Menschenrechts-Aktivistin über muslimische Flüchtlinge: "Integration verläuft extrem problematisch"

Menschenrechts-Aktivistin über muslimische Flüchtlinge: "Integration verläuft extrem problematisch"
Somalische Flüchtlinge laufen weg von einem Staubsturm, ein Lager bei Dadaab (Grenze zu Kenia, Januar 2007, Quelle: Reuters) [Symbolbild]
Im Januar hat die deutsche Menschenrechtlerin Rebecca Sommer dem Internetportal Euroislam.pl ein umfangreiches Interview zu ihrem weltanschaulichen Wandel als Flüchtlingshelferin gegeben. In den polnischen Medien werden ihre Aussagen rege aufgegriffen.

Ein ins Detail gehendes Interview mit der deutschen Flüchtlingshelferin Rebecca Sommer sorgt in den polnischen Medien für Aufruhr. Das Interview, noch nicht in den deutschen Massenmedien erwähnt, das sie im Januar dem polnischen, islamkritischen Internetportal Euroislam.pl gab, ist dahingehend erwähnenswert, als dass sie als engagierte und gut vernetzte Menschenrechtsaktivistin anfing, große Zweifel zu hegen, ob eine Integration muslimischer Flüchtlinge in die europäische und deutsche Wertegemeinschaft weitestgehend konfliktfrei möglich ist. Konservative polnische Zeitungen wie wPolityce und Do Rzeczy haben bereits im Anschluss an das Interview die Aussagen Sommers aufgegriffen und zum Teil eigene Gespräche mit ihr geführt. Sie berichteten von Sommers auffälligen Sinneswandel, der aufgrund einer darauffolgenden, teils oberflächigen Berichterstattung eine komplexe Kontroverse entfachte.

Für ihre Ausführungen zog die deutsche Dokumentarfilmerin Sommer die Prinzipien des westlichen Wertesystems heran und verglich sie mit dem, was sie als "mittelalterliches" Wertesystem vieler geflüchteter Muslime verstehe. Dahingehend soll sie die letzten zwei Jahre eine wachsende Desillusionierung begleitet haben.

Rebecca Sommer ist eine deutsche Künstlerin, die unter anderem als Menschenrechtsaktivistin arbeitet. Sie ist die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Flucht+Menschenrechte (AG F+M), die sie seit dem Jahr 2013 leitet. Eines der Angebote der Gruppe ist mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin.

Menschenrechts-Aktivistin über muslimische Flüchtlinge: "Integration verläuft extrem problematisch"
Ein Porträt von Rebecca Sommer, Leiterin der Arbeitsgruppe Flucht+Menschenrechte (Quelle: Wikipedia)

Wie es in einem Blog-Eintrag vom 12. Februar 2018 der Website Flucht+Menschenrechte (AG F+M) heißt, soll das Interview, das die Redaktion von Euroislam.pl mit Rebecca Sommer führte um die Welt gegangen sein und wurde oft von anderen Medien, insbesondere konservativ-verschwörungstheoretischen Medienunternehmen wie Infowars, instrumentalisiert. Die Aussagen Sommers seien verkürzt und aus dem Kontext gerissen dargestellt worden. Trotz vieler späterer Falschdarstellungen, Falschübersetzungen und Instrumentalisierungen sind die Äußerungen Sommers den ideologischen Prämissen des Islams kritisch gegenüber.

Migranten vor einer Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Ingolstadt im Februar 2016. Etwa jede vierte Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge über einen Asylantrag landet vor Gericht.

Der Inhalt des Interviews

Sommer erläuterte im Interview anfangs ihre enttäuschte Erwartung gegenüber der Integration der muslimischen Flüchtlinge in Deutschland wie folgt:

[...] Ich glaubte, dass diese mittelalterlichen Ansichten sich mit der Zeit ändern werden. Ich vertraute sehr auf unsere freiheitlichen, gleichberrechtigten europäischen Werte, und ich glaubte naiv, dass jeder Mensch sich für sie begeistern und sie übernehmen werde."

Des Weiteren teilte die deutsche Künstlerin und Journalistin persönliche Erlebnisse mit, die sie in der Causa der Flüchtlingsintegration weltanschaulich umstimmten:

Ein weiteres Beispiel, das mir die Augen öffnete, ereignete sich im Jahr 2016, als ich die Wahrheit über eine bestimmte Flüchtlingsgruppe erfuhr, um die ich mich seit langem kümmerte. Sie zählten mittlerweile zu meinem Freundeskreis. Ich half ihnen beim Asylverfahren, ich erledigte ihre Amtsangelegenheiten, ich organisierte für sie Wohnungen, Möbel, Mobiltelefone, Computer, Kleidung, Kurse, Arbeit, Stipendien und verbrachte unzählige, unbezahlte Stunden meiner privaten Zeit in Einzelfällen. In einem gewissen Moment jedoch bemerkte ich, dass diese Personen ein falsches Spiel mit mir treiben, das heißt, sie praktizierten mit mir "Taqīya". Ich wurde von diesen Menschen getäuscht, womit sie mich sehr enttäuschten. Ich wurde von dieser muslimischen Strategie selbst oftmals von arabischen Menschen und Kurden gewarnt, die nicht lediglich aus Kriegsgebieten geflüchtet waren, sondern vor Muslimen flüchten mussten; ich wollte jedoch nicht auf sie hören.

