Kafkaeske Prozesse - Verkommt Wikipedia zum Gesinnungspranger?

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Auf Wikipedia tobt ein Krieg der Autoren und Administratoren. Ist die Open-Source-Plattform ein Marktplatz für Gesinnungspranger geworden? Ein Erfahrungsbericht von Gastautorin Katrin McClean.

Ein Gastbeitrag von Katrin McClean

Bis vor wenigen Monaten hatte ich als Autorin mehrere Bücher und vieler Kinderhörspiele einen kleinen, bescheidenen Wikipedia-Eintrag, der in wenigen Zeilen auf ein Werk hinwies, das in vielen langen, teils recht mühsamen Jahren meines Autorenlebens erschaffen wurde. Das fand ich gut und richtig so. Ich fühlte mich von der Wikipedia als Person von öffentlichem Interesse geehrt und enthielt mich jeglicher Einwirkung

Seit Mai 2014 engagiere ich mich angesichts der erschreckenden Entwicklungen im Nahen Osten und in der Ukraine für eine friedliche Politik. Meine bisherigen Leistungen in diesem Engagement bestanden daraus, dass ich eine Handvoll Reden auf öffentlichen Kundgebungen hielt und dass ich aus Empörung über die einseitige Ukraine-Berichterstattung des Spiegel gemeinsam mit anderen Akteuren eine Protest-Demo vor dem Hamburger Verlagsgebäude organisierte.

Als es zwischen den neuen Friedensinitiativen, die 2014 entstanden waren, und der alten Friedensbewegung zu Missgunst und gegenseitigem Misstrauen auf beiden Seiten kam, versuchte ich eine Weile um gegenseitige Toleranz und Gesrpächsbereitschaft zu werben. Das hört sich nicht wenig an, ist aber im Verhältnis zu meinem bisherigen Leben immer noch eine eher kurze Episode.

Lars Mährholz auf der Berliner Mahnwache für den Frieden

Noch winziger waren im Verhältnis jene peinlichen und zum Glück kurzen Stunden, die ich auf einer Friedenskonferenz in Frankfurt erlebte. Ein langjähriger Aktivist aus der traditionellen Friedensbewegung hatte in einem Interview mit der TAZ seine Teilnahme an jener Konferenz infrage gestellt, weil da auch eine Frau engagiert sei, die eine Rede auf einer Bühne gehalten habe, auf der ein Redner geredet hatte, den er als „rechts“ einschätzte. Es handelte sich um mich.

Ein Kafkaesker Prozess

Leider hatte ich davon erst während meiner Anfahrt erfahren, sonst wäre ich wohl zu Hause geblieben. Die Diskussion, die es dann auch noch vor Ort um meine Person gab, war nicht nur mir peinlich und lenkte, wie vieles andere erfolgreich vom Kerngeschäft ab. Als Autorin, Hörspiel- und Theaterfrau, die kreative und produktive Prozesse gewohnt ist, empfand ich diese sogenannte Aktionskonferenz eher als einen lähmenden Kleinkrieg und war heilfroh, als es endlich vorbei war.

Umso entsetzter war ich, als ich Monate später feststellen musste, dass die Internet-Enzyklopädie Wikipedia nun die Hälfte meines Lebenswerkes jener unsäglichen Episode widmete. Als hätte ich in den letzten 50 Jahren eigentlich nur innerhalb weniger Stunden gelebt, wurde mein „neurechtes“ Gebaren zum Großereignis aufgebläht und dabei an eine Art Gesinnungspranger gestellt.

Durch Zitate, die entweder völlig aus dem Zusammenhang gerissen waren oder von anderen stammten und mir zugeschrieben wurden, entstand ein Bild, indem der arglose Leser nun eine rechtsextreme oder jedenfalls politisch äußerst fragwürdige Person sehen musste, mit der man lieber nichts zu tun haben sollte.

Die Absage-Drohung meines Widersachers wurde dabei zum politischen Großereignis aufgebläht, weshalb die Vermutung nahe lag, dass es sich hier um einen nachgelegten Angriff handelte.

