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Statt Marschall Konew der Roten Armee: Denkmal an Wlassows Nazi-Kollaborateure soll Prag "schmücken"

Statt Marschall Konew der Roten Armee: Denkmal an Wlassows Nazi-Kollaborateure soll Prag "schmücken"
Statt Marschall der Roten Armee Konew: Denkmal an Wlassows Nazi-Kollaborateure soll Prag "schmücken" (Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew im von Nazis befreiten Prag am 9. Mai 1945)
In Prag wurde das Denkmal für Iwan Konew, Marschall der Sowjetunion, demontiert, der mit seinen Truppen der Roten Armee die Stadt 1945 vom deutschen Nazismus befreit hatte. Stattdessen soll dort künftig der "Russischen Befreiungsarmee", also Nazi-Kollaborateuren gedacht werden.

Die Verwaltung von Prag 6, einem Bezirk von Tschechiens Hauptstadt, hat am 3. April ihre lang gehegten Pläne umgesetzt, das Denkmal für den Marschall der Sowjetunion Iwan Konew zu entfernen. Russlands Botschaft in Prag drückte Entrüstung aus. Im Zweiten Weltkrieg befreiten Truppen der Roten Armee unter Konews Kommando weite Teile der damaligen Tschechoslowakei und auch Prag. Vonseiten Tschechiens kündigte man an, die Statue in einem Museum in Prag auszustellen.

Prag entfernt Statue des sowjetischen Weltkriegsmarschalls Iwan Konew – Moskau protestiert

Soweit, so gut. Doch im Kontext der Geschichte um das Konew-Denkmal wird klar, wieviel das Ganze von einem schlecht geschriebenen geschichtsrevisionistischen Film hat.

Wir wollen ihn nicht…

Da die Pläne der Verwaltung von Prag 6 länger bekannt waren, rief Konews Tochter Natalia am 9. April geistesgegenwärtig eine Petition an Russlands Präsidenten Wladimir Putin ins Leben. Dieser möge alle erdenkliche Hilfe für eine Überführung der Statue des Marschalls von Prag nach Moskau leisten und so eine weitere Entwürdigung von Konews Andenken verhindern. Das Nachrichtenportal Argumenty i Fakty zitiert Konews Tochter wie folgt:

Wir haben eine Marschall-Konew-Straße. Und es wäre nur natürlich, dass, wenn das Denkmal dort stünde, die Menschen dorthin kämen, um das Andenken an Iwan Stepanowitsch zu würdigen. Es gibt dort auch zwei Schulen, die die Schirmherrschaft über das Denkmal übernehmen könnten.

Am selben Tag, noch bevor die Online-Petition auch nur 1.000 Unterschriften sammeln konnte, reagierte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu in der Sache. Er stellte eine entsprechende schriftliche Anfrage an seinen tschechischen Amtskollegen Lubomir Metnar. Schoigu sagte gegenüber Rossijskaja Gaseta:

Ich kann nicht anders, als mein Bedauern über die Verwaltung des Bezirks Prag 6 zu äußern, die im Vorfeld des 75. Jahrestages des Siegs über den deutschen Nazismus ein Denkmal an einen Helden beseitigte, an einen Befreier Europas und auch Prags vom Nazismus – an Marschall Iwan Konew. Die in dem Jahr erfolgreich durchgeführte militärische Operation zur Befreiung Prags von den Nazis rettete Hunderttausenden Tschechen das Leben und befreite Millionen Ihrer Mitbürger vom Joch der Nazis.

Schoigu erinnerte Metnar an den großen Blutzoll, den die Rote Armee bei der Befreiung Tschechiens zahlte:

Letztes sowjetisches Kriegerdenkmal in Warschau demoliert – Warschauer bringen dennoch Grablichter.
(Abriss des Dankbarkeitsdenkmals für die Rote Armee im Skaryszewski-Park in Warschau im Oktober 2018)

Allein im Laufe der Prager Operation wurden mehr als 50.000 unserer Väter und Großväter getötet und verwundet, die für die Freiheit und Unabhängigkeit des tschechischen Volkes kämpften. Daher können wir gegenüber der Beseitigung des Denkmals an Marschall Konew nicht teilnahmslos bleiben. Ich bitte Sie, das Denkmal so schnell wie möglich an Russland zu übergeben.

An Geld für die Übergabe sollte es nicht mangeln. Schoigu sicherte dem tschechischen Verteidigungsminister zu:

Sollte die Übergabe einen finanziellen Aufwand voraussetzen, sind wir bereit, ihn in vollem Umfang zu leisten.

... aber ihr sollt ihn auch nicht haben!

Ebenfalls am selben Tag erhielt der russische Verteidigungsminister die Antwort vom tschechischen Auswärtigen Amt in Form einer Ablehnung: Die Verlegung des Denkmals an den Marschall der Sowjetunion Iwan Stepanowitsch Konew verletze keine Verpflichtungen der tschechischen Seite, die ihr aus Verträgen mit Russland erwachsen würden, so die Behörde. Dort stellte man fest:

Das Denkmal ist Eigentum des Bezirks Prag 6.