Näher eingehend auf den Begriff "Taqīya", erklärte die Aktivistin:

Das Wort "Taqīya" kennt fast gar kein Europäer, und Menschen, die versuchen vor dieser religiös gerechtfertigten Form des Verhaltens zu warnen, werden sofort als Rassisten abgestempelt. Selbst wenn sie selber aus denselben Regionen und kulturellen Kreisen stammen, wie die Menschen, die wir Flüchtlinge nennen. "Taqīya" bedeutet "Täuschung". Taqīya [ursprünglich eingesetzt für den Schutz von Muslimen vor Verfolgung. Anmerkung der Redaktion von Euroislam.pl] gibt die Genehmigung dazu, dass Muslime uns gegenüber – den Nichtmuslimen – unehrlich sein können, wenn es dem Schutz des Islams und dem Schutz von Muslimen dient. Es gibt verschiedene Formen des Lügens, die in bestimmten Begebenheiten in Beziehungen zu Nichtmuslimen zulässig sind, wobei "Taqīya" als die bekannteste gilt.

Weiter sagt sie:

"Taqīya" kommt, soweit ich weiß, aus dem Schiitentum, wird aber auch von Sunniten praktiziert (selbst wenn sie es selbst abstreiten) und ermöglicht das Verzehren von unsauberem Essen (ḥarām) oder das Vorgeben, ein Atheist zu sein. Man sollte diesbezüglich im Klaren sein, dass das Sprechen von Unwahrheiten Nichtmuslimen gegenüber in muslimischen Ländern nicht als verwerflich gilt. So kommt also ein deutscher Freiwilliger in Kontakt mit einer Kultur, die er überhaupt nicht begreift.

Im Hinblick auf ihre persönlichen Erfahrungen mit den Flüchtlingen, die sie betreute, ergänzte Sommer:

Und plötzlich stellte sich heraus, dass diese Menschen, denen ich alles organisierte, die mit mir aßen, mit mir tranken, mit mir tanzten; sie lachten, sie beteten nicht, gingen nicht in die Moschee, hielten nicht den Ramadan, spotteten über Religion und über tief religiöse Menschen, sie aßen mein Essen und saßen in meinem Garten; eben diese selben Menschen bezeichneten mich nicht anders, als "dumme deutsche Schlampe".

Sie führt aus:

Sie waren mein eigenes Beispiel – aus meinem Leben – von gelungener Integration und Freundschaft zwischen Menschen mit westlichen Anschauungen und Menschen aus arabisch-muslimischen Kreisen. Ich half ihnen, schützte sie und unterstützte sie; ich gab ihnen echte Freundschaft. Ich nahm sie mit offenen Armen in Deutschland auf und wurde dafür mit Worten und Taten der Beleidigung entlohnt.

Die Aktivistin macht auch Rückschlüsse auf andere Kollegen, die ebenfalls in der Freiwilligenarbeit und Flüchtlingshilfe tätig sind, waren oder sein werden:

Aus Gründen ähnlicher Erfahrungen, wie die, die ich machte, haben viele Engagierte diese Arbeit aufgegeben. Die neuen, die jetzt beginnen, sind so naiv, wie ich es einst war. Aber im Gegensatz zu dem, was uns die Medien erzählen, gibt es gar nicht so viele bereitwillige Freiwillige mehr. Andere wiederum, die so lange dabei sind wie ich, fingen an, damit zu verdienen. Von den Letzteren hört man also keine Enttäuschung, da es nicht in deren Interesse wäre.

Auf die Frage, wie die Flüchtlinge zurechtkommen, die bereits seit einigen Jahren in Deutschland leben, berichtete die deutsche Künstlerin:

Viele arbeiten immer noch nicht, sprechen immer noch kaum Deutsch, verbleiben unter sich, haben kaum oder gar keine deutschen Freunde. Andere wurden zu Straftätern. Oder sie radikalisierten sich. Oder man findet später heraus, dass sie Al-Nusra- oder ISIS-Kämpfer waren, die diese Organisationen immer noch bewundern. Es gibt zwar auch viele Ausnahmen, sie arbeiten, sprechen Deutsch, aber das Kopftuch im Kopf, die Überheblichkeit, sich als Muslime als was Besseres zu sehen, diese unsägliche Überheblichkeit uns gegenüber, verbleibt trotzdem bei den Meisten!"

Sommer spezialisierte sich nach eigenen Angaben mittlerweile auf den Schutz von Frauenrechten innerhalb der Flüchtlingskrise und des Integrationsprozesses. Dem Islam insgesamt bleibt sie misstrauisch gegenüber und beschreibt die von ihr vernommene kulturelle Kollision wie folgt: 

In dieser Kultur zählt der Starke und wenn du jemandem einfach so hilfst, aus reinem Herzen, passt das nicht in deren Weltbild rein. Du bist für sie einfach der Dumme, das heißt schwach. Und so nehmen sie uns wahr – als Dumme, als eine gefallene Gesellschaft von Schwächlingen. Die Mehrzahl der Europäer ist nicht imstande, das zu begreifen, denn es ist nicht konform mit unseren reformierten, aufgeklärten, christlich-humanistischen Werten, auf denen unsere Kultur fußt. Ich kenne natürlich viele individuelle Ausnahmen, die bestätigen jedoch die Regel.

