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Absicht oder Fehler? Saudischer Diplomat im Zusammenhang mit 9/11 enttarnt

Absicht oder Fehler? Saudischer Diplomat im Zusammenhang mit 9/11 enttarnt
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman: Gefährdet er die Beziehungen zu den USA? (Bild vom 18.09.2019)
Das FBI machte "versehentlich" den Namen eines saudischen Diplomaten publik, der jahrelang wegen seiner möglichen Rolle bei den Anschlägen vom 11. September 2001 geheim gehalten wurde. Damit steigt der Druck auf Saudi-Arabien, was durchaus im Sinne der US-Regierung ist.

Seit bald 19 Jahren fragen sich nicht nur die Hinterbliebenen der Todesopfer der Anschläge vom 11. September 2001 (9/11), wer die Drahtzieher und Unterstützer der 19 Terroristen waren, die die Flugzeuge gekapert und als Waffen gegen die Symbole der US-Macht benutzt haben. Dass Osama bin Laden, Chef der Terrororganisation al-Qaida, diesen Plan aus einer Höhle in Tora Bora in den felsigen Höhen des Safed-Koh-Gebirges an der Grenze zu Pakistan ausgeheckt und organisiert haben soll, glauben die Wenigsten. 

Entsetzliche Szenen in New York am Morgen des 11. September 2001: Nachdem Flugzeuge in sie hineingekracht waren, stürzten die Zwillingstürme des World Trade Center in einer riesigen Wolke aus Schutt und Staub in sich zusammen.

Einer der engsten Verbündeten der USA, Saudi-Arabien, stand ziemlich schnell im Verdacht, irgendetwas damit zu tun zu haben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil 15 der 19 Terroristen saudische Staatsbürger waren und die in einer Nacht- und Nebelaktion aus den USA gebrachten Mitglieder des Königshauses al-Saud trotz Flugverbots Fragen aufwarf. 

Auch die 9/11-Untersuchungskommission befasste sich mit Saudi-Arabien und hielt ihre Ergebnisse auf 28 Seiten fest, die vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush als streng geheim klassifiziert wurden. Laut dem ehemaligen Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses des Senats Daniel Robert "Bob" Graham deuten die Erkenntnisse dieses Geheimberichts "eindeutig auf Saudi-Arabien", wie er 2016 in einem Beitrag für das WDR-Magazin Monitor gesagt hatte. Graham und viele weitere Senatoren forderten deshalb die Offenlegung dieser 28 Seiten, damit die Wahrheit endlich an die Öffentlichkeit gelangen kann.

Zwar hält die US-Regierung diesen Bericht weiterhin unter Verschluss, aber eine "irrtümliche" Enttarnung eines saudischen Diplomaten durch das FBI, dessen Namen man ebenfalls jahrelang geheim gehalten hatte, rückt das wahhabitische Königreich der al-Sauds wieder in den Fokus der öffentlichen Debatte.

Der Name von Mussaed Ahmed al-Jarrah wurde in einem Dokument "vergessen" zu schwärzen, den das FBI infolge einer Klage der Hinterbliebenen der Opfer von 9/11 zusammenstellte. Darin wurden anfänglich zwei Männer identifiziert, die Kontakt zu zwei der Attentäter hatten: Fahad al-Thumairy und Omar al-Bajumi.

Thumairy war ein radikaler Imam, der in der König-Fahd-Moschee in Los Angeles predigte und auf der Gehaltsliste des Ministeriums für islamische Angelegenheiten stand. Bajumi hingegen soll ein Agent des saudischen Geheimdienstes gewesen sein, der für zwei spätere Flugzeugentführer (Khalid al-Mihdhar und Nawaf al-Hazmi) Mitte Januar 2000 eine Wohnung anmietete und in den Folgemonaten deren Miete übernahm. 

Tulsi Gabbard während der Präsidentschaftsdebatte der US-Demokraten (Detroit, 31. Juli 2019).

Weitere Ermittlungen durch das FBI ergaben aber, dass ein dritter Mann den Imam und den vermeintlichen Agenten damit "beauftragte", die Al-Qaida-Terroristen zu unterstützen. Allerdings wurde dessen Name auf dem dreiseitigen Zusatzdokument von 2012 geschwärzt. Erst nachdem Teile des Gesamtdokumentes durch das FBI veröffentlicht wurden, fiel einem Reporter von Yahoo News auf, dass der Name der bislang unbekannten dritten Person an einer Stelle nicht geschwärzt wurde. So wurde al-Jarrah schließlich enttarnt.

