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Interview: Iran alarmiert - Saudische Investitionen binden Pakistan näher an Golfregion

Interview: Iran alarmiert - Saudische Investitionen binden Pakistan näher an Golfregion
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (R) wird vom pakistanischen Premierminister Imran Khan in Islamabad empfangen.
Der Besuch des saudischen Kronprinzen in Pakistan ist laut der Expertin Sana Jamal der Beginn einer engeren Bindung Pakistans an die Golfregion. Dennoch will Pakistan von außen provozierte Konflike mit Iran vermeiden, die Sektierertum im Inland bewirken können.

von Ali Özkök

RT Deutsch hat mit der Journalistin und Expertin für regionale Angelegenheiten mit Sitz in Islamabad, Sana Jamal, gesprochen. Sie arbeitet für das Nachrichtenportal Gulf News und ist als Analystin beim pakistanischen Sicherheitsforschungsinstitut IRIA tätig.

Der saudische Kronprinz hat Pakistan besucht. Welches sind die Ergebnisse des Besuchs?

Insgesamt wurden sieben Absichtserklärungen im Wertumfang von etwas mehr als 20 Milliarden US-Dollar für verschiedene Bereiche unterzeichnet, darunter in den Sektoren Energie, Strom, Petrochemie und Rohstoffe.

Mitglieder der Taliban mit Fahnen zum Ausdruck eines vorübergehenden Waffenstillstands, Nangarhar Provinz, Afghanistan, 16. Juni 2018.

Es handelt sich um Absichtserklärungen, keine Abkommen. Warum war die pakistanische Euphorie trotzdem so groß?

Obwohl es keine sofortige wirtschaftliche Unterstützung für Pakistan bedeutet, hat es neue Perspektiven eröffnet, die Pakistan wieder zu einem Ziel für ausländische Investoren machen. Pakistan verfügt in den Golfstaaten, insbesondere in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, über mehr als drei Millionen qualifizierte und weniger qualifizierte eigene Arbeitskräfte. In Zukunft will Saudi-Arabien noch mehr Arbeitskräfte (aus Pakistan) ins Land holen.

Welche politischen Auswirkung könnten die saudischen Investitionsversprechen mit sich bringen?

Das Endergebnis ist, dass die saudische Entscheidung, sich mit riesigen Investitionen zu engagieren, sicherstellt, dass Pakistan näher an die Golfregion heranrückt.

Der Besuch fand inmitten großer Spannungen in der Region statt: Indien und der saudische Erzrivale Iran haben Islamabad beschuldigt, "militante" Gruppen zu unterstützen, die in den letzten Tagen Selbstmordattentate auf ihrem Boden verübt haben. Könnte Saudi-Arabien pakistanische Operationen unterstützen, in Zukunft aggressiver gegen den Iran und Indien vorzugehen?

Bezüglich Indien liegen die Probleme auf der Hand. Pakistan und Indien haben eine lange Geschichte von Spannungen, die durch vier Kriege und häufige Grenzscharmützel gekennzeichnet sind. Die derzeitige indische Regierung unter der Führung von Narendra Modi hat es Pakistan immer übel genommen, dass es engere Beziehungen zu Schlüsselländern unterhält, sei es zu den USA, China, Russland, Saudi-Arabien oder sogar zur Türkei, als Indien selbst. In diesem Konflikt spielt auch der Punkt eine Rolle, dass sich Pakistan entschieden gegen die wachsende Rolle Indiens in Afghanistan ausspricht und alles dafür tut, um Indiens Einfluss zu begrenzen. Außerdem wirft Islamabad der indischen Seite vor, einen Aufstand in Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa zu schüren.

Der Iran wiederum befürchtet, wie schon in der Frage aufgegriffen, dass die neuen pakistanisch-saudischen Beziehungen gegen Teheran gerichtet sind. Das Dilemma für Teheran ist, dass es sich mit Indien verbunden hat, welches in den letzten Jahren eine enge Kooperation mit Israel einging, einem Staat, der in direkter Opposition zur iranischen Führung steht. Irans Position ist nicht besonders stark gegenüber Pakistan und man möchte keine Konfrontation riskieren.

Inwiefern ist die Terrorkritik aus Teheran und Neu-Delhi gerechtfertigt?

Nach dem Terroranschlag in Kaschmir kam es in indischen Städten zu gewalttätigen Protesten (Jammu, 15. Februar).

Im Falle Indiens ist fast immer die Rede "von Pakistan gesponsert", wenn es eine terroristische oder militante Aktion im Land gibt. Im Falle Irans hat man hinsichtlich terroristischer Aktivitäten dann eher Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate im Visier, die Erzfeinde der iranischen Regierung. Iran, selbst mehrheitlich schiitisch geprägt, aber mit einer großen sunnitische Minderheit im pakistanischen Grenzgebiet, fürchtet sich vor dem pakistanischen Einfluss auf die Sunniten seines Landes. Beide Länder haben eine gemeinsame Grenze in Belutschistan mit einer sunnitischen Bevölkerung, die auf beiden Seiten der Grenze verteilt leben.

Belutschistan ist aber auch eine Region, die für Pakistan Herausforderungen birgt, die man nicht unnötig reizen möchte. Sinnbildlich für die Gefahren in der Region ist ein Anschlag im iranisch-pakistanischen Grenzgebiet durch Kämpfer am 14. Dezember 2018 gewesen, die sechs pakistanische Soldaten töteten.

