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Libyen-Krieg: Frankreich und Italien kämpfen um Marktanteile für ihre Energiekonzerne

Libyen-Krieg: Frankreich und Italien kämpfen um Marktanteile für ihre Energiekonzerne
Mitglieder der Libyschen Nationalarmee (LNA) unter General Haftar winken am 14. Januar 2017 von einem Panzer. Das Bild wurde in der Nähe von Bengasi aufgenommen.
Die Offensive des von Frankreich unterstützten General Haftar ist zum Scheitern verurteilt, erklärt der Analyst Abdulkader Assad im Exklusiv-Interiview mit RT Deutsch. Vor allem aber konkurrieren Paris und Italien um Einfluss und Zugriff auf Energiequellen.

von Ali Özkök

Abdulkader Assad ist ein libyscher Politikanalyst und Journalist aus Tripolis, der sich auf geopolitische Fragen mit Libyen-Bezug spezialisiert hat. Er ist unter anderem für den Libya Observer als Kolumnist tätig.

Italien wirft Frankreich vor, die Offensive von General Haftar auf Tripolis zu unterstützen. Welches Interesse hat Paris an einer Zusammenarbeit mit Haftar?

Das stimmt, Frankreich musste in der Vergangenheit zugeben, dass es aufseiten der Haftar-Truppen im Osten des Landes Militärexperten stationiert hat, nachdem vor über zwei Jahren bei einem Hubschrauberabsturz über Bengasi drei Franzosen getötet wurden. Trotzdem dementiert Frankreich offiziell eine richtige Militärpräsenz.

Frankreich und Italien streiten sich um dasselbe wie Tripolis und Haftar: Einfluss. Italien hat Interesse an der westlichen Region, da es die Drehscheibe für illegale Migranten ist, und Frankreich ist an den ost- und südlibyschen Ressourcen interessiert. Natürlich ist das Ganze Teil des Interesses, Marktanteile für ihre Ölgiganten Eni und Total zu sichern.

Frankreich fühlt sich auch von der Regierung im Westen ausgeschlossen, die sich hauptsächlich mit Italien, den USA und dem Vereinigten Königreich verbündet, weshalb sich Paris für die Unterstützung der Militärs im Osten Libyens entschieden hat. Außerdem unterstützte Frankreich den Vormarsch Haftars auf die südwestlichen Regionen Libyens.

Haftar hat eine Offensive gegen Tripolis gestartet. Wie schätzen Sie seinen militärischen Erfolg ein, und wo sehen Sie Hindernisse?

Solange Haftars Streitkräfte ohne ausländische Hilfe bleiben, wird die Offensive auf Tripolis scheitern. Der Grund ist einfach. Im Falle von Tripolis kämpfen nicht nur lokale Truppen gegen Haftar, sondern auch Einheiten aus Misrata, Zintan, Zliten und anderen Städten wie az-Zawiya. Diese Einheiten übertreffen die ostlibyschen Einheiten Haftars deutlich.

Milizen in Misrata machen sich bereit, um Tripolis bei der Abwehr der Offensive des Feldmarschalls Chalifa Haftar zur Hilfe zu eilen.

Dies ist mit der Tatsache verbunden, dass die Versorgungslinien von Haftars Streitkräften nicht aufrechterhalten werden können. Seine Streitkräfte werden von Brigaden aus Misrata und den Brigaden der Tripolis-Schutzkräfte unter dem Kommando der Regierung der Nationalen Einheit, kurz GNA, umzingelt.

Zu den wichtigsten Hindernissen für Haftars Streitkräfte gehört auch das Scheitern seines Plans, in den westlichen Städten Libyens lokale Unterstützung zu gewinnen. Beim Einmarsch in die erste Stadt, in die seine Streitkräfte am vergangenen Donnerstag eingedrungen sind, Gharyan, war das noch anders. Seine Streitkräfte rückten friedlich in Gharyan ein, indem sie ein Abkommen über soziale und militärische Fragen in der Stadt schlossen und Konzessionen machten. Chalifa Haftar versuchte, in zwei anderen wichtigen Städten, namentlich az-Zawiya und Tarhuna, auf die gleiche Weise vorzugehen. Von beiden Städten wurde er abgewiesen. Seine Truppen werden nun von den GNA-Kräften an allen Frontlinien im Süden von Tripolis und an der Heera-Frontlinie bei Gharyan umschlossen. 

Tripolis hat keine Armee, auf die es setzen kann. Wie wird die Verteidigung von Tripolis organisiert?

Es stimmt, dass Tripolis keine Armee hat, aber die Streitkräfte, die jetzt unter dem Kommando der GNA kämpfen, haben in den letzten zwei Jahren dem Innenministerium in Tripolis und dem Generalstab die Treue geschworen, sodass jetzt die Kämpfe gegen Haftar diese verschiedenen Einheiten einen. Sie sind vereint unter der ausgerufenen Operation namens "Vulkan der Wut", um die von Haftar angeführten Putschisten zu bekämpfen, wie der GNA-Premierminister Fayiz as-Sarradsch es ausdrückte.

Wie wichtig ist die Involvierung der Region Misrata in die Kämpfe für das militärische Überleben von Tripolis?

