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Skripal-Saga geht weiter: Nowitschok und die toxischen Fragen über eine Chemikalie

Skripal-Saga geht weiter: Nowitschok und die toxischen Fragen über eine Chemikalie
Die Öffentlichkeit hat ein neues Wort erlernt: "Nowitschok". Dieses soll beim Angriff gegen einen ehemaligen Doppelagenten auf britischem Boden eingesetzt worden sein und aus Russland stammen. Die OPCW bestätigt aber die Zerstörung aller C-Waffen in Russland.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May erklärte, Russland habe den Kampfstoff "Nowitschok" entweder direkt eingesetzt oder der Angriff sei das Ergebnis eines Kontrollverlusts gewesen. Der Einsatz eines verbotenen militärischen Nervengifts klingt auf den ersten Blick wie aus einem James-Bond-Film. Aber der Verfasser dieses fiktionalen Drehbuchs hat einige undichte Stellen in seiner Geschichte. 

Ein Killergas, das nicht auf der chemischen Überwachungsliste steht? 

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beschreibt sorgfältig alle bekannten Arten von waffenfähigen Chemikalien, einschließlich berüchtigter Varianten von Sarin und VX, sowie deren Eigenschaften, Wirkungsmechanismen und mögliche Gegengifte. Aber seltsamerweise ist "Nowitschok" - eine angeblich tödlichere Substanz als Sarin oder VX - nicht auf der OPCW-Liste der Nervengifte.

Geheimes Nervengift zu Dumpingpreisen

"Nowitschok" wurde erstmals von einem russischen Chemiker namens Wil Mirsajanow der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser behauptete 1992 in einem Artikel für Moskowski Komsomolez, dass Moskau bereits seit der Endphase der Sowjetunion extrem starke chemische Waffen der vierten Generation entwickele. Der Artikel wurde vor der Unterzeichnung des Chemiewaffenübereinkommens durch Russland veröffentlicht, was das Timing besonders interessant machte.

Mirsajanow, der einige Jahre später in die USA übergelaufen war, reagierte mit einem bemerkenswerten Beitrag auf Facebook auf die Vorwürfe des britischen Premierministers.

May sagte, dass 'Nowitschok' bei dem Attentat auf Skripal verwendet wurde", schrieb Mirsajanow. "Seine chemische Formel wurde nur in meinem Buch veröffentlicht."

Sein Buch, welches angeblich die streng geheime Formel des tödlichen Nervengifts enthält, trägt den Titel "State Secrets: Insider-Chronik des russischen Chemiewaffenprogramms". Die Taschenbuchausgabe ist bei Amazon erhältlich und wird für nur 30 US-Dollar verkauft - nur für Kindle ist sie noch günstiger. Sollte sich die Behauptung des Autors hinsichtlich dieser Formel als echt erweisen, wäre dies wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Whistleblower freien Zugang zu einer Methode zur Herstellung einer hochgiftigen Waffe gewährt.

Sicherheitskräfte am Fundort von Sergei Skripal im britischen Salisbury

Kommt nur Russland als Herkunftsort in Frage?

Ist Russland aber wirklich der einzige Ort, aus dem das Gift stammen könnte? Mirsajanow trug auch zu einem Bericht des US-amerikanischen Henry L. Stimson Center aus dem Jahr 1995 bei. Die Zeitung, die sich auf den 1992 erschienenen Artikel des Abtrünnigen bezieht, stellte mehrere Sicherheitsmängel an Russlands Lagerorten für chemische Waffen fest - eine Offenbarung, die angesichts des damals schlechten Zustands des russischen Militärs nicht wirklich überraschend war. Während der Bericht einige grundlegende Sicherheitsmaßnahmen hinsichtlich der gefährlichen Stoffe lobt, heißt es auch:

Nach russischen Maßstäben scheinen russische Lager für chemische Waffen fraglos anfällig für Angriffe von außen und Diebstahl von innen zu sein.

Nikolai Kowalew, der von 1996 bis 1998 den russischen Sicherheitsdienst FSB leitete, teilte RIA Nowosti mit, dass "Nowitschok" in mehreren ehemaligen Sowjetrepubliken gelagert gewesen sei. Der russische Senator Franz Klintsewitsch sagte dem Fernsehsender Zvezda, dass das sowjetische Militär die so genannten Frontline-Pakete, die unter anderem auch den Kampfstoff enthielten, bis zuletzt in verschiedene Teile des Landes verschickte.

Es könnte in jedem (postsowjetischen) Land, einschließlich Georgien und der Ukraine, gelagert worden sein", stellte er fest.