Schnell stellte sich heraus, dass al-Jarrah zu jenem Zeitpunkt – von 1999 bis 2000 – Diplomat der saudischen Botschaft in Washington war und zu seinen Aufgaben die Aufsicht über die Angestellten des Ministeriums für islamische Angelegenheiten gehörte, die in Moscheen und islamischen Zentren in den USA tätig waren. In dieser Kapazität soll er dafür gesorgt haben, dass der radikale Geistliche al-Thumairy nach Los Angeles kam. Er betreute ihn auch noch während den Befragungen durch die 9/11-Untersuchungskommission, wo dieser abstritt den vermeintlichen Agenten al-Bajumi überhaupt gekannt zu haben. Ermittlungen ergaben aber, dass die beiden Männer in dem fraglichen Zeitraum in einem regen telefonischen Kontakt standen. 

Für Brett Eagleson, den Sprecher der Hinterbliebenen der Anschläge, die gegen die US-Regierung prozessieren, steht fest, dass Saudi-Arabiens Rolle seit Jahren unter allen Umständen verschleiert werden soll. Die Enttarnung al-Jarrahs habe aber gezeigt, dass es eine "Kommandohierarchie von der saudischen Botschaft über das Ministerium für islamische Angelegenheiten (in Los Angeles) bis zu den Entführern gab". 

Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob es tatsächlich ein "Irrtum" des FBI war, die Identität des saudischen Diplomaten auffliegen zu lassen. Noch vor Kurzem wollten Justizminister William Barr und der ehemalige US-Botschafter in Berlin und jetzige geschäftsführende Geheimdienstdirektor Richard Grenell unter allen Umständen verhindern, dass dessen Name veröffentlicht wird. Dieser sei ein "Staatsgeheimnis", dessen Veröffentlichung die "nationale Sicherheit signifikant gefährden" würde. Mittlerweile hat das FBI das fragliche Dokument aus dem öffentlich zugänglichen Ordner gelöscht.

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien seit dem Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul verschlechtert haben. Im Kongress gab es seitdem immer mehr Zuspruch für eine Neubewertung der US-Außenpolitik im Hinblick auf Saudi-Arabien, was lediglich durch die Haltung der Regierung von Donald Trump gestoppt wurde. 

An den Shoppinggewohnheiten der wohlhabenden Saudis dürften die jüngsten Entwicklungen kaum etwas ändern. (Symbolbild)

Seit die Saudis aber die Ölschleusen im März geöffnet und den Markt trotz bereits gesunkener Nachfrage aufgrund der Coronakrise mit dem Schwarzen Gold geflutet haben, scheint auch Trump seine Position zu überdenken. In einem Telefongespräch vom 2. April warnte er Kronprinz Mohammed bin Salman, dass er Saudi-Arabien nicht mehr länger vor juristischen Schritten des Kongresses beschützen könne, die unter anderem einen Abzug von US-Truppen aus dem wahhabitischen Königreich fordern könnten, wenn das Ölkartell OPEC seine Produktion nicht herunterfährt. 

Die Drohung wurde in Riad laut und deutlich verstanden, sodass wenige Tage später Produktionskürzungen der OPEC und Russlands vereinbart wurden. Dennoch sitzt die Wut in Washington über den angerichteten Schaden für die US-Frackingbranche tief. In privaten Gesprächen mit dem Portal OilPrice.com äußerten sich ranghohe Regierungsbeamte ungehalten über den als solchen empfundenen Verrat an der seit 75 Jahren geltenden Vereinbarung, die Präsident Franklin D. Roosevelt und der Gründer des Königreichs Saudi-Arabien Abd al-Aziz ibn Saud getroffen haben. Man wolle, dass Riad für diesen erneuten Versuch der Zerstörung der eigenen Ölindustrie bezahle, schreibt das Portal.   

Der erste Schritt in diese Richtung ist laut dem Wall Street Journal der angekündigte Abzug von vier Patriot-Luftabwehrbatterien samt Personal aus der Region am Persischen Golf (jeweils zwei aus Saudi-Arabien und zwei aus anderen Scheichtümern), die infolge der Angriffe auf saudische Ölanlagen im vergangenen Jahr zusätzlich entsandt wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass die "versehentliche" Enttarnung des saudischen Diplomaten durch das FBI im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 ein weiterer war. 

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