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Im Netz der Mafia: Razzia gegen 'Ndrangheta, Ermittlungen gegen Polizei-Beamte

Im Netz der Mafia: Razzia gegen 'Ndrangheta, Ermittlungen gegen Polizei-Beamte
Im Zuge der großangelegten Razzia wurde auch diese Eisdiele im Zentrum Duisburgs durchsucht
Am Mittwoch schlugen die Ermittler in einer koordinierten Aktion gegen die italienische ’Ndrangheta in NRW zu. 90 Mafiosi wurden dingfest gemacht. Jetzt stellte sich heraus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen.

In einer über die deutschen Landesgrenzen hinweg koordinierten Aktion wurden in den vergangenen Tagen etwa 90 Tatverdächtige festgenommen und bis zu 4.000 Kilogramm Kokain sowie 140 Kilogramm Ecstasy-Pillen beschlagnahmt. Allein in Deutschland wurden nach Angaben des leitenden Oberstaatsanwalts von Duisburg, Horst Bien, 14 Verdächtige Mafiosi in Gewahrsam genommen.

Schlag gegen die 'Ndrangheta: 90 Festnahmen, Millionen beschlagnahmt

Insgesamt werde im Rahmen der Operation mit dem Codenamen "Pollino" in Deutschland in einem laufenden Verfahren gegen 47 Beschuldigte ermittelt. Seit Mittwochmorgen seien in der Bundesrepublik 65 verdächtige Objekte durchsucht worden. Bien zufolge wurden vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Bundesländern insgesamt Vermögenswerte in Höhe von rund fünf Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Operationen waren rund 440 Beamte beteiligt, sagte Christian Hoppe, Leitender Kriminaldirektor des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Ermittlungen gingen aktuell noch weiter, auch unter Teilnahme der Antiterroreinheit GSG9.

Eurojust-Vizepräsident Filippo Spiezia bezeichnete die Operation von Deutschland, Italien, den Niederlanden und Belgien als "außerordentlichen Erfolg". Möglich sei dies durch die Bildung eines gemeinsamen grenzüberschreitenden Ermittlerteams gewesen, das seine Arbeit bereits Anfang 2016 aufgenommen habe. Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho wies allerdings darauf hin, dass die 'Ndrangheta weiterhin stark und gefährlich sei: 

"Wenn wir glauben, wir haben die 'Ndrangheta ausgehoben, dann täuschen wir uns."

In der Tat scheint es sich bei dem erneuten Vorgehen gegen die weitverzweigte Mafia-Organisation um einen Kampf gegen Windmühlenflügel zu handeln. Schon seit Jahrzehnten ist die kalabrische Mafia in Deutschland aktiv und etablierte ihr Netzwerk "unter dem Radar" der Ermittlungsbehörden. Längst handelt es sich um ein strukturelles Problem, dem sich die Politik erst spät, nach Ansicht von Experten zu spät, entgegen stellte. Für nicht wenige Mafia-Größen entwickelte sich Deutschland so zum sicheren Hafen, und bereits seit Jahren warnen italienische Ermittler die deutschen Behörden vor der Infiltration wirtschaftlicher und politischer Strukturen durch die 'Ndrangheta.

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Dabei hat die vermeintlich "ehrenhafte Gesellschaft" wenig bis nichts gemein mit der Hollywood-Folklore à la "Der Pate". Es sind keine mondänen Anwesen, in denen die Mafiosi ihre Audienzen abhalten, Geschäfte abwickeln und den Daumen absenken über den einen oder anderen unseligen Zeitgenossen. Es sind Pizzerien wie in Puhlheim bei Köln, Eisdielen wie etwa in Viersen, oder Cafés wie unter anderem im Zentrum Duisburgs, die vom organisierten Verbrechen genutzt werden und nun der großangelegten Razzia anheimfielen. Trotzdem trugen gerade einige der Klassiker der Filmgeschichte sicherlich viel zur Faszination der Mafia bei. Zu einem Mythos, dem nun womöglich auch nordrhein-westfälische Beamte erlegen waren.

Großrazzia gegen Mafia in Italien und Deutschland - 200 Festnahmen (Archivbild)

Denn wie sich jetzt herausstellte ermitteln die Behörden in Nordrhein-Westfalen nebeher auch gegen Beamte. Demnach würden fünf Personen des Verrats von Dienstgeheimnissen bezichtigt. Konkret handelt es sich bei den Verdächtigen um zwei Polizisten, eine Regierungsbeschäftigte der Polizei, eine Mitarbeiterin der Stadt Wesseling und eine ehemalige Mitarbeiterin der Stadt Duisburg. Demzufolge sollen die Beschuldigten "behördliche Auskunftssysteme" genutzt haben, um Informationen an die Mafiosi durchzustechen. Zu der Frage, um welche Art von Informationen es sich dabei gehandelt habe, wollten die Ermittler nicht Stellung beziehen. Doch nach bisherigem Kenntnisstand hätten die Mafia-Informanten keinerlei finanzielle Gegenleistung erhalten. Auch die Ermittlungen seien dadurch vermutlich nicht gefährdet worden.

Unterdessen berichteten italienische Ermittler, dass im niederrheinischen Brüggen aus einem Restaurant und einer Eisdiele der Transport von Kokain aus Lateinamerika über Holland, Belgien und Deutschland bis nach Italien gesteuert worden sei.

Nach der Razzia lobte der italienische Staatsanwalt Giovanni Bombardieri Neuerungen in der deutschen Gesetzgebung: "Deutschland rüstet sich", sagte er in Anspielung auf die verbesserten Möglichkeiten, auf das Vermögen der Mafia zuzugreifen. Solche rechtliche Handhabe müsste in ganz Europa geschaffen werden.

Die 'Ndrangheta sei höchst gefährlich und die bedeutendste Organisation im internationalen Drogenhandel in Südamerika und Europa. Die Ermittlungen hätten der 'Ndrangheta demnach zwar einen Schlag versetzt, es werde aber nicht ihr Ende sein.

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