Pakistan betrachtet die Aktivitäten in der Region als "Verschwörung" von außen mit dem Ziel, eine Spaltung zwischen den verschiedenen islamischen Glaubensgruppen zu provozieren. Anders als Iran heute, gab Pakistan damals dem Iran nicht direkt die Schuld für den Angriff.

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Die iranische Revolutionsgarde drohte nach einem tödlichen Angriff auf ihre eigenen Truppen: Wenn Pakistan nicht beginnt, Terroristen an seinen Grenzen zu bekämpfen, werden iranische Sicherheitskräfte aktiv. Ist dies ein Hinweis darauf, dass der Iran auf der anderen Seite in Zukunft härter gegen Islamabad vorgehen könnte?

Symbolbild: Ausgetrockneter Rawal See in Islamabad, Pakistan, 8. Mai 2006.

Wir dürfen nicht vergessen, dass Pakistan auch ein Jahrzehnt des Terrorismus erlebt hat, was Tausende von Menschenleben gefordert hat, darunter unschuldige Schulkinder, Frauen, Zivilisten, Soldaten und Polizisten. Aber die pakistanischen Sicherheitskräfte führten eine Reihe von Operationen durch, um den Terrorismus von innen heraus zu eliminieren. Der Iran sollte ebenso Terroristen stoppen, wenn sie die iranisch-pakistanische Grenze überqueren, anstatt einer anderen Seite die Schuld für das eigene Fehlverhalten zu geben.

Doch wie bereits erwähnt, Pakistan und Iran würden einen asymmetrischen Konflikt nicht führen wollen, geschweige denn, davon profitieren können. Beide Seiten haben sowohl eine sunnitische als auch schiitische Bevölkerung. Beide Seiten würden sich ohne einen Vorteil schaden.

Indien beschloss, den Iran beim Ausbau seines Hafens Tschahbahar zu unterstützen, um eine alternative Logistikroute nach Afghanistan unabhängig von Pakistan zu etablieren. Droht die Isolation?

Pakistan ist letztlich nicht besorgt über die Beziehungen des Iran zu Indien, aber ebenso wenig sollte sich der Iran dann um die Beziehungen Pakistans zu Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten kümmern.

Pakistan hat die Moskauer Erklärung zu Afghanistan unterstützt und besteht darauf, dass der afghanische Boden nicht Ausgangspunkt für Aktivitäten gegen ein anderes Land wird, sei es gegen die USA, ein europäisches Land, Russland, Pakistan oder den Iran. Aber gleichzeitig kann Pakistan - wie jedes andere Land - nicht zulassen, dass andere Länder wie Indien oder Iran Pakistans eigene strategische Interessen in der Region untergraben. Die zunehmende Vernetzung Pakistans mit China, Russland, Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Malaysia zeigt, dass das Land nicht auf Wunsch einer anderen Regionalmacht isoliert werden kann.

Historisch gilt Pakistan als enger Verbündeter der USA. Das scheint sich unter Trump nun endgültig geändert zu haben. Heute gilt Indien als engster regionaler Partner Washingtons. Wie erklärt sich der Wandel?

Die USA unterstützen Indien, weil sie es als eine starke Regionalmacht betrachten, die die Interessen der USA in der Region - nicht nur in Süd- und Zentralasien, sondern auch im Südchinesischen Meer - gegen Peking wirksam vertreten kann. Andererseits hat Indien eigentlich immer nur die Russland- und China-Karte gut gespielt, um die USA für sich zu gewinnen. Es ist auch eine Tatsache, dass Indien einen großen Wirtschaftsmarkt bietet, und trotz so vieler Unruhen und Menschenrechtsverletzungen im indischen Jammu und Kaschmir, verschließt der Westen daher davor die Augen. Pakistaner wissen, dass niemand bereit ist, wirtschaftliche Interessen zu riskieren, da die indische Gesellschaft, wenn es sein muss, aufs Ganze geht und schwere Vergeltungsmaßnahmen ergreifen könnte.

Ein Kämpfer der afghanischen Taliban-Miliz durchsucht am 18. Juli 2017 einen Pendler im Bezirk Ahmad Aba am Rande von Gardez, der Hauptstadt der Provinz Paktia.

Es wird behauptet, dass sich die USA mit den Taliban darauf geeinigt hätten, einen Teil ihrer Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Wie bewerten Sie die Aussichten?

Wir sind uns noch nicht sicher, ob die US-Beamten bereit sind, alle Truppen aus Afghanistan abzuziehen, was eine zentrale Forderung der Taliban ist. Der Abzug einer bestimmten Anzahl von etwa 1.000 oder 8.000 Soldaten aus Afghanistan kann zu einer Spaltung innerhalb der Taliban führen, auf die die USA setzen, oder aber ihre Positionen verschärfen, da die Meisten einen vollständigen Abzug der ausländischen Truppen fordern.

Aber die Tatsache, dass es eine Vereinbarung gibt, dass "bewaffnete Aktionen" nicht die Lösung für die Afghanistan-Krise sein können und die Afghanen ihre Zukunft selbst regeln sollten, bestätigt, dass es eine Win-Win-Möglichkeit für alle gibt. Frieden in Afghanistan wäre zweifellos ein Sieg vor allem für die Afghanen, dann für Pakistan, den Iran und alle seine zentralasiatischen Nachbarn sowie Russland. Auch China ist an einem langfristigen Frieden interessiert, da er auch dem chinesishcen CPEC-Wirtschaftsprojekt mit Pakistan zugute käme.

Vielen Dank für das Gespräch!

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