Das Dumme ist, ich werde nie erfahren, ob daran etwas ist. Für Nichteingeweihte kurz zur Information: Die Plattform Wikipedia macht es jedem, der weiß, wie man eine Tastatur bedient, sehr leicht, zum Wikipedia-Autor zu werden. Einmal angemeldet, kann man Artikel erstellen oder vorhandene Artikel ergänzen. Von sogenannten Sichtungs-Administratoren wird die Einhaltung der Wikipedia-Regeln geprüft und dann der Beitrag oder Zusatz entsprechend freigeschaltet.

Die Regeln sind relativ klar, sie fordern Neutralität und für jede Information einen Beleg, der virtuell nachprüfbar sein muss. Dennoch war ganz offensichtlich, dass man in meinem Fall nicht besonders streng mit diesen Regeln umgegangen war.

Nun kann und sollte man hier erst einmal unmotivierte Nachlässigkeit vermuten. Dafür hat Wikipedia Eingriffsmöglichkeiten vorgesehen. Doch so einfach ist das nicht. Die Wikipedia ist für mich inzwischen so etwas wie die virtuelle Ausgabe des Gerichtsgebäudes aus Kafkas Prozess. Zumindest habe ich gespenstisch viele Parallelen zu spüren bekommen.

Ein negativer Wikipedia-Artikel kann wie bei Kafka einem vernichtenden Urteil gleichkommen. Freiberufliche Künstler, die auf ihr Renomé angewiesen sind, laufen Gefahr das Vertrauen ihrer Fans und Auftraggeber zu verlieren.

Als Betroffener kann man nun, ähnlich wie Josef K. im „Prozess“ versuchen, eine entsprechende virtuelle Tür zu finden, um in die „Schreibstube“ des Artikels zu gelangen und das vermeintliche Missverständnis aufzuklären.

Doch so wie im Kafkaesken Gerichtsgebäude erwartet den Beschwerdegänger die geballte Ladung struktureller Gewalt, für die, ebenfalls wie bei Kafka, selbstverständlich kein einziger Mensch persönlich verantwortlich ist, ja schlimmer noch, die personell nicht einmal sicht- oder greifbar ist.

Mein erster Versuch in meinen eigenen Artikel einzugreifen, endete mit einer „Vandalismus-Meldung“ und zeitlich befristeter Kontensperre. Ich hatte ein falsches Format genutzt. Nach einer Anfrage bei Wikipedia wurde mir der rechte Verfahrensweg aufgezeigt, und ich dazu ermuntert, auf einer Diskussionsseite für meine Persönlichkeitsrechte einzutreten. Hier geht man mit verschiedenen Autoren in Kontakt, die alle am selben Artikel schreiben, alle unter Pseudonym auftreten und auch nicht Autoren sondern „Benutzer“ heißen. Was ich besonders bedenklich finde, wenn ich mir vorstelle, dass fremde Menschen, die sich mir in keinster Weise zeigen müssen, quasi „maskiert“ Wikipedia „benutzen“, um meine Person darzustellen.

Hier konnte ich also das Pseudonym des Benutzers ansprechen, der die Frankfurter Konferenz als Hauptereignis in mein wikipedianisches Leben gebracht hatte. Ich nenne ihn hier kurz M. Nach der Ermunterung durch die Wikipedia-Service-mail wies ich ihn also auf die Unverhältnismäßigkeit der Erwähnung hin, sowie auf das falsche Zitieren. Schon bald empörte sich eine sogenannte „dritte Meinung“ Zitat:

„Ich finde es einigermaßen skandalös, wie hier jemand versucht, seinen eigenen Wikipedia-Artikel schönzuschreiben.“
Dabei hatte ich sogar ganz brav auf Formulierungsvorschläge verzichtet.

CNN/CIA-Karikatur. Quelle: http://therundownlive.com

Weitere Benutzer schalteten sich ein, solche, die den Zusatz von M verteidigten und solche, die auf meiner Seite standen. Interessant war, dass Ms Verteidiger jeden geringsten Anlass nutzten, um Regelverstöße zu melden, was für den jeweiligen Diskussionsgegner zeitlich befristetes „Klappe halten!“ bedeutet. Dabei nimmt man solche Verweise aus diplomatischen Gründen eher klaglos hin, weil man die Erfahrung gemacht hat, dass das persönliche Infragestellen eines anderen Benutzers sofort wieder als Regelverstoß geahndet wird.

