Die Terror-Skulptur, die keiner haben möchte

Die Terror-Skulptur, die keiner haben möchte
Das Werk "Tulpenstrauß" ("Tulips") von Jeff Koons. Eine ganz ähnliche Skulptur möchte der US-Künstler der Stadt Paris vermachen.
Jeff Koons möchte den Opfern der Terroranschläge von Paris eine riesige Skulptur widmen, hat damit aber Protest ausgelöst. Der Vorgang erinnert an ähnliche Vorgänge in Deutschland – etwa in Berlin, das gerade eine infame Dschihadisten-Skulptur ertragen musste.

Eine über elf Meter hohe und 30 Tonnen schwere Skulptur in Form eines bunten Tulpenstraußes möchte der US-Künstler Jeff Koons der Stadt Paris vermachen, um damit an die Opfer der Terroranschläge von 2015 zu erinnern. Stehen soll der Koloss aus Stahl und Bronze nach dem Willen des Künstlers auf dem viel besuchten Vorplatz zwischen zwei Museen im schicken 16. Arrondissement. Doch hier geht der Streit schon los: Dieser Ort stehe mit den Pariser Anschlägen in keinem Zusammenhang, so die Gegner des Werks - Koons setze hier eher sich selbst ein Denkmal. 

"Symbol industrieller und spekulativer Kunst"

Andere Kritikpunkte sind ästhetischer Natur: Viele Menschen empfinden Koons quietschbunten Blumenstrauß, der wie die Fackel der Freiheitsstatue von einer Hand hochgehalten wird, als nicht nur einem Terrorgedenken völlig unangemessen, sondern sie qualifizieren das Werk ganz allgemein als billigen Kitsch ab. Und so häufen sich nun die Protest-Petitionen und empörten Kolumnen. Vor wenigen Tagen hat das "Haus der Künstler" eine Meinungsumfrage gestartet, der ehemalige Kulturminister Frédéric Mitterrand hat geschrieben, Koons sei das Symbol einer industriellen und spekulativen Kunst und der französische Dachverband der Kunstgalerien hat erklärt, dass er gegen jeden Standort sei, der sich in der Nähe einer Kunsteinrichtung befinde.

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Doch es gibt auch Begehrlichkeiten rund um das drei Millionen teure, in Deutschland hergestellte Werk: Der Bürgermeister von Montpellier sagte, er würde die Plastik aufstellen, wenn Paris sie verschmähen würde. Doch so weit ist es noch nicht, momentan sucht die Kulturministerin Françoise Nyssen in einem atemlosen Dialog mit den Kritikern eine gesichtswahrende Lösung.

Der Vorgang ruft in Erinnerung, dass auch Berlin im Umgang mit geschenkter Kunst für den öffentlichen Raum nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen hat. Die beiden gravierendsten Fehlgriffe waren wohl die Skulptur zur Erinnerung an die Kindertransporte, mit denen ab 1938 jüdische Kinder nach England geflohen waren, und die skandalöse Bus-Skulptur, die im vergangenen Herbst am Brandenburger Tor an die "Rebellen" von Aleppo erinnerte.

Als kitschig, altbacken und historisch grob inkorrekt wurde das 2008 aufgestellte Kinder-Mahnmal des israelischen Künstlers Frank Meisler an der Berliner Friedrichstraße von Senat, Künstlern, jüdischen Funktionären und Zeitzeugen abgekanzelt, doch es half alles nichts: Es steht dort bis heute. Gegen die Eigendynamik von geschenkter Kunst ist anscheinend manchmal kein Kraut gewachsen.

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Bei dem Bus-Mahnmal des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni ging die Empörung dagegen weniger von den Kulturfunktionären aus als von aufgebrachten Bürgern. Der Grund: Die Praxis, mit senkrecht aufgestellten Bussen Straßen zu sperren, war bekanntermaßen eine Taktik islamistischer Terrorgruppen. Diese Taktik wandten sie auch an, während sie das syrische Aleppo bis zur Befreiung 2016 als Geisel für westlich geförderte Umsturzfantasien genommen hatten.

Dass diesem Terror ein Denkmal gesetzt wurde, empörte viele Berliner. Nicht so aber Berlins Kultursenator Klaus Lederer (LINKE), der über das "Kunstwerk" sagte, es solle Austausch bringen "darüber, wie Zerstörung, Leid und Krieg überwunden werden können". Neues Deutschland hat damals treffend geschrieben:

Um den (Angriffs-)Krieg gegen Syrien zu 'überwinden', müsste aber vor allem die Unterstützung jener Kämpfer eingestellt werden, die in fremden Ländern Straßensperren mit Bussen errichten. Stattdessen werden diese Kämpfer und ihre Mittel nun in Berlin geehrt.

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