Wie die eine bereits von ihr geschilderte Ausnahme, gab die deutsche Umweltaktivistin im Interview weitere Sonderfälle bekannt, die von dem von ihr empfundenen Regelfall abweichen:

Natürlich gibt es viele positive Ausnahmen. Ein syrischer Freund von mir absolvierte Lehrkurse und arbeitet nun in der Rentenversicherung. Ein Apotheker fand Arbeit. Manch andere eröffneten ein Restaurant. Ein ausgebildeter muslimischer Architekt aus Eritrea fand eine Beschäftigung in einem architektonischen Projektbüro.

Sie hat weitere Beispiele: 

Mein einer Schützling, eine syrische IT-Spezialistin, fand sehr schnell Arbeit und verdient zurzeit 3.000 Euro. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass sie eine Atheistin ist, die sich vollkommen von anderen, gläubigen Muslimen abgeschnitten hat. Denn nach eigenen Aussagen litt sie als moderne und selbstständige Frau ihr ganzes Leben unter dem Joch des Islams und nach eigenen Worten sind "alle religiösen Muslime gleich".

Mehr zum Thema -UN: Drei Millionen südsudanesische Flüchtlinge bis Ende 2018

Auch zum Familiennachzug und zu der deutschen Einwanderungspolitik teilte die Flüchtlingshelferin ihre Gedanken mit: 

Vor allem, dass das [deutsche] Recht jeden Flüchtling als Immigranten versteht, also nicht als jemanden, der Schutz sucht und der lediglich für eine begrenzte Zeit hier ist und anschließend zurück nach Hause geht. Und da das so ist, sollte man diese Menschen Immigranten nennen, so wie ihr das in Polen macht. Dementsprechend müssten die Vorschriften dahingehend geändert werden, damit Leute aufhören in Asylanträgen zu lügen: Immigrationsvorschriften, mithilfe welcher wir die Leute reinlassen, die wir brauchen, andere nicht. Leute, die arbeiten werden und nicht vom Sozialsystem abhängig sein werden.

Weiter sagt sie: 

Ein Beamter aus dem Bundesinnenministerium, mit dem ich sprach, sagte mir, dass in den nächsten drei Jahren mehrere Millionen Menschen nach Deutschland kommen werden. Sowohl Familienmitglieder als auch neue Menschen, die sich um Asyl bemühen werden. Wir alle wissen bereits, dass die Integration extrem problematisch verläuft, aber manche unserer Politiker gehen weiter diesen Weg, wenn sie Parolen rufen wie "Kein Mensch ist illegal". Unter meinen Schützlingen, die ich hatte und habe, kann ich die, die sich meiner Meinung nach vollkommen und erfolgreich integriert haben, auf den Fingern einer Hand abzählen. Hier ist auch nicht der Verlust der eigenen Kultur oder Identität gemeint, sondern die Akzeptanz gegenüber unserem Lebensstil hier in Deutschland. Das ist verbunden mit dem Pflegen vieler deutscher Freundschaften, nicht nur zwei solcher Freunde, die einem im Kampf mit den Anträgen helfen.

Ein Fazit

In der Stellungnahme des Blog-Eintrags von Rebecca Sommers Berliner Arbeitsgruppe Flucht+Menschenrechte (AG F+M) ertönt ein Appell, der nach Meinung der Flüchtlingshelfer in den Medien allzu sehr verloren geht oder verzerrt wird. Die Bitte um eine differenzierte Sichtweise und Berichterstattung des komplexen Themas der Integration lautet:

Es gibt keinen differenzierten Umgang mit dem Thema Flüchtlinge, den wachsenden Problemen die wir aber überall erleben und sehen. So wie diese ultra-rechten Hass-Seiten politisch-ideologisch verdrehen, so verdrehen die meisten gängigen Medien die Realität auf ähnliche politisch-ideologische Art und Weise in die entgegengesetzte Richtung. Wo einst die respektvolle Debatte und Meinungsfreiheit bei uns ein hohes Gut war, gibt es seit der Flüchtlingswelle keinen vernünftigen Umgang, keine normale Diskussion, kein Zuhören, und keinen richtigen Austausch mehr. Um sich irgendwo in der Mitte zu treffen und somit einen vernünftigen Weg zu finden, um die Flüchtlingsproblematik zu meistern.

Des Weiteren heißt es in dem Statement:

Stattdessen beherrschen die Unterdrückung jeglicher abweichender Meinung, Zensur und Aggression den Ton. Eine falsche “Politische Korrektheit”, die die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen will, diktiert die Grenzen des Sagbaren. Rebecca Sommer sagt ”Nein, so schaffen wir es eben nicht”.