Misratas Rolle ist die einer "Einschüchterungskarte", was bedeutet, dass die Tatsache, dass die Region etwa 40 bewaffnete Brigaden in die Hauptstadt geschickt hatte, einen sehr positiven Einfluss auf die Moral der Kämpfer an der Front hatte. Zeitgleich schreckten diese Einheiten die Angreifer ab. Nach den ersten Tagen zu urteilen, war die Wirkung auch nicht verfehlt. Wie es scheint, waren Haftars Kräfte überrascht und rechneten nicht mit so großem Widerstand. Es war nicht das, was den Haftar treuen Einheiten beim Angriff auf die Hauptstadt versprochen wurde.

Libyen-Krieg: Frankreich und Italien kämpfen um Marktanteile für ihre Energiekonzerne

Immer wieder wird gesagt, dass die Türkei und Katar Milizen in Tripolis und Misrata unterstützen. Auf der anderen Seite sind auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten in Libyen aktiv. Wer unterstützt wen?

In allen Ländern des sogenannten Arabischen Frühlings gibt es ausländische und regionale Machtkämpfe. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Saudi-Arabien sind die Verfechter von Gegenrevolutionen in der arabischen Welt. Und diese Agenda verfolgen sie in jeder Situation.

Was die libysche Situation betrifft, so können die Berichte und Studien der Vereinten Nationen und des Westens bestätigen, dass diese drei Länder an der Unterstützung der Haftar-Truppen durch logistische, finanzielle und militärische Hilfe beteiligt sind. Erst kürzlich wurde Chalifa Haftar vom saudischen König und Kronprinz Mohammed bin Salman eingeladen. Hinzu kommen zahlreiche Treffen der Vereinigten Arabischen Emirate mit Haftar.

Was die Türkei und Katar betrifft, so kann niemand leugnen, dass auch sie in den Ländern des Arabischen Frühlings engagiert sind, aber zumindest in Libyen ist nicht bewiesen, dass sie den Streitkräften in Misrata oder Tripolis militärische Unterstützung geliefert oder eine Luftwaffenbasis gebaut haben, um Libyer in ihrem eigenen Land zu bekämpfen, wie es die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten in Bengasi und Derna getan haben. Worüber wenig geredet wird: Im ostlibyschen al-Chadim haben die Emirate eine illegale Luftwaffenbasis aufgebaut.

Wie bewerten Sie die US-Position in Libyen?

Die gegenwärtige Haltung der USA ist sehr kompliziert. Wir alle wissen, dass Haftar auch US-Staatsbürger und ein Aktivposten der CIA ist, aber in den letzten Monaten haben sich die USA von ihm gelöst. Noch bei seinen Offensiven auf Bengasi und Derna wurde Haftar aktiv unterstützt. Allerdings ist es schwer für die USA, noch dem UN-Friedensprozess zu folgen, wenn man Haftar fördert. Deshalb entschied man sich, lieber auf Distanz zu gehen.

Nach meinem eigenen Wissen ist der eigentliche Grund für die Distanzierung Washingtons Haftars eigensinniges Verhalten. Er verärgerte die USA, indem er selbst gegenüber den USA ein doppeltes Spiel gespielt und nicht immer sofort auf die US-Anweisungen gehört hat.

Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten in Libyen eine Luftwaffenbasis zur Unterstützung von Haftar. Welches Ziel verfolgt Abu Dhabi?

Loyale Streitkräfte der von den Vereinten Nationen unterstützten Einheitsregierung Libyens treffen am 6. April 2019 von ihrem Standort in Misrata aus in Tadschura, einem Küstenvorort der libyschen Hauptstadt Tripolis, ein.

Abu Dhabis offizielles Ziel in Libyen ist es, die Muslimbrüder und Islamisten zu bekämpfen, aber eigentlich wollen die Emirate alles unternehmen, um den Aufbau eines demokratischen libyschen Staates zu vereiteln. Demokratie ist nicht das, was die Vereinigten Arabischen Emirate, die selbst keine demokratischen Prinzipien verfolgen, in der Region suchen. Abu Dhabi war bereits in Ägypten und Tunesien erfolgreich, und wir werden sehen müssen, was sie in Algerien tun werden. Die idealsten regionalen Partner für die Emirate sind totalitäre Regime oder Militärregierungen, die auf ausländische Kooperation angewiesen sind.

Italien hat das Eni-Personal aus Libyen abgezogen. Droht Italien der Ausschluss von der Förderung der libyschen Energie?

Ich glaube nicht, dass Italien wirklich in Gefahr ist, vom Energiesektor in Libyen ausgeschlossen zu werden. Eni ist seit Langem in Libyen tätig, und die Tatsache, dass Rom seine Mitarbeiter aus Libyen abgezogen hat, ist eigentlich ein präventives Verfahren, da der Sicherheitsstatus für die Arbeitnehmer angesichts der Auseinandersetzungen nicht vorhersehbar ist.

Sind die Erwartung von Kämpfen und der Schutz von Eni Gründe, warum Rom eine militärische Präsenz in Misrata unterhält?

Nun, Italien ist schon länger militärische in Misrata präsent. Diese Präsenz wurde im Rahmen des Abkommens zwischen Libyen und Italien von 2008 beschlossen. Das Abkommen ermöglicht Italien, Experten zu entsenden, die libysche Kader in Bereichen wie Marine, Küstenwache und sogar bei der Wartung von Schiffsausrüstung unterstützen. Der Unterschied zwischen der italienischen und der französischen Präsenz besteht also darin, dass Rom ein Abkommen mit der Regierung in Tripolis unterzeichnete, während Frankreich eine geheime Präsenz zugunsten Haftars aufgebaut hat. Während es tatsächlich Haftar unterstützt, dementiert Paris offiziell, dass es Haftars Offensive beisteht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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