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Du heiliger Strohsack: Priester wollen Papst zum Ketzer erklären

Du heiliger Strohsack: Priester wollen Papst zum Ketzer erklären
Papst Franziskus am 24. April 2019 während der wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan.
Eine Gruppe von 19 Priestern und Theologen fordert den Vatikan auf, Papst Franziskus zum Ketzer zu erklären. Bei der Gruppe handelt es sich – wenig überraschend – um ultrakonservative Vertreter der Kirche. Ein Haufen Gescheiterter – oder kommt der Scheiterhaufen?

Der prominenteste Vertreter der Gruppe ist der 70-jährige britische Pater Aidan Nichols. Der Priester des Dominikanerordens und Autor mehrerer Bücher ist für seine konservative Sicht in Fragen der Religionsauslegung bekannt. So schreibt er in einem seiner Bücher:

Es ist falsch anzunehmen, dass, solange Schrift und Lehre erhalten bleiben, die disziplinäre und liturgische Tradition nach Belieben modernisiert werden kann.

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Die weiteren Unterzeichner des 20-seitigen Briefes sind weniger bekannt. "Wir ergreifen diese Maßnahme als letztes Mittel, um auf den zunehmenden Schaden zu reagieren, der durch die Worte und Taten von Papst Franziskus über mehrere Jahre hinweg verursacht wurde, die zu einer der schwersten Krisen in der Geschichte der katholischen Kirche geführt haben", schreiben die Autoren in ihrem Brief.

Das Schreiben wurde am Dienstag von LifeSiteNews veröffentlicht, einer konservativen katholischen Website, die schon öfter als Plattform für Angriffe gegen den Papst genutzt wurde. Im vergangenen Jahr wurde ein Dokument des ehemaligen Botschafters des Vatikans in Washington, Erzbischof Carlo Maria Vigano, vorgelegt, in dem der Papst gar zum Rücktritt aufgefordert wurde.

Der Vatikan wollte den Brief nicht kommentieren. Das Schreiben, das Dutzende von Fußnoten, Bibelverse, Äußerungen früherer Päpste und eine separate Bibliographie enthält, lädt die Leser dazu ein, bei einer Online-Petition mitzumachen. An die Bischöfe gerichtet, schreiben die Verfasser:

"Wir bitten Ihre Lordschaften daher, sich dringend mit der Situation der öffentlichen Feststellung der Ketzerei durch Papst Franziskus zu befassen." Die Bischöfe werden aufgefordert "öffentlich Papst Franziskus zu ermahnen, die Ketzereien, die er begangen hat, abzuschaffen".

Die Entscheidung darüber, ob ein Kirchenmitglied ein Ketzer ist, ist Aufgabe der Glaubenskongregation, der Lehraufsicht des Vatikans. Massimo Faggioli, ein bekannter Professor für historische Theologie an der Villanova Universität in den Vereinigten Staaten, erklärte, der Brief sei ein Beispiel für die extreme Polarisierung in der Kirche.

"Es gibt überwältigende Unterstützung für Franziskus in der globalen Kirche auf der einen Seite und eine winzige Gruppe von Extremisten, die versuchen, Franziskus als einen ketzerischen Papst darzustellen. Das Problem ist, dass es sehr wenig legitime, konstruktive Kritik an Franziskus' Pontifikat und seiner Theologie gibt", so Faggioli.

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Ein bedeutender Teil des Briefes konzentriert sich auf "Amoris Laetitia" (Die Freude an der Liebe), ein päpstliches Dokument aus dem Jahr 2016, das ein Eckpfeiler von Franziskus' Versuch ist, die 1,3 Milliarden Mitglieder umfassende Kirche offener und weniger verurteilend zu machen. Darin fordert Franziskus eine Kirche, die weniger streng und mitfühlender gegenüber allen "unvollkommenen" Mitgliedern ist, wie denen, die sich scheiden ließen und später zivilrechtlich wieder heiraten.

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Nach kirchlichem Recht können sie nicht die Kommunion empfangen, wenn sie sich nicht vom Sex mit ihrem neuen Partner fernhalten, denn ihre erste Ehe ist in den Augen der Kirche immer noch gültig, es sei denn, sie haben eine Annullierung erwirken können. Die Kirche erlaubt keine Scheidung. Franziskus hat die Tür zu einigen Ausnahmen geöffnet, so dass die Entscheidung, ob Personen wieder vollständig integriert werden können, von einem Priester oder Bischof gemeinsam mit dem Einzelnen von Fall zu Fall getroffen werden soll. Bereits nach der Veröffentlichung von Amoris Laetitia forderten vier Konservative den Papst öffentlich heraus und warfen ihm vor, Verwirrung über wichtige moralische Fragen zu stiften. Franziskus hat bisher nicht auf ihre Forderungen reagiert, ihre Zweifel auszuräumen.

Der offene Brief listet "Beweise" dafür auf, "dass Papst Franziskus sich des Deliktes der Ketzerei schuldig gemacht hat". Zudem wird Franziskus dafür angegriffen, das er einmal gesagt hat, dass die Absichten von Martin Luther, dem Vater der protestantischen Reformation, "nicht falsch waren". Zudem werde die Abtreibung nicht entschieden genug verurteilt und der Papst sei zu nachsichtig mit homosexuellen Katholiken.

Auch die Tatsache, dass Franziskus im Jahr 2016 eine gemeinsame Erklärung mit den Lutheranern unterzeichnet hatte, wird kritisiert. Seinerzeit hatte der Papst erklärt, dass die Katholiken für die "theologischen Gaben" der Reformation dankbar seien. Zudem wirft der Brief Franziskus vor, eine gemeinsame Erklärung mit einem prominenten muslimischen Führer in Abu Dhabi im Februar abgegeben zu haben. In der Erklärung heißt es, dass der Pluralismus und die Vielfalt der Religionen "von Gott gewollt" sei.

Für die ultrakonservativen Vertreter der katholischen Kirche ist all dies inakzeptabel. Sie gehen davon aus, dass die römisch-katholische Kirche die einzig wahre ist und dass die Mitglieder aufgerufen sind, andere dazu zu bekehren.

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