Die Häufigkeit der geahndeten Regelverstöße galt M makabererweise dann noch als Beweis für besonders aggressives Verhalten.

Es wurde sehr deutlich, dass meine Gegner, die Wikipedia-Strukturen wesentlich besser und schneller beherrschten, um ihre Interessen durchzusetzen, und dabei eine Aggressivität an den Tag legten, die mir den Atem verschlug. So erhielt ein Benutzer für den Vorschlag, die unbedeutende Episode einfach aus dem Artikel zu streichen, die Antwort:

„Lösch doch einfach die entsprechenden Abschnitte bei Brigitte Bardot. Dann haben wir Grund für deine Sperre.“
Entnervt bat ich darum, den Artikel um meine Person einfach völlig zu löschen. Darauf erhielt ich folgende Maßregelung:
„Du bist für diese Enzyklopädie relevant und relevante Artikel werden nie gelöscht. Wenn du Fragen hast, oder Hilfe benötigst, dann wende dich an das Mentorenprogramm. Ich hoffe, dir den Ernst der Lage klargemacht zu haben, denn sollte es zu weiteren Verstößen gegen die Regeln kommen, wird vermutlich dein Benutzerkonto gesperrt.“
In der Konsequenz hätte ich dann keinerlei Mitsprache-Recht mehr auf meine Darstellung und jeder Wikipedia-Benutzer könnte weiter an der Demontage meiner Persönlichkeit arbeiten. Der Verweis auf das Mentorenprogramm war, eben genau wie bei Kafka, nur ein weiteres virtuelles Büro auf dem Weg in den Wahnsinn, das ich hier nicht weiter beschreiben werde.

Schließlich gelang es mühevoll, die schlimmsten Abwertungen meiner Person aus dem Artikel „heraus zu kämpfen“. Dennoch nehmen die negativen Bewertungen meiner Werke und meines Tuns nach wie vor einen großen und unverhältnismäßigen Teil des Artikels ein und es ist ganz offensichtlich, das hier jemand meinem Ruf schaden will.

Auf der Seite meines politischen Widersachers ist dagegen nicht das winzigste Anzeichen von Kritik seiner langjährigen politischen Tätigkeit als Antimilitarist zu lesen. Das finde ich bemerkenswert.

Nach dieser Episode habe ich mir verschiedene Wikipedia-Einträge von Menschen angesehen, die sich in letzter Zeit für Frieden bzw. die Aufklärung aktueller militärischer Konflikte eingesetzt haben. Als Autorin und Lektorin fiel mir auf, dass ich immer wieder auf dasselbe Vokabular stieß. Es war mir aus anderen Diskussionen reichlich bekannt, dass es aber auf Wikipedia bereits den Grad „lexikalischer Sachlichkeit“ erreicht, war mir neu und schockiert mich.

Die Argumente des wikipedianischen Gesinnungsprangers

Rechts ist böse

„Mangelnde Abgrenzung gegen rechts“, „rechte“ Tendenzen, „rechtspopulistisch“ – dieser Vorwurf wird immer so formuliert, dass der Leser schnell das Gefühl bekommen kann, der Betroffene hätte eine rechtsextreme Einstellung. Wenn linke Akteure vor einem starken Einfluss von rechts warnen, dann ist das implizit eine Warnung vor der Wiederkehr des Nazireiches, besonders im linken, also eher regierungskritischen Klientel erreicht man diese Assoziation schnell.

Die Zustände in der deutschen Linken nehmen teils orwell'sche Ausmaße an. Bildquelle: politicalmediareview.org

Das Fatale ist, dass derjenige, dem dieser Vorwurf gemacht werden kann, selbst absolut nicht rechtsextrem eingestellt sein muss. Es reicht schon das Befürworten konservativer Einstellungen, um von links als „rechts“ eingestuft zu werden. Da der Wunsch nach Frieden jenseits politisch-ideologischer Grenzen gehegt und verteidigt werden kann, laufen aber heute enorm viele Friedensaktivisten, also alle aus dem ideologisch mittigen oder konservativen Lager, Gefahr, in die Assoziationskette rechts-rechtsextrem-Neonazi zu geraten.

