"Marodes Uralt-AKW": Schweizer Atomkraftwerk nahe deutscher Grenze darf wieder ans Netz

"Marodes Uralt-AKW": Schweizer Atomkraftwerk nahe deutscher Grenze darf wieder ans Netz
Das Kernkraftwerk Beznau, kurz KKB, befindet sich auf der künstlichen Aare-Insel Beznau in der Gemeinde Döttingen (Kanton Aargau, Schweiz). Es galt noch bis 2017 als das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt.
Nach aufwendigen Materialuntersuchungen sagt der Betreiber eines der ältesten Kernreaktoren der Welt, die Anlage sei sicher. Der Reaktor in der Schweiz wird nun wieder hochgefahren. Atomkraft-Gegner zeigen sind indes entsetzt.

Drei Jahre nach der Entdeckung von fast 1.000 etwaigen Schwachstellen darf Block 1 des Schweizer Kernkraftwerks Beznau unweit der deutschen Grenze wieder ans Netz. Der Betreiber habe detailliert nachgewiesen, dass die 2015 entdeckten Materialschäden am Stahl des Reaktordruckbehälters die Sicherheit nicht negativ beeinflussten, teilte die Nuklearaufsichtsbehörde ENSI am Dienstag mit.

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Der Betreiber Axpo will die Anlage nach eigenen Angaben nun wieder hochfahren. Ende März solle wieder Strom produziert werden. Angestrebt wird eine Laufzeit bis etwa 2030. Beznau 1 ist 1969 ans Netz gegangen und damit einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt.

Die 925 fehlerhaften Materialstellen hatten eine Größe von fünf bis sechs Millimetern. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich um Aluminiumoxid-Einschlüsse handelte. Laut Axpo waren diese Stellen nicht während des Betriebs des Reaktors entstanden, sondern bereits beim Schmieden des Druckbehälters 1965 in Frankreich.

Die Grünen in der Schweiz bezeichneten die Genehmigung der Wiederinbetriebnahme als "höchst unverantwortlich".

Das marode Uralt-AKW kann niemals auf den aktuellen Stand der Sicherheitstechnik aufgerüstet werden", so die Grünen.

Sie riefen zu Protestkundgebungen auf. Laut Betreiber ist die Anlage aufgrund von Investitionen von 2,5 Milliarden Franken auf dem neuesten Stand der Technik.

"Marodes Uralt-AKW": Schweizer Atomkraftwerk nahe deutscher Grenze darf wieder ans Netz
Eine Luftaufnahme zeigt einen riesigen Wegweiser, der die Entfernung zum schweizerischen Kernkraftwerk Beznau zeigt. Der "Wegweiser" wurde von Greenpeace auf einem Feld auf der Zufahrt zum Flughafen Zürich bei Niederglatt, Schweiz, am 22. April 2016 aufgestellt.

Sprecher von Axpo betonten, dass der Nachweis der Sicherheit auf umfangreichen und beispiellosen Untersuchungen beruhe. "Es gibt weltweit kein einziges Stück Stahl, das je so detailliert untersucht wurde", sagte ein Axpo-Experte. Ein wichtiges Teil des Reaktordruckbehälters sei auf der Suche nach den Ursachen der Mängel unter den Bedingungen und mit den Verfahren der 1960er-Jahre eigens nachgebaut worden. Mehr als 100 technische Berichte seien anfertigt worden. Das Fazit laute: "Der Druckbehälter ist sicher", meinte ein Sprecher weiter.

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In der Schweiz gibt es fünf Kernkraftwerke. Sie verfügen über eine unbefristete Betriebsbewilligung und dürfen so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Ziel der "Energiestrategie 2050" ist der allmähliche Ausstieg aus der Kernkraft. Laut Axpo liefern die Kernkraftwerke im Winter die Hälfte der in der Schweiz benötigten Energie.

Zusammen mit der Ersatzbeschaffung von Strom hat der Stillstand von Beznau 1 die Axpo nach eigenen Angaben rund 350 Millionen Franken (303 Millionen Euro) gekostet. Beim etwas später fertiggestellten Reaktor Beznau 2 hatte es keine Auffälligkeiten gegeben.

(rt deutsch/dpa)

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