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Doppelagent Skripal: Einzelne deutsche Medien verweigern die Gefolgschaft beim Russen-Bashing

Doppelagent Skripal: Einzelne deutsche Medien verweigern die Gefolgschaft beim Russen-Bashing
Sicherheitskräfte am Fundort von Sergei Skripal im britischen Salisbury
Die Reaktion so manchen großen Mediums in Deutschland auf die Vergiftung des russisch-britischen Doppelagenten Sergei Skripal ist gewohnt unseriös und russenfeindlich. Aber in der zweiten Reihe gibt es mittlerweile Journalisten, die sich diesem Herdentrieb widersetzen.

Wird irgendwo, wie aktuell in England, eine antirussische Sau durchs Dorf getrieben, dann können es viele deutsche Alpha-Journalisten gar nicht abwarten, auf den Zug aufzuspringen – fehlende Beweise hin oder her. Das war so bei der "Russiagate"-Kampagne in den USA, und es wiederholt sich nun bei dem absurden Spektakel rund um den im britischen Salisbury mutmaßlich vergifteten russisch-britischen Doppelagenten Sergei Skripal.

In beiden Fällen rechtfertigt die Faktenlage keine ausufernde Berichterstattung – und schon gar nicht die konkreten Feindseligkeiten, die jetzt von Teilen westlicher Politik und Presse auf der reinen Behauptung russischer Schuld konstruiert werden. Es gibt aber auch Positives zu beobachten: Einige große Medien wahren Distanz zu der Kampagne, einige kleinere üben sogar offen Kritik an der Vorverurteilung Russlands.

Das fiele aber dem Spiegel natürlich nicht ein. Der fantasiert statt dessen unter der Überschrift "Die neun Daumenschrauben der Theresa May" als Ankläger und Richter in Personalunion bereits über Strafen für einen Vorgang, über den noch gar nicht geurteilt wurde. Im veröffentlichten, vom Guardianinspirierten Maßregel-Katalog schlägt auch ein Herz für die Pressefreiheit - neben diplomatischen oder wirtschaftlichen Sanktionen wird dort vorgeschlagen:

Die britische Medienbehörde könnte TV-Sender wie RT (früher Russia Today) die Sendelizenz aberkennen.

Zeigt sich wenig beeindruckt von dem britischen Ultimatum: Sergej Lawrow.

Eine andere Sanktion geht schon in Richtung Guerilla-Taktik und kann als offener Aufruf zur geheimdienstlichen Einmischung in die russische Präsidentschaftswahl gedeutet werden: Es wird angeregt, "Geheimdokumente über mutmaßliche Geldwäsche von Präsident Wladimir Putin und engen Vertrauten (zu) veröffentlichen oder (zu) leaken". Die Bilddruckt die gleiche Liste, gibt sie aber als ihre eigene aus: "Bild erklärt, welche Möglichkeiten sie (Theresa May) hätte."

Solidarität mit den Briten im Kampagnenmodus demonstriert auch das ZDF: Theresa May habe bei ihrer Rede im Parlament "sehr geschickt" aufgezeigt, dass Russland in unterschiedlichen Situationen "immer wieder dasselbe Verhaltensmuster" an den Tag gelegt habe, so die Korrespondentin Diana Zimmermann, die in einem Absatz erstaunlich viele unseriöse Aussagen unterbringt:

Das ist bei Cyberhacking passiert, bei Einmischung in Wahlen, bei der Annexion der Krim - und sie hat ganz ausdrücklich auch den Hackerangriff auf den deutschen Bundestag erwähnt. 

Manche große Medien, und das ist eine neue Entwicklung, halten sich aber mit ihren besonders forschen Meinungsbeiträgen, die sonst im Zusammenhang mit Russland üblich sind, noch etwas zurück. Echte Distanz zum infamen Verhalten der britischen Regierungschefin Theresa May stellen zwar auch die Zeit oder die Nachrichtenagentur dpa nicht her, aber es findet immerhin nicht die gewohnte, ganz große antirussische Verbrüderung statt.

In tatsächliche Opposition zur Vorverurteilung Russlands gehen eher kleinere, aber doch dem Mainstream zuzurechnende Medien. Zwar findet der Donaukurier, dass Russland der Anschlag "ohne Frage zuzutrauen" sei. Aber er ringt sich dann doch zu dem Satz durch: "Dass Putins Regierung wirklich etwas mit dem spektakulären Verbrechen zu tun hat, ist keineswegs sicher." Es wirft ein Licht auf die Medienqualität, wenn man schon froh ist, solche selbstverständlichen Feststellungen in der Zeitung zu lesen – aber immerhin!

Schärfere Kritik an der um sich greifenden Verdachtsberichterstattung übt die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ):

Längst hat sich europaweit eine Stimmung breitgemacht, in der hinter allen kriminellen Vorfällen, die eine Verbindung zu Russland haben, sogleich von Wladimir Putin höchstselbst orchestrierte finstere Machenschaften gesehen werden. Beweise? Wer braucht die schon, wenn man ein solides Bauchgefühl hat?

Die NOZ pocht denn auch darauf, vor irgendwelchen Urteilen den Ermittlern Zeit zu lassen. Und die Zeitung bezeichnet den politisch-medialen Umgang mit Skripals Vergiftung als das, was er mutmaßlich ist: ein willkommener Vorwand, um einem politischen Konkurrenten das Leben schwerzumachen. Diese Taktik sei nicht nur ziemlich durchschaubar, sondern sie zeuge auch von Doppelmoral, so die NOZ:

Denn in Russland wird in neun Tagen gewählt - wie war das doch gleich mit der Einmischung in Wahlkämpfe fremder Länder?

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