Geschmacklos, aber nicht strafbar: Plüschhasen dürfen gekreuzigt werden

Screenshot/"heute show"
Szene aus der "heute-show" vom 6. April
Die Staatsanwaltschaft Mainz leitet kein Ermittlungsverfahren wegen eines gekreuzigten Osterhasens in der "heute-show" ein. Bei dem umstrittenen Beitrag der Satiresendung, gegen den Anzeige erstattet wurde, sei kein Anfangsverdacht einer Straftat erkennbar.

Wegen eines ans Kreuz genagelten Plüsch-Osterhasen wird die Staatsanwaltschaft Mainz nicht gegen die Macher der heute-show des ZDF vom 6. April ermitteln, wie unter anderem der Tagesspiegelberichtet. Die Mainzer Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller teilte mit, bei dem Satirebeitrag, gegen den mehrere Strafanzeigen erstattet worden waren, sei kein Anfangsverdacht einer Straftat erkennbar. Um einen Straftatbestand zu erfüllen, reiche es nicht aus, dass die Sendung von einigen gläubigen Christen als geschmacklos empfunden worden sei. Bei der Staatsanwaltschaft waren mehrere Strafanzeigen von Privatpersonen gegen den Moderator Oliver Welke eingegangen.

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Um strafbar zu sein, hätte der Beitrag der heute-show laut Keller den öffentlichen Frieden stören müssen, etwa indem Intoleranz gegenüber dem Christentum gefördert worden wäre oder Christen den Eindruck erhalten hätten, ihre religiösen Gefühle würden nicht respektiert. Ein solcher "beschimpfender Charakter im strafrechtlichen Sinne" habe aber nicht vorgelegen. Die Äußerungen des Moderators seien "offenkundig abwegig" und "erkennbar ironisch" gewesen.

"Der Beitrag verfolgt nicht die Absicht, die Inhalte eines religiösen Bekenntnisses zu beschimpfen oder verächtlich zu machen", so die Staatsanwaltschaft in einer Presseerklärung. Im Gegenteil sollte die satirische Darstellungen deutlich machen, dass "die Kunstfigur des 'Osterhasen' gerade nicht zu den Glaubensinhalten des Christentums gehören dürfte".

In der heute-show hatte Welke gesagt, der Osterhase sei bekanntlich "die zentrale Figur der christlichen Mythologie". Dazu wurde ein Bild vom letzten Abendmahl eingeblendet, bei dem Jesus durch einen Hasen ersetzt war. Anschließend war ein Hase zu sehen, der an seinen Ohren ans Kreuz genagelt wurde und aus einem Osterei aufersteht. Welke wollte mit den Witzen auf einen Streit anspielen, den ein Schokoladenhersteller kürzlich entfacht hatte, als er seine Produkte nicht "Osterhasen", sondern "Traditionshasen" nannte.

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