Das ursprünglich angeschriebene tschechische Verteidigungsministerium äußerte sich zuvor ähnlich: Das Denkmal gehöre der Stadt Prag, man könne nicht darüber verfügen.

Prager Stadtverwaltung und Denkmäler – ein schlechter Film?

Das Museum des XX. Jahrhunderts in Prag, wo Konews Denkmal aufgestellt werden soll, existiert noch gar nicht. Doch das ist nicht die einzige Absurdität an dem Geschehen. So ist der formale Grund für die Demontage eine angebliche Beteiligung Konews an der Niederschlagung des Prager Aufstands im Frühling 1968. Nachweise hierfür liefern die Geschichtsrevisionisten jedoch nicht. Dies darf aber nicht verwundern, da der Marschall zu diesem Zeitpunkt bereits in Rente war, wie der Nachrichtenkanal Westi vollkommen korrekt feststellt.

Zwar haben der Marschall der Sowjetunion und die Stadt Prag sehr wohl eine besondere Verbindung, diese ist allerdings gänzlich gegensätzlicher Natur, erinnert  RIA Nowosti.

Demnach befehligte Konew nicht nur die Operation der Roten Armee zur Befreiung Prags von den Nazi-Truppen, sondern verbot den Einsatz schwerer Artillerie, um die sprichwörtlichen "hundert Türme" der "goldenen Stadt" zu schützen. Als Dank hierfür stellten die Bewohner Prags das Denkmal Ende der 1970er-Jahre auf. Von ihrem eigenen Geld.

Der Weg müsste nicht weit sein

Es würde noch angehen, sähe man sich in der Bezirksverwaltung von Prag 6 mit der organisatorischen Seite eines Transports von Konews Statue nach Moskau überfordert. Doch der Weg müsste gar nicht weit sein, haben doch Verwaltungen anderer Bezirke beziehungsweise Stadtteile erklärt, die Skulptur gern übernehmen zu wollen, erinnert Argumenty i Fakty.

Eine Ausnahme bildet hier das Verhalten von Pavel Novotný, Bürgermeister des Stadtteils Řeporyje im Bezirk Prag 13, und liefert eine mögliche Erklärung auch für das Verhalten der Bezirksverwaltung von Prag 6, das ansonsten jeglicher Logik entbehrt. Es war Novotnýs Initiative zusammen mit Pavel Žáček, in diesem Stadtteil ausgerechnet für die sogenannte "Russische Befreiungsarmee", deren prominenter Angehöriger der Überläufer General Andrei Wlassow war, ein Denkmal in diesem Stadtteil von Prag aufzustellen. Im Dezember 2019 wurde dieser Initiative im Kommunalrat des Stadtteils stattgegeben.

Der russische Außenminister Sergei Lawrow, der deutsche Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch-Seerhausen (links) und der Leiter der föderalen Archivagentur Andrei Archisow während der Eröffnung der Ausstellung

Einheiten der Wlassow-Armee kämpften ab dem Jahr 1942 für die Wehrmacht an der Ostfront. Teile von ihr waren der Waffen-SS unterstellt. Anlass für den Vorstoß Novotnýs war die Beteiligung von Teilen der Wlassow-Armee unter General Sergej Bunjatschenko am Prager Aufstand vom Mai 1945 gegen die dort noch aktiven Truppen Nazideutschlands. Mit dieser Beteiligung wollten sich die nunmehr zweifachen Überläufer bessere Konditionen für die US-Gefangenschaft, vielleicht sogar eine Unterstützung im Kampf gegen die Sowjetunion erkaufen. Als (ohnehin viel zu späte) Einsicht kann man diesen Schritt selbst bei sehr viel Wohlwollen kaum werten. Gemäß der Satzung des Nürnberger Tribunals sind die Angehörigen der "russischen Befreiungsarmee" legitim als Kriegsverbrecher anzusehen. Nicht zuletzt wegen ihrer überaus brutalen Vorgehensweise gegen Partisanen in ihren Einsatzgebieten. Daher trägt diese Huldigung durch einige Tschechen, die es 75 Jahre später besser wissen müssten, alle Züge von Geschichtsrevisionismus und dem Versuch, Nazi-Kollaborateure weißzuwaschen.

Dem tschechischen Außen- und Verteidigungsministerium, aber auch anderen politischen Gremien würde es demnach obliegen, die Bezirksverwaltung von Prag 6 umzustimmen, das Denkmal entweder an seiner alten Stelle zu belassen, es an einer ähnlich prominenten Stelle in Prag wiederaufzustellen oder es tatsächlich nach Russland zu überführen. Ihr angebliches Unvermögen diesbezüglich hinterlässt, in diesem Kontext betrachtet, bestenfalls große Verwunderung, wohl auch bei der Mehrheit der Tschechen.

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