"Counter Extremism Project": IS-Anhänger aus 96 Staaten der Welt über Facebook vernetzt

"Counter Extremism Project": IS-Anhänger aus 96 Staaten der Welt über Facebook vernetzt
Das US-amerikanische "Counter Extremism Project" (CEP) hat vor einer nach wie vor wachsenden Gemeinschaft von IS-Unterstützern gewarnt, die trotz aller Bemühungen in sozialen Medien vernetzt blieben. Die USA und Lateinamerika seien weiterhin IS-Zielgebiete.

Vor einigen Wochen zeigte sich Social-Media-Konzern Facebook durchaus zufrieden mit seinen Erfolgen im Kampf gegen extremistische und terroristische Inhalte. Nicht weniger als 99 Prozent aller Nachrichten, die einen Bezug zu Terrorismus hätten, habe demnach der Algorithmus bereits entfernt, ehe sie überhaupt gemeldet worden seien.

Zu einer deutlich anderen Einschätzung der Lage kommt hingegen die US-amerikanische NGO "Counter Extremism Project" (CEP), die sich schwerpunktmäßig mit terroristischen Bestrebungen im Internet beschäftigt und etwa zeitgleich mit der Facebook-Mitteilung über die Erfolge des Antiterror-Algorithmus ihre Analyse über die globale Online-Vernetzung der terroristischen Organisation "Islamischer Staat" (IS) präsentierte. Diese trägt den Titel "Spiders of the Caliphate: Mapping the Islamic State’s Global Support Network on Facebook".

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Das CEP, das von ranghohen früheren Verantwortungsträgern in Heimatschutz und Politik geleitet wird, vermag sich aufgrund der Ergebnisse seiner umfangreichen Erhebungen der Zuversicht Mark Zuckerbergs und seiner Datenanalysten nicht anzuschließen. Entgegen allen vordergründigen Erfolgsmeldungen habe es der IS geschafft, via Facebook auch auf dem amerikanischen Kontinent eine virtuelle Präsenz zu schaffen. Diese erlaube es ihm, Anhänger zu rekrutieren, zu radikalisieren, zu unterstützen und deren Potenzial zu stärken, terroristische Aktivitäten zu planen und auszuführen.

Enge Vernetzung mit Schlüsselfiguren des IS

Sowohl global als auch national und regional seien die IS-Netzwerke weiterhin im Wachsen begriffen, auch wenn das territorial vorhandene "Kalifat" im Irak und Syrien seinem Ende entgegengehe. Die doktrinäre Vorgabe des IS an seine westlichen Anhänger, zu Hause Anschläge zu verüben, statt in den Irak oder nach Syrien zum Dschihad anzureisen, sei nicht zuletzt in diesem Kontext als nicht zu unterschätzende Gefahr zu begreifen.

Eine zusätzliche Gefahr drohe den USA insbesondere durch eine lebhafte Facebook-Community des IS in Lateinamerika, die Verbindungen zu "Schlüsselfiguren" der radikal-islamischen Terrorgruppe im Nahen Osten, in Nordafrika, in Afghanistan und auf den Philippinen unterhält.

Der Leiter des CEP, David Ibsen, erklärte gegenüber Breitbart News:

Betrachtet man die Nähe Lateinamerikas zu den USA, sollte die Bedrohung durch IS-Anhänger in diesen Ländern nicht unterschätzt werden.

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Der IS nehme demnach vor allem Accounts aus der stetig wachsenden arabischen und muslimischen Bevölkerung lateinamerikanischer Staaten ins Visier, hacke Accounts und wandle diese in Propagandaträger für den IS um. Auf eine ähnliche Weise hätten auch bereits andere radikal-islamische Terrorgruppen wie Hisbollah oder al-Qaida in den Gemeinschaften Fuß fassen können.

Nur Pinguine immun? IS-Anhänger auf allen Kontinenten außer der Antarktis vertreten

Der Organisationsgrad des IS im Netz sei trotz der Niederlagen im Nahen Osten weiterhin beachtlich. In nicht weniger als 96 Staaten der Welt, auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis, verfüge die Terrororganisation über Anhänger auf Facebook, die mit Multiplikatoren und Schlüsselfiguren Kontakt halten. Screenshots aus den letzten Monaten belegen, so betont Ibsen, dass in den USA lebende IS-Anhänger regelmäßig mindestens einmal pro Woche Treffen via Facebook Live organisiert und abgehalten hatten, in denen es unter anderem darum ging, einer Erfassung durch das FBI zu entkommen oder dem "virtuellen Kalifat" zu helfen.

Die Bemühungen Facebooks wolle er nicht geringschätzen, betonte der CEP-Direktor, aber:

Obwohl Facebook bis einschließlich 5. März 2018 gegen 43 Prozent der bekannten Knotenpunkte vorgegangen ist, erscheint es aufgrund der dezentralen Natur und der Resilienz der IS-Anhängerschaft auf Facebook als wahrscheinlich, dass ihre Kommunikation sich fortgesetzt hat.

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Das CEP hat in seiner Analyse eine Verbindungsmappe zwischen 1.000 Profilen oder Gruppen, die den Islamischen Staat unterstützen, erstellt und die dahinterstehenden Akteure lokalisiert. Alle Internet- und Social-Media-Unternehmen, so die Gruppe, sollten größere Anstrengungen gegen den Missbrauch ihrer Plattformen durch Extremisten unternehmen - und sich bewusst werden, dass deren Präsenz weit verbreitet ist. Die vom CEP gesammelten Daten repräsentierten nämlich lediglich einen Bruchteil des IS-Unterstützernetzwerks auf der Plattform.

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Was die konkreten Gefahren für die USA anbelangt, hatten, wie Breitbart weiter berichtet, die Armee und das State Department bereits 2016 vor einer konkreten Präsenz von IS und Hisbollah in Gebieten wie dem Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien, in Peru sowie in der Karibik gewarnt. Es sei auch davon auszugehen, dass die Terroristen die aktuellen Krisen in Ländern wie Venezuela, Nicaragua oder Kolumbien nutzen könnten, um dort Fuß zu fassen, Rückzugsgebiete zu finden oder Anschläge gegen westliche Geschäftsträger zu verüben.

Die bereits errichteten Ankerpunkte auf dem amerikanischen Kontinent könnten die Extremisten nutzen, um mithilfe der Infrastruktur von Drogen- oder Menschenhändlerbanden verstärkt die USA zu infiltrieren.

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