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"Aus Europa in die Welt": Türkischer Präsident Erdoğan wirbt in Sarajevo für Stimmen

"Aus Europa in die Welt": Türkischer Präsident Erdoğan wirbt in Sarajevo für Stimmen
"Aus Europa in die Welt" steht auf dem Plakat auf der Bühne. Zum einzigen geplanten Wahlkampfauftritt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im europäischen Ausland kamen rund 20.000 Menschen in die Halle.
Tausende EU-Türken reisten am vergangenen Wochenende nach Sarajevo. Grund war der Auftritt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der einzige in Europa vor den vorgezogenen Wahlen am 24. Juni. An seine Anhänger hatte er eine klare Botschaft.

"Gott hat den Bosniaken Alija Izetbegović geschickt und den Türken Erdoğan", mit diesen Worten kündigte der bosnische Muslimführer Bakir Izetbegović am Sonntag in der ehemaligen Olympiahalle "Juan Antonio Samaranch" in Sarajevo seinen Gast aus Ankara an. Alija Izetbegović ist der Vater von Bakir und war der erste Präsident Bosnien-Herzegowinas nach dem Ende Jugoslawiens. Als dann der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan auf die Bühne trat, tobte der Saal. Laut bosnischen Medien versammelten sich rund 20.000 Menschen in der Halle, um den türkischen Ehrengast zu hören. Was offiziell als Arbeitsbesuch angekündigt war, wurde zu einem Wahlkampfauftritt mit klaren Botschaften an die Anhänger.

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"Seid Ihr bereit, den Terrororganisationen und ihren lokalen und ausländischen Handlangern eine osmanische Ohrfeige zu verpassen", fragte Erdoğan am Sonntag. "Seid Ihr bereit, mich mit einer Rekordzahl an Stimmen in der Präsidentschaftswahl zu unterstützen?" Bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 24. Juni gehe es um eine Entscheidung "für das nächste Jahrhundert unseres Landes".

Der ganzen Welt sollten die europäischen Türken ihre Stärke demonstrieren. Er forderte sie auf: "Gebt von Deutschland, Belgien, Österreich, den Niederlanden aus eine Antwort, die überall in Europa gehört werden kann."

Nach Angaben der Union Türkisch-Europäischer Demokraten (UETD), die diesen Auftritt in Zusammenarbeit mit Bakir Izetbegović und seiner Partei der demokratischen Aktion (SDA) organisiert hatte, waren rund 10.000 Besucher aus westeuropäischen Staaten gekommen. Die Hälfte davon sei aus Deutschland angereist.

Fast alle Hotels in der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas waren ausgebucht. Lokale Straßenverkäufer von T-Shirts und Schals mit dem Porträt des türkischen Staatschefs hatten alle Hände voll zu tun. Die Straßen in Sarajevo waren mit türkischen und bosnischen Flaggen übersät, überall in der Stadt hingen riesige Poster mit der Ankündigung des Besuchs. Im Juni 2017 hatte die Bundesregierung Wahlkampfauftritte von "Amtsträgern" aus Nicht-EU-Staaten verboten und damit auch dem türkischen Präsidenten ein klares Zeichen geschickt. Auch die Niederlande und Österreich - wo ebenfalls viele wahlberechtigte Türken leben - untersagten türkische Wahlkampfauftritte.

Meral Aksener, Parteichefin der oppositionellen Iyi-Partei, trifft am 4. Mai 2018 in einem lokalen Büro des Hohen Wahlausschusses in Istanbul ein.

"Zu einer Zeit, in der glorreiche europäische Länder, die behaupten, die Wiege der Demokratie zu sein, versagt haben, hat Bosnien-Herzegowina gezeigt, dass es wirklich demokratisch ist, indem es uns ermöglicht, uns hier zu treffen", sagte Erdoğan in Anspielung auf die Verbote der Auftritte.

Die Rede des Gastes vom Bosporus dauerte lediglich 40 Minuten, sorgte aber trotzdem für gespaltene Reaktionen. Während sich die einen über den steigenden Einfluss Ankaras in Bosnien-Herzegowina freuen und auf die stetigen Investitionen der Türkei verweisen, befürchten andere eine weitere Spaltung innerhalb des Landes selbst und eine Entfremdung von der Europäischen Union. 

Der bosnisch-muslimische Oppositionspolitiker Sadik Ahmetović sagte gegenüber lokalen Medien, Erdoğans Wahlkampf-Show gefährde die Souveränität Bosniens und schädige dessen internationales Ansehen. 

Befürworter des Besuchs führen indes an, dass Ankara im letzten Jahr über 300 Millionen Euro ins Land investiert habe. Das Großprojekt der Zukunft - Autobahn von Sarajevo bis zur serbischen Hauptstadt Belgrad - deutet auf weiteres Geld für den kleinen Westbalkan-Staat (rund 3,5 Millionen Einwohner) aus Ankara hin. Die Türkei finanziert das rund drei Milliarden Euro teure Projekt, teils mit Zuwendungen teils mit Krediten.  

In einem Punkt jedoch sind sich beide Seiten einig: Dieser Auftritt wird sicherlich dem bosnischen Muslimführer Bakir Izetbegović bei den Parlamentswahlen im September dieses Jahres Stimmen bringen. Auch für ihn, der dies organisiert hat, war es eine Art Wahlkampfauftritt. 

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