Der Leiter des Föderalen Sicherheitsdienstes, Oberst Nikolai Kowaljow, im Jahr 1996. Er leitete die Sicherheitsbehörde von 1996 bis 1998 und war damit der Vorgänger Wladimir Putins, der im Jahr 1998 das Amt kurzzeitig übernahm. Zurzeit ist Kowaljow Duma-Abgeordneter und in mehreren Gremien aktiv.

Bereits 1999 stellte sich heraus, dass das Pentagon Zugang zu einer jener Chemiefabriken hatte, die Berichten zufolge "Nowitschok" produzierten.

Die New York Times berichtete, dass das US-Militär gewillt sei, bis zu sechs Millionen Dollar auszugeben, um dieses so genannte chemische Forschungsinstitut zu "entmilitarisieren". Die Einrichtung, um die es geht, befindet sich in der usbekischen Stadt Nukus. Sowjetische Überläufer und US-amerikanische Beamte behaupten, die Fabrik in Nukus sei die wichtigste Forschungs- und Teststätte für eine neue Klasse geheimer, höchst tödlicher chemischer Waffen namens "Nowitschok" gewesen, was auf Russisch "neuer Typ" bedeutet.

Warum Russland, wenn Nervengifte überall hergestellt werden könnten?

"Nowitschok" wird als "binärer Wirkstoff" bezeichnet, was auch bedeutet, dass es auch in Form zweier weniger giftiger Chemikalien gespeichert werden kann. Um das aktive toxische Material herzustellen, müssten beiden gemischt werden und chemisch reagieren. Dies erleichtert den Transport der Zutaten, da diese erst beim Mischen ihre vollständige giftige Wirkung entfalten.

Anton Utkin, ein russischer Chemiker, der als UN-Inspekteur im Irak gearbeitet und Technologien zur Vernichtung der russischen Chemiewaffen entwickelt hatte, sagt, es sei unklar, "wie sie [in Großbritannien] feststellen konnten, dass es [das Gas] in Russland hergestellt wurde". Er sagte, dass jeder, der mit der Technologie vertraut ist, das Gift produziert haben könnte:

Sie können nicht herausfinden, wer die chemische Waffe hergestellt hat - der Inhalt der Substanz wird vollständig identisch sein, während die gleiche Methode verwendet wird. Es gibt keine Möglichkeit, mit voller Genauigkeit festzustellen, dass eine Chemikalie aus diesem oder jenem Land kommt.

Was ist mit der Chemiewaffenaufsicht, die bestätigte, Russland habe seine Vorräte zerstört?

Im Herbst vergangenen Jahres hat die internationale Chemiewaffenaufsicht OPCW bestätigt, dass Moskau - ein Unterzeichner des Chemiewaffenübereinkommens - seine Lagerbestände an Chemiewaffen vollständig zerstört hat. Die Inspektionsteams der Organisation bestätigten die Zerstörung von sieben Chemiewaffenvernichtungseinrichtungen in Russland, und am 27. September 2017 wurde die letzte dieser Einrichtungen offiziell eingestellt. Die sechs anderen Einrichtungen waren bereits zwischen 2005 und 2015 geschlossen worden.

Der Abschluss der verifizierten Vernichtung des russischen Chemiewaffenprogramms ist ein wichtiger Meilenstein für die Erreichung der Ziele der Chemiewaffenkonvention", sagte der damalige Chefbotschafter Ahmet Uzumcu seinerzeit.

Er lobte die Länder, die Russland bei seinem Vernichtungsprogramm unterstützt haben sowie die OPCW-Mitarbeiter, die die Zerstörung verifiziert haben.

Das richtige Timing ist alles?

Russische Offizielle sagen, der Zeitpunkt der nunmehrigen Vorwürfe sei besonders bemerkenswert. "In Russland stehen Präsidentschaftswahlen an, und das Land wird beschuldigt, jede Todsünde zu begehen", sagte Sergej Stepaschin, ein ehemaliger Direktor des FSB, gegenüber Interfax. "Sag mir, welcher Idiot in Russland könnte einen solchen [Angriff] ausführen? Wo ist die Logik?"

Er sagte, dass die Geschichte "eine primitive Provokation britischer Geheimdienste" gewesen sein könnte und stellte fest, dass Moskau und London 1998 ein Abkommen über gegenseitige Untersuchungen in hochkarätigen Fällen dieser Art unterzeichnet hatten. "Also, übergebt uns die Akten und lasst uns gemeinsam das Verbrechen untersuchen", forderte der ehemalige Geheimdienstchef.

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