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Historischer Frieden am Horn von Afrika – Versöhnung zwischen Äthiopien und Eritrea

Historischer Frieden am Horn von Afrika – Versöhnung zwischen Äthiopien und Eritrea
Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed (l) heißt den Außenminister Eritreas, Osman Saleh, am Bole International Airport in Addis Ababa willkommen.
Einst gehörte Eritrea zu Äthiopien, nach Erlangung der Unabhängigkeit dominierten Krieg und Konflikte das Verhältnis beider Länder am Horn von Afrika. Doch die Feindschaft soll nun der Vergangenheit angehören, denn beide vereint eine jahrtausendealte Geschichte.

Das heutige Staatsgebiet Eritreas gehörte etwa ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. zum afrikanischen Reich Axum. Die Legende will es, dass sich in der gleichnamigen Hauptstadt des ehemaligen Kaiserreichs die sagenumwobene Bundeslade befinden soll. König Salomon selbst soll die Truhe demnach aus Jerusalem mitgebracht haben. Das besagt der äthiopische Nationalepos, der Kebra Negast („Vom Ruhm der Könige“) aus dem 14. Jahrundert. Dem Epos nach, stammte die in der Bibel erwähnte Königin von Saba aus dem heutigen Äthiopien.

Der bedeutende spätantike Staat umfasste neben Eritrea, Teile des heutigen Äthiopiens, des Sudans und des Jemen. Die allmähliche Ausbreitung des Islam in Nordafrika, läutete ab dem 7. Jahrhundert n.Chr. den langsamen Niedergang Axums ein.

Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed

Das ostafrikanische Gebiet weckte die Begierde vieler Reiche und Staaten, auch des faschistischen Italiens dass sich zur Kolonialmacht über das nunmehrige Abessinien aufschwang. Ein erster Anlauf zu dessen Unterwerfung während des Ersten Italienisch-Äthiopischen Krieges in den Jahren 1895 und 1896, endete mit einer verheerenden Niederlage Italiens.

Bereits am 1. Januar 1890 erließ Rom ein Dekret, mit dem verschiedene Volksgruppen am Roten Meer zur italienischen Kolonie Eritrea vereinigt wurden. Der Grundstein des späteren Konflikts zwischen Äthiopien und Eritrea war gelegt. Beim sogenannten Abessinienkrieg der am 2. Oktober 1935 ausbrach, handelte es sich um einen völkerrechtswidrigen Angriffs- und Vernichtungskrieg Italiens gegen das ostafrikanische Kaiserreich, bei dem das Mussolini-Regime auch auf den massiven Einsatz von Giftgas zurückgriff. Während des Zweiten Weltkriegs eroberte schließlich Großbritannien das ostafrikanische Gebiet Italienisch-Ostafrika.

Im Jahr 1950 verlängerte die Generalversammlung der Vereinten Nationen das britische Mandat über Eritrea. Im Jahr 1952 fiel Eritrea schließlich unter die Verwaltung der Vereinten Nationen, dass sich eine Föderation mit dem ehemaligen Kaiserreich Abessinien wünschte, um diese schließlich zu erzwingen. Sich auf das ursprüngliche Staatsgebiet berufend, hob Äthiopien die Autonomie Eritreas Stück für Stück auf – was den letzten Anstoß für den folgenden jahrzehntelangen Konflikt zwischen beiden lieferte, an dessen Ende die Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1993 stand. Fünf Jahre später kam es zum Krieg bei dem etwa 80.000 Menschen ihr Leben ließen. Nach Kriegsende im Jahr 2000 bleiben beide Staaten verfeindet, wobei vor allem ein Grenzdisput weiterhin für Zündstoff sorgt.

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Dies erklärt die Tragweite der Entwicklungen zwischen beiden Staaten. Am vergangenen Sonntag reiste nun der neue äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed ins Nachbarland, wo er in der Hauptstadt Asmara von Präsident Isaias Afwerki empfangen wurde – der erste Staatsbesuchs seit zwanzig Jahren. Auf Twitter verkündete Abiys Stabschef:

Unsere beiden Länder verbindet eine Geschichte wie keine andere. Wir können nun zwei Jahrzehnte des Misstrauens überwinden und uns in eine neue Richtung bewegen.

Am Montag unterzeichneten beide Staatschefs dann einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, wie der Informationsminister von Eritrea, Yemane Meskel, ebenfalls via Twitter mitteilte. Beide Seiten erklärten den Kriegszustand für beendet und vereinbarten eine umfassende Zusammenarbeit. Während des Treffens wurden Telefon- und Flugverbindungen wieder aufgenommen. Beide Länder wollen auch Botschaften in den jeweiligen Hauptstädten eröffnen.

Äthiopiens Regierungschef hatte nach seinem Amtsantritt Anfang April Reformen für sein von Unruhen erschüttertes Land und zugleich einen neuen Dialog mit Eritrea angekündigt. Anfang Juni erklärte die Regierungspartei, sie wolle ein Waffenstillstandsabkommen aus dem Jahr 2000 zwischen den beiden Staaten bedingungslos akzeptieren und umsetzen. Ende Juni trafen sich dann Delegationen beider Länder.

Dies ist die Zeit für Versöhnung“, hatte Abiy Ahmed erklärt.

Äthiopien mit seinen rund 100 Millionen Einwohnern zählt trotz raschen Wirtschaftswachstums UN-Statistiken zufolge noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Eritrea hat rund fünf Millionen Einwohner. In der deutschen Asylstatistik nehmen Flüchtlinge aus Eritrea einen vorderen Rang ein. Von Januar bis Mai dieses Jahres beantragten 3218 Eriteer Asyl in Deutschland, das war Rang sieben unter den Herkunftsländern.

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