß in die Tür des humanitären Sektors zu bekommen und seine Dienste bei Katastrophen wie dem Taifun in Hawaii anzubieten, jedoch entschieden sich zahlreiche Organisationen gegen eine Kooperation. Sie fürchteten um die Qualität ihrer Arbeit sowie um ihre Glaubwürdigkeit.

Anlässlich der Ankündigung der neuen Partnerschaft zwischen dem Technologieriesen und dem Welternährungsprogramm in dieser Woche äußerten sich viele Stimmen, nicht nur aus dem humanitären Sektor, entsprechend kritisch.

Naomi Klein twitterte nur, "Neeein...".

Zara Rahman, Direktorin bei "The Engine Room", einer gemeinnützigen Organisation zur Unterstützung der Zivilgesellschaft bei effektiver Nutzung und verantwortungsvollem Umgang mit Daten, kommentierte:

Schrecklich verantwortungslos und potenziell unglaublich schädlich, neue Vereinbarung zwischen dem WFP und dem von der CIA finanzierten Unternehmen Palantir. 'Kosteneffizienz finden' ist keine Entschuldigung dafür, dass Beihilfeempfänger gefährdet werden.

Der Sprecher von Privacy International, einer Organisation zum Schutz vor Datenmissbrauch, gegenüber der Nachrichtenagentur IRIN:

Die Empfänger von WFP-Hilfe befinden sich bereits in einer äußerst prekären Situation. Sie sollten nicht zusätzlich einem Risiko von Schaden oder Ausbeutung ausgesetzt werden. Diese Daten sind sehr sensibel, und es ist wichtig, dass angemessene Schutzvorkehrungen getroffen werden, um die gesammelten, übertragenen und verarbeiteten Daten zu begrenzen.

Doch klare Schutzvorkehrungen scheint es nicht zu geben:

Das WFP springt kopfüber in etwas, das es nicht versteht, ohne die Konsequenzen zu überdenken, und die UNO hat keine Rahmenbedingungen geschaffen, um es zu regulieren," so ein Analyst für humanitäre Daten.

Darüber hinaus ist Palantir bisher für seine nicht eben humanitären Einsätze bekannt:

Es ist der Höhepunkt der Ironie, dass genau das Unternehmen, das in seiner Rolle als Vermittler bei Menschenrechtsverletzungen der US-Einwanderungsbehörden direkt kritisiert wurde, sich nun als vertrauenswürdig für die Arbeit in der humanitären Hilfe profiliert", so der Sprecher von Privacy International.

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