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Studie über nicht-nuklearen Krieg zwischen NATO und Russland

Studie über nicht-nuklearen Krieg zwischen NATO und Russland
Russische Landstreitkräfte bei der Großübung Vostok-2018. (Symbolbild)
Ein britischer Thinktank hat eine Studie veröffentlicht, die sich einer künftigen kriegerischen Auseinandersetzung zwischen dem nordatlantischen Militärbündnis und Russland widmet. Die Autoren gehen davon aus, dass dieser Krieg mit konventionellen Waffen geführt und von Moskau gestartet wird.

Die von dem kleinen, aber in Großbritannien einflussreichen Thinktank "Human Security Centre" (HSCentre) produzierte Studie liefert wertvolle Hinweise darauf, wie Russland in bestimmten Kreisen wahrgenommen wird. Aufgrund solcher Wahrnehmungen werden entsprechende Pläne und Vorkehrungen getroffen, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Ob diese Wahrnehmungen korrekt sind oder nicht, wird jeweils immer am Ende der Geschichte beurteilt. Und diese historische Bewertung zeigt, dass die NATO in vielen Fällen falsch geplant hat – weil man die Situation falsch eingeschätzt und die verfügbaren Informationen ebenso falsch bewertet hat. Was für absurde Dimensionen solche falschen Wahrnehmungen annehmen können, behandelte die New York Times in einem Artikel im Jahr 1983.

NATO-Übung

Solche Studien und Analysen, wie jene des HSCentre, finden oft Eingang in die Pläne von Regierungen und den entsprechenden Ministerien, um bei bestimmten Themen auf die vermeintliche Expertise solcher Denkfabriken zurückzugreifen. Ob die Empfehlungen solcher Studien, oder auch nur Teile daraus, auch übernommen werden, ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Aber die gesamte Daseinsberechtigung solcher Denkfabriken basiert darauf, dass sie ihre Produkte an Regierungen oder regierungsnahe Organisationen verkaufen können. Und die Zahl solcher Denkfabriken, 1.835 in den USA und 1.770 in Europa, deutet darauf hin, dass deren Arbeit sehr gefragt ist.

Die vom HSCentre produzierte Studie "Fire and Ice: A New Maritime Strategy for NATO´s Northern Flank" widmet sich der Frage, wie ein potenzieller Krieg zwischen der NATO und Russland aussehen und wo sich dieser höchstwahrscheinlich abspielen könnte. Aufgrund der provozierten Selbstzerstörung durch den MAD-Effekt (Mutual Assured Destruction = gegenseitig gesicherte Zerstörung oder auch als "Gleichgewicht des Schreckens" bekannt) gehen die Autoren nicht davon aus, dass Nuklearwaffen eingesetzt würden. Stattdessen würde der Schwerpunkt auf den Einsatz von Flugzeugträgern, Bombern, U-Booten und ballistischen Raketen liegen; ganz so, wie man es schon im Kalten Krieg immer wieder durchgespielt hat. Das Einzige, was sich, abgesehen von der technologischen Entwicklung und Zerstörungskraft der Bomben, verändert hat, ist die Geografie.

Damals wie heute soll die Aggression natürlich von Russland ausgehen, da ist man sich einig. Lediglich der Ort des Geschehens hat sich weiter nach Osten verlagert. Statt der berüchtigten Fulda-Lücke ist es jetzt die Suwalki-Lücke zwischen Polen und Litauen in der Nord-Süd-Achse und der russischen Exklave Kaliningrad und Weißrussland von West nach Ost. Obwohl die Studie zwar festhält, dass der "russische maritime Standpunkt grundsätzlich ein defensiver ist", ist man sich trotzdem sicher, dass die Aggression von Russland ausgehen wird.

Das "Konfliktszenario" für einen militärischen Konflikt sieht vor, dass im "Frühling 2024" nach der "unsauberen Wahl von Putins gesalbten Nachfolger" Proteste in Moskau ausbrechen. Der Nationalgarde gelingt es, die Erstürmung wichtiger Regierungsgebäude durch Demonstranten zu verhindern, doch landesweite Proteste dauern an. Um einen blutigen Konflikt gegen die eigene Bevölkerung zu vermeiden, entscheidet sich die neue Regierung, den lange geplanten "kontrollierten Konflikt" mit der NATO aus der Schublade zu holen. Der Startschuss dafür soll im Baltikum mit der Eroberung von Estland, Lettland und Litauen fallen, nachdem es zuvor zu einer "Serie von Anschlägen unter falscher Flagge gegen Moskaus Interessen" gekommen ist.

Für Dienstleistungen rund um die Erprobung von Kriegsszenarien gibt es eine starke Nachfrage.

Dass genau dieses Szenario als Auslöser für einen Krieg zwischen der NATO und Russland ausgesucht wurde, ist kein Zufall. Denn HSCentre ist davon überzeugt:

Grundsätzlich muss verstanden werden, dass die Priorität der russischen Sicherheitspolitik nicht die Sicherheit von Russland ist. Vielmehr ist es die Aufrechterhaltung des Regimes. Während das an sich keine Gefahr für den Westen darstellt, lässt ein toxischer Mix von Paranoia und Überlebensinstinkt die Tür offen, um Russlands interne Probleme auf die internationale Bühne überzuschwappen.

Das strategische Kalkül dahinter soll laut den Autoren des HSCentre sein, dass sich Moskau mit der Besetzung von drei NATO- und EU-Ländern eine bessere Ausgangslage für Verhandlungen mit Brüssel und Washington ausrechnet, um die bestehenden Sanktionen loszuwerden. Man ist sich dessen in London bewusst und zitiert dafür auch die RAND-Studie aus dem Jahr 2016, dass russische Truppen in nur 60 Stunden alle drei baltischen Hauptstädte erobert haben könnten, ohne dabei auf irgendwelchen nennenswerten Widerstand seitens der NATO zu treffen. Aus diesem Grund fordert das HSCenter eine neue maritime NATO-Strategie, um für solche Eventualitäten besser vorbereitet zu sein. Dabei fiele insbesondere Großbritannien eine entscheidende Rolle zu, um mit ihrer bestehenden und neuen Flotte von Flugzeugträgern die Front auf die Arktis auszuweiten, um die Konzentration von russischen Kräften an der baltischen Front auszuhebeln. Außerdem soll das Augenmerk auf den massiven Ausbau von offensiven Land- und Luftstreitkräften der NATO gelegt werden.

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