„Kontaktschuld“

Genauer betrachtet, ist der Vorwurf „rechts“ oder „neurechts“ zu sein also inhaltsleer. Um ihn zu erhärten, wird gern erwähnt, dass der Delinquent Kontakt zu Menschen hatte, deren „Rechtslastigkeit“ allgemein bereits als erwiesen gilt. Dabei gilt es praktisch als selbstverständlich, dass ein Mensch, über den Wikipedia das Urteil „rechts“ gefällt hat, als Persona non grata zu behandeln ist. Also als eine Person, der keinerlei Chance mehr gegeben wird, ihre Ansichten in einer Diskussion oder Debatte zu vertreten.

Es gibt Wikipedia-Einträge, die fast zu einem Drittel aus der bloßen Erwähnung von Kontakten bestehen, obwohl völlig klar ist, dass der Delinquent keinen weiteren Bezug zu jenen „rechten“ Kontaktpersonen hatte.

Anti-Semitismus

Anti-Semit ist laut Jutta Ditfurth jeder, der amerikanische Notenbanken kritisiert. Begründung: Weil man in Deutschland Juden nicht öffentlich beleidigen darf, kritisiert man die FED, meint aber in Wirklichkeit alle Juden dieser Welt. So hat sie es jedenfalls in ihrem berühmten 3-Sat-Interview dargelegt und so oder so ähnnlich wird es von ihr und anderen Gesinnungswächtern wiederholt. Die entsprechenden „Urteile“ werden dann gern von Wikipedia als Fakt übernommen.

Dabei ist die Logik dieser Argumentation absurd. Wo kämen wir hin, wenn jeder behaupten könnte, hinter einem wörtlichen Statement würde in Wirklichkeit ein ganz anderes stehen? Wenn ich verkünden würde: „Das Finanzamt sagt, ich soll Steuern zahlen, meint aber in Wirklichkeit, ich darf mein Geld behalten“, nähme mich doch auch niemand ernst.

Weiterhin dürfte sich bei den meisten Menschen die Einsicht durchgesetzt haben, dass Kritik an der Regierungspolitik Israels längst nichts mehr mit der Diskriminierung von Juden zu tun hat. Nur noch wenige ziehen diesen pauschalisierenden Kurzschluss. Umso erschreckender ist es, dass entsprechende Vorwürfe von Anti-Semtismus mit leichter Hand bei Wikipedia eingestreut werden.

Obwohl das virtuelle Lexikon sonst so vehement auf überzeugenden Belegen besteht, findet man beim Vorwurf des Anti-Semitismus so gut wie nie überzeugende Original-Zitate und als Quelle dienen in der Regel ausschließlich die Aussagen anderer. Und das bei einem der schlimmsten Vorwürfe, den man einer öffentlichen Person in Deutschland machen kann.

Das Diffamierungspotential solcher Kurzschlüsse ist gewaltig, vor allem, weil es heutzutage fast jeden betrifft, der sich ensthaft für Frieden einsetzt. Man kann sich nicht mehr für Frieden einsetzen, ohne die Politik der Banken zu kritisieren, insbesondere der Notenbanken. Und man kann auch nicht friedenspolitisch aktiv sein, ohne eine kritische Haltung gegenüber Israel einzunehmen, das inzwischen drittgrößter Waffenproduzent der Welt ist.

Verschwörungstheoretiker

Der Begriff wird in der Regel verkürzt verwendet und meint fast immer die „Verschwörungstheorie um den 11. September 2011“ Ich finde, hier zeigt Wikipedia sehr deutlich, dass es KEINE neutrale Wissensplattform ist: 9/11-Verschwörungstheoretiker sind bei Wikipedia alle, die die offiziellen Ermittlungsergebnisse „wonach das Terrornetzwerk al-Qaida die Anschläge plante und ausführte“ anzweifeln. Weiter sagt Wikipedia:

„Die wissenschaftliche Forschung weist sie (die Verschwörungstheorien) als haltlos zurück.“
Der 11. September: In vielerlei Hinsicht ein historisches Datum

Der zweite Satz ist schlichtweg falsch. Man kann hier nicht von DER wissenschaftlichen Forschung sprechen, es gibt zahlreiche wissenschaftlich arbeitende Forschungsgruppen zu 9/11, die unterschiedliche Ergebnisse veröffentlichen und einige von ihnen weisen die Zweifel an der offiziellen Version eben nicht zurück. Doch dank seiner eigenen Definition kann Wikipedia alle, die die Al Quaida-Version anzweifeln, als „nicht-wissenschaftlich“ aburteilen und mit dem Bann „Verschwörungstheoretiker“ belegen.

Anti-Amerikanismus

Scheinbar etwas harmloser aber immer noch sehr zugkräftig ist die Diffamierungsvokabel des „Anti-Amerikanismus“. Auch hier wird mit dem Nachhall deutscher Geschichte gearbeitet. Die Assoziation, wer die Befreiung vom Faschismus durch die USA nicht akzeptiert, muss zwangsläufig ein Nazi oder zumindest ein Ewig-Gestriger sein, scheint unausgesprochen noch immer zu wirken.

Auch hier steht der Friedensaktivist vor einem unlösbaren Problem. Wer sich ernsthaft für die friedenspolitischen Probleme unseres Planeten interessiert, kommt an einer kritischen Sicht auf das US-Militär gar nicht vorbei. Das lässt sich bei einer Regierung, die über fast die Hälfte des weltweiten Militärbudgets ganz allein verfügt und mit etwa 800 Militärbasen auf dem ganzen Globus vertreten ist, einfach nicht vermeiden.

In seiner Gesamtwirkung ist das Diffamierungsvokabular des wikipedianischen Gesinnungsprangers politisch unglaublich wirksam, weil es bei jedem, der sich ernsthaft für Frieden einsetzt, wenn nicht in allen so doch mindestens in ein oder zwei Punkten zutreffen muss.

Zahlreiche Künstler, Wissenschaftler und Publizisten stehen derzeit bei Wikipedia an solchen Gesinnungsprangern und werden so mehr oder weniger stark in ihren Wirkungsmöglichkeiten geschwächt. Freiberuflern kann das im schlimmsten Fall die Karriere zerstören, da ihre Auftraggeber das Vertrauen in sie verlieren.

Es erscheint mir unrealistisch zu glauben, dass all diese diffamierenden Artikel, deren Wortlaut bzw. Argumentationsmuster sich so auffällig gleichen, nur durch das spontane Wirken von Einzelakteuren entstanden sind.

Ebenso habe ich große Zweifel, dass die deutsche Wikipedia, die neben all ihren freiwilligen „Benutzern“ auch ein paar hauptamtliche Administratoren beschäftigt, so gar nichts von diesem Treiben wissen sollte. Ob es hier nur um stillschweigende Duldung oder ein aktives Einwirken geht, mag ich nicht beurteilen.

Am meisten erschreckt mich das unglaublich diktatorische und respektlose Verhalten, das mir während meiner Artikel-Diskussion begegnet ist. Ich wurde bedroht, eingeschüchtert und verhöhnt, auch permanent geduzt, während ich konsequent siezte. Die Vorgehensweise gleicht meiner Meinung nach völlig jener Struktur der verdeckten Gewalt, die Kafka im Vorfeld des Ersten Weltkrieges beschrieb. Wenn anonyme Kräfte Friedensaktivisten an öffentliche Gesinnungspranger stellen, dann sind nicht nur Meinungsfreiheit und Demokratie gefährdet. Dann wird vor allem auch das Entstehen einer breiten Friedensbewegung mit erschreckend wirkungsvollen Mitteln bekämpft. Und das sollte uns doch vielleicht ein Warnsignal sein.

Katrin McClean schreibt Romane, Krimis, Theaterstücke und Kurzgeschichten sowie die neuen Folgen der Kinderhörspiel-Serie “Fünf Freunde”. Seit Mai 2014 engagiert sie sich bei verschiedenen Aktionen innerhalb der Friedensbewegung. Der Artikel erschien zunächst auf le bohémien. Vielen Dank für das Recht der Übernahme.

Anmerkung der Redaktion: Die Veröffentlichung dieses Artikels führte zu einer heftigen Diskussion auf Wikipedia. In Folge dessen wurde der Wikipedia-Eintrag über Katrin McClean deutlich entschärft.

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