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Studie belegt: Altersbestimmungstests bei geflüchteten Minderjährigen liefern oft falsche Ergebnisse

Studie belegt: Altersbestimmungstests bei geflüchteten Minderjährigen liefern oft falsche Ergebnisse
Flüchtling in Schweden, 15. Dezember 2015.
Die Einführung der Altersbestimmungstests bei jungen Asylsuchenden in Schweden löste eine Debatte aus. Eine neue Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Fehlerquote zu hoch ist. Die Flüchtlinge wurden zu oft als volljährig eingestuft, mit negativen Folgen für ihren Schutzstatus.

Im International Journal of Legal Medicine wurde eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Chalmers-Universität Göteborg veröffentlicht, die sich mit den Alterbestimmungstests bei Flüchtlingen in Schweden befasst. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass bei rund 15 Prozent der getesteten jungen Männer ein Risiko von 33 Prozent besteht, dass diese fälschlicherweise als Erwachsene eingestuft werden. Das umgekehrte Risiko eines Erwachsenen als Kind eingeordnet zu werden, liegt hingegen bei sieben Prozent. 

Unter den rund 240.000 Asylsuchenden in den Jahren 2014 und 2015 waren 40.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die meisten davon: junge Männer aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Somalia, Eritrea, dem Irak und Äthiopien. Mehr als die Hälfte gaben an, jünger als 15 Jahre alt zu sein. Bei Ankunft der Geflüchteten gab es zunächst keine Altersbestimmungstests. Dann wurde die RMV-Behörde (Rättsmedicinalverket) in 2017 aufgefordert, solche Tests durchzuführen. 

Demonstration in Stockholm, 6. Mai 2018.

Den Minderjährigen fällt ein besonderer Schutz zu. Sie werden in speziellen Unterkünften untergebracht, und ein Vormund hilft bei Behördengängen. Sie können nur dann zurück in ihr Heimatland geschickt werden, wenn sie dort bei einem Familienmitglied leben können. Bei Erreichen der Volljährigkeit müssen die jungen Flüchtlinge die Unterkünfte verlassen und bekommen eine Bleibe zugewiesen. Da sich diese meist im weniger besiedelten Norden befindet, lehnen viele ab und werden obdachlos. Mit der Volljährigkeit gehen Negativbescheide der Migrationsbehörde (Migrationsverket) auf ihren Asylantrag einher. Nach drei Negativbescheiden ist Schluss, und der Geflüchtete muss zurück in sein Heimatland. Viele tauchen unter, um es nach Jahren erneut zu versuchen. 

Teure und aufwändige Tests mit fragwürdigem Ergebnis 

Die Altersbestimmungstests sind teuer und aufwändig. 2017 wurden 9.617 junge Männer und 337 Frauen den Altersbestimmungstests unterzogen, denn bei ihnen hatten die Behörden Zweifel bei der Angabe ihres Alters. Viele haben keine Papiere bei der Ankunft in Schweden bei sich und können sich nicht erinnern, je einen Geburtstag gefeiert zu haben.

Bei den Tests werden von der RMV-Behörde Weisheitszähne im Kiefer und die Knie geröntgt. Jeweils zwei Ärzte sind mit der Auswertung der Röntgenbilder befasst. Beide Radiologen müssen zu dem gleichen Ergebnis gelangen. Falls es keine Übereinstimmung zwischen den Ärzten gibt, gilt, dass das Knie/der Kiefer als "unreif" zu bewerten ist.

Mehr zum Thema Reportage: Schwedens ungewollte Kinder - Wohin mit den afghanischen Minderjährigen?

Bei den jungen Frauen wurde 2018 eine Änderung bei der Auswertung vorgenommen, nachdem eine neue Studie resultiert hat, dass junge Frauen oftmals reifere Knie haben als ihre männlichen Altersgenossen. Jetzt gilt hier: dass junge Frauen reife Knie und Kiefer haben müssen, um als volljährig eingestuft zu werden.

Schlafendes Flüchtlingskind in Gevgelija, Mazedonien, 18. Februar 2016.

Ein Zahn wird in acht Reifekategorien von A bis H (Stufe H gleich reif) eingestuft, ein Knie in fünf von 1 bis 5 (Stufe 4 und 5 gleich reif). Deutsche Wissenschaftler kamen bei 55 Prozent von 137 Fällen, in denen ein Knie als das eines mindestens 18-Jährigen kategorisiert wurde, zu dem Ergebnis, dass die Person minderjährig sein muss.

Die Studie im International Journal of Legal Medicine kritisiert, dass sich die Reife der Oberschenkelknochen in der menschlichen Entwicklung zeitlich vor der Reife der Kieferknochen ereignet und die Ergebnisse der Tests daher nicht eindeutig sein können. Einschränkend stellen die Wissenschaftler fest, es müssten Tests in größerem Umfang stattfinden, um eine eindeutige Fehlerquote zu ermitteln.

Die deutsche Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik empfiehlt, Ergebnisse aus Röntgenbildern des Kiefers, der Hand, des Handgelenks und des Schlüsselbeins zusammen zu betrachten, um auf ein möglichst genaues Ergebnis zu gelangen.

RT Deutsch-Reportage: Schwedens ungewollte Kinder - Wohin mit den afghanischen Minderjährigen?

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