icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Britische Justiz: Mehr Lebenslängliche als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen

Britische Justiz: Mehr Lebenslängliche als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen
(Symbolbild) Ein Gefängniswärter in der Cookham Wood Young Offenders Institution in Rochester, Südengland, am 16. Januar 2014.
Laut einem neuen Bericht der Organisation Prison Reform Trust hat das Vereinigte Königreich mehr Gefangene, die lebenslange Haftstrafen verbüßen, als jedes andere Land in Europa. Politiker und Organisationen fordern eine Reform.  

Im Vereinigten Königreich gibt es laut einer Studie der Organisation Prison Reform Trust 8.554 Häftlinge, die lebenslange Haftstrafen verbüßen. Das sind mehr als in Frankreich, Deutschland und Italien zusammen. Prison Reforn Trust fordert ein deutliches Umdenken bei der Verurteilungspolitik, mit dem Hinweis, dass sie "aus dem Ruder laufe". Die bisherige Praxis habe zu einer Krise mit überfüllten Gefängnissen geführt.

Die britischen Liberaldemokraten sagten dazu, dass "ernsthafte Fragen gestellt werden müssen", warum das Vereinigte Königreich die höchste Zahl von Gefangenen auf dem Kontinent vorweise, die lebenslang verurteilt worden sind. Peter Dawson, Direktor des Prison Reform Trust, erklärte, es gebe sowohl einen "moralischen" als auch einen "praktischen" Bedarf für Veränderungen.

Ein Polizist hält ein Messer über eine Auswahl gefährlicher Waffen, die von der Polizei von Lothian und Borders in der Polizeistation von St. Leonard in Edinburgh, Schottland, beschlagnahmt wurden.

"Die längeren Strafen, die wir gesehen haben, haben nichts bewirkt, um die Kriminalität zu reduzieren oder abzuschrecken", so Dawson gegenüber der britischen Zeitung Independent. Und weiter:

Wir haben in den letzten 25 Jahren außerordentlich schnell Gefängnisse gebaut. Wir hatten ein umfangreiches Bauprogramm, und doch haben wir immer noch dieses Problem der Überbelegung. Wir können uns keinen Weg aus dem Problem bahnen – wir müssen den Kurs ändern und darüber nachdenken, wie man die Zahl der Gefangenen reduziert.

Laut einer Analyse internationaler Zahlen aus dem Jahr 2016 durch Professor Dirk van Zyl Smit und Dr. Catherine Appleton führt das Vereinigte Königreich auch die Liste der europäischen Länder für den Anteil der Bürger an, die lebenslange Haftstrafen verbüßen, mit 13 pro 100.000 Einwohner. Die Kriminologen der University of Nottingham führten die Arbeit im Rahmen des jährlichen "Bromley Briefings"-Berichts des Prison Reform Trust durch.

Mehr zum Thema - Gegen Personalmangel bei britischer Polizei: Künstliche Intelligenz soll Täter ausfindig machen

Zum Vergleich: In Frankreich ist der Anteil der Bürger, die lebenslange Freiheitsstrafen verbüßen, mit nur 0,7 pro 100.000 Einwohner weitaus geringer. Auch in Russland ist die Rate mit nur 1,2 pro 100.000 Einwohner deutlich niedriger. Lebenslange Gefangene im Vereinigten Königreich machen mehr als 10 Prozent der gesamten Gefängnispopulation aus – das ist sogar höher als in den USA, wo der Anteil bei 9,5 Prozent liegt.

Neben den 8.554 Gefangenen, die in britischen Gerichtsbarkeiten, einschließlich Schottland und Nordirland, lebenslange Haftstrafen verbüßen, gibt es weitere 2.598 Personen, die andere Arten von unbefristeten Haftstrafen verbüßen. Die Freiheitsstrafe für den öffentlichen Schutz (IPP) – ohne feste Länge – wurde in England und Wales für schwere Fälle wie Totschlag und Vergewaltigung verhängt, wurde aber 2012 eingestellt. Eine ähnliche Art von unbefristetem Satz, bekannt als "Order for lifelong restriction", existiert in Schottland nach wie vor.

Die Verwendung unbestimmter Urteile in Großbritannien sei den Wissenschaftlern zufolge bei der Mehrheit der internationalen Vergleiche schlichtweg aus dem Ruder gelaufen. Sie stehe zudem auch im Widerspruch zu ihrem eigenen historischen Ansatz bei der Verurteilung für die schwersten Verbrechen. Diese Dissonanz werfe ernste und dringende Fragen sowohl für die Regierung und das Parlament als auch für die Strafvollzugsbehörden auf.

Mehr zum ThemaPalantir-Dossier: IT der Sicherheitsbehörden – US-Anbieter auf dem Vormarsch – Teil 1

 

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen