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Blinder Aktionismus: Twitter sperrt angebliche Bot-Konten - für Verdacht reicht kyrillische Schrift

Blinder Aktionismus: Twitter sperrt angebliche Bot-Konten - für Verdacht reicht kyrillische Schrift
Twitter vermutet hinter Nutzern, die in Kyrillisch schreiben, aus dem Kreml gesteuerte unheilvolle Einflussnahme. Vom Generalverdacht betroffen sind unter anderem Bulgaren.
Twitter versprach kürzlich, gegen schädliche Bots und Trolle intensiver vorzugehen. Diesen Tatendrang bekamen jüngst bulgarischen Twitter-Nutzer zu spüren. Ihr einziges erkennbares Vergehen: auf dem Mikroblogging-Dienst die kyrillische Schrift zu benutzen.

Twitter nimmt eigenen Angaben zufolge den Kampf gegen schädliche Bots und Trolle sehr ernst und versprach kürzlich erneut, intensiver gegen diese offenbar mächtige Bedrohung vorzugehen. Vor einer Woche kündigte das Unternehmen an, dass es bei der Jagd auf Trolle entsprechend noch aggressiver vorgehen werde. So kam es, wie es kommen musste, und die Twitter-Konten einer immer größeren Anzahl an Nutzern wurden gesperrt - darunter auch jene einiger harmloser Bulgaren, deren Vergehen wohl darin bestand, in Kyrillisch zu twittern.

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Zwar wurde der Grund für die Sperrung der bulgarischen Konten nicht erläutert. Doch wie das Magazin The Vergeberichtet, lautet die auf den Erfahrungen der Benutzer basierende Hypothese, dass die Erwähnung von @YouTube oder eines anderen großen Mediendienstes in kyrillischer Schrift bereits Schwierigkeiten nach sich zieht.

Dabei sind die Risiken für Nutzer, welche auf solche Posts in kyrillischer Sprache reagieren, sogar noch höher als für denjenigen, der den ursprünglichen Post veröffentlicht hat.

Sowohl Bulgaren sind betroffen als auch andere Nutzer, die Kyrillisch auf Twitter nutzen und zum Beispiel nur auf Russisch schreiben.

Sind alle verstörenden Nutzer mit Gehirnwäsche des Westens beauftragte Bots?

Westliche Medien geben sich bereits seit langem besorgt über die vermeintliche schädliche russische Einflussnahme auf allen Ebenen. Insbesondere in Großbritannien tauchten Berichte auf, wonach nach dem Vergiftungsvorfall in Salisbury ein 4.000-facher Anstieg von russischen Bot-Aktivitäten zu verzeichnen gewesen sei.

Im Kriegsvokabular formuliert lautete der Vorwurf zum Beispiel, "von Russland kontrollierte Bot-Konten" hätten seit dem Chemiewaffen-Angriff in Syrien als Teil eines "schmutzigen Desinformationskrieges" durch den Kreml 45.000 Mal soziale Medien "mit antiwestlicher Propaganda bombardiert".

Ein anderer Medienkanal führte die Überschrift "Putins Versuch der Gehirnwäsche des Westens" und erwähnte "russische automatisierte Konten".

Auch zwei Beispiele solcher vermeintlich aus Russland gesteuerter Konten wurden in dem Rahmen erwähnt, namentlich @Ian56789 und @Partisangirl. Einige Zeitungen nannten sie "Bots" oder "Propagandabots".

Dabei haben sich beide seither zu Wort gemeldet und damit unter Beweis gestellt, dass diese Nutzer keine Bots, also automatisierte Social-Media-Konten, sind, sondern reale Personen repräsentieren.

Möglicherweise stammten die Recherchen, auf denen die Beurteilung der britischen Regierung dieser Nutzer als Bots basierte, unter anderem vom Atlantic Council, wie Channel Four berichtete. Regierungsstellen selbst behaupteten hingegen, die Recherchen seien eigene gewesen.

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In jedem Fall bildeten diese Recherche-Ergebnisse die Grundlage für ein Pressegespräch mit ausgewählten Journalisten, bei dem die beiden Twitter-Accounts benannt wurden. Die fälschliche Einschätzung wurde dadurch relativiert, dass es hieß, die Nutzer seien vielleicht keine Bots, aber immerhin noch Teil einer "breiteren Desinformationskampagne".

Während die britische Regierung anscheinend analogen Recherchen vertraut, scheint es, als habe Twitter seine Säuberungskampagne Algorithmen überlassen, deren Programmierung vor allem auf die Sprache fokussiert war und damit einfach mal alle kyrillisch schreibenden Nutzer ins Visier genommen hat.

Zwar können unschuldige Benutzer ihre Konten wiederherstellen - die Nutzung bleibt jedoch eingeschränkt. Tweets sind für sie nicht verfügbar und sie können keine Benachrichtigungen an andere senden. Die Kundenbetreuung von Twitter verweist in solchen Fällen darauf, dass ihre Konten ja immerhin nicht mehr gesperrt und damit die Probleme behoben seien.

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Was Twitter außer effektiver Kundenbetreuung aber vergessen zu haben scheint, ist, dass die kyrillische Schrift in einer ganzen Reihe von slawischen Ländern außerhalb Russlands verwendet wird - und selbst innerhalb Russlands soll für gewöhnlich gut informierten Quellen zufolge nicht jeder Bewohner ein